Auf diese Website-Haftungsfallen müssen Unternehmen achten

Gewerbeschutz Berater von Rainer Kreuzer

Eine eigene Webseite ist heute ein Muss für jedes Unternehmen. Doch es lauern so einige Fallstricke, die teuer werden können. Mit einer Cyberversicherung werden die meisten Risiken abgedeckt.

Frank Schwandt

Versicherungsexperte Frank Schwandt rät Unternehmen zum Abschluss einer Cyberversicherung. Bild: privat

procontra sprach mit Frank Schwandt. Er ist Geschäftsführer der Acant Service GmbH in Berlin und berät seine Kunden bereits seit fünf Jahren über die Absicherung von Cyberrisiken.

procontra: Können Sie uns einen kurzen Überblick geben, welche Risiken ein Unternehmen beim Betrieb seiner Website berücksichtigen muss?

Frank Schwandt: Im Wesentlichen sind es die Bereiche Datenschutz nach der DSGVO und Urheberrechte, die ich mit meiner Website verletzen kann. Hinzu kommt auch das Risiko, dass mir von außen Viren gesendet werden und ich die unbeabsichtigt an andere Rechner weiterleite, wo dann Schäden entstehen können.

Vergessen sollte man auch nicht das Risiko für eigene Schäden durch Hackerangriffe oder Erpressungen, wenn einem von außen der Rechner lahmgelegt wird, bis man zahlt.

Private Webseiten einmal ausgenommen muss das Impressum gemäß §5 Telemediengesetz vollständig sein und Auskunft über den Webseitenbetreiber geben. Dazu gehören unter anderem Firmenname, Kontaktdaten, Zulassungen und Registereintragungen.

procontra: Wo liegen die größten Fallstricke?

Schwandt:
Beim Datenschutz. Wenn Sie über Ihre Webseite Daten von Besuchern und Kunden erfassen, müssen Sie sicherstellen, dass diese gegen den Zugriff durch Dritte geschützt sind. Genau das gelingt nicht immer. Informationen über Besucher oder Interessenten werden abgegriffen. Und dann erhalten diese plötzlich unerbetene Werbung.  

Es muss die Verschlüsselungspflicht nach dem Telemediengesetz umgesetzt werden. Die Cookie-Richtlinie gemäß EuGH aus dem Jahr 2019 muss eingehalten und eventuelle Verlinkungen zu sozialen Medien müssen dem Besucher angezeigt werden, à la Facebook-Button.  

procontra: Können Unternehmen diese Risiken mit einer Versicherung abdecken?

Schwandt: Ja, am besten eignet sich eine Cyberversicherung. Diese deckt Schäden ab, die durch Angriffe aus dem Internet verursacht werden: Wenn zum Beispiel Daten Ihrer Kunden gestohlen werden, wenn unbeabsichtigt Viren weitergeleitet werden, auch wenn durch Viren Ihr eigenes System beschädigt wird, bietet eine Cyberversicherung Schutz vor finanziellen Verlusten.

procontra: Auf welche Klauseln sollte man bei einer Cyberversicherung achten?

Schwandt: Diese Art von Versicherung ist sehr individuell. Man sollte gemeinsam mit dem Makler erst einmal die konkreten Risiken erfassen. Also, welche Gefahren entstehen mit meinem System?

Es gibt verschiedene Deckungskonzepte, die den jeweiligen Bereich absichern. Es ist zum Beispiel ein großer Unterschied, ob die Webseite eine reine Informationsseite ist oder ein Verkaufsportal. Am Ende gestalten Sie ihren individuellen Vertrag mit einer ausreichenden Versicherungssumme. Das Ganze ist nicht teuer, sondern bemisst sich am Umsatz des Unternehmens und der Höhe der gewählten Versicherungssumme. Der Beitrag für die Cyberversicherung eines Handwerkers oder eines selbständigen Arztes liegt in der Regel zwischen 500 und 1000 Euro pro Jahr.

procontra: Heißt das, dass die Berufs- oder Betriebshaftpflichtversicherung die Risiken bezüglich einer Webseite nicht abdeckt?

Schwandt: Zum Teil schon, nämlich dann, wenn durch ihr eigenes System Schäden bei Dritten entstehen. Gedeckt werden immer nur die verschuldeten Fremdschäden. Das ist zum Beispiel relevant, wenn Mitarbeiter unbedacht Viren an andere Rechner senden. Aber Ihre eigenen Schäden sind nicht versichert, auch nicht die durch Datendiebstahl. Wichtig ist, dass Sie darauf achten, dass in der Police die Klausel Internetrisiken steht.

procontra: Und was ist mit Kosten und Forderungen, die durch Urheberrechtsverletzungen und Fehler im Impressum entstehen?

Schwandt: Es gibt zwei Bereiche, die lassen sich nicht versichern: Das sind Wettbewerbsverstöße und Verstöße gegen das Urheberrecht. Wenn Sie meinetwegen ein fehlerhaftes Impressum veröffentlichen, laufen Sie Gefahr, dass ein Mitbewerber am Markt Sie wegen eines Verstoßes gegen das Wettbewerbsrecht abmahnt. Das kostet dann bestimmt 1.000 Euro. Aber da hilft keine Versicherung.

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