Altersvorsorge: Weniger Risiko durch Aktien?

Detlef Pohl Berater Top News

In der Altersvorsorge sind Garantien weiter beliebt, doch ein Blumentopf ist damit kaum noch zu gewinnen, wenn es um die Rendite geht. In Zeiten der Inflation bieten sie zudem nicht zwingend Sicherheit, meint nun das IFA Ulm. Aktien sind mit Blick auf die Kaufkraft eine verlässlichere Alternative.

IFA-Geschäftsführer Jochen Ruß. Bild: IFA

„Zu hohe Garantien verringern nicht nur das Renditepotenzial, sondern können auch das Risiko in Bezug auf die Kaufkraft zukünftiger Leistungen erhöhen“, sagt IFA-Geschäftsführer Jochen Ruß. Bild: IFA

Es ist Zeit für eine Neuausrichtung des deutschen Altersvorsorgesystems. Darüber waren sich Finanzmarkt-Teilnehmer einer Live-Diskussion auf der virtuellen bAV-Handelsblatt-Tagung kürzlich einig. Nur der Weg dorthin wird völlig unterschiedlich vorgeschlagen. Das ist auch bei Fachpolitikern von Union, SPD, Grüne und Linke so. Viele hegen insbesondere große Skepsis gegenüber den Kapitalmärkten. Beispiel Die Linke: Aktienmärkte und Niedrigzinsen könne die Politik nicht gestalten, das bisherige Drei-Säulen-Modell sei gescheitert.

Ähnlich zurückhaltend sind SPD (Kapitalerträge in der Zusatzvorsorge sind eine unsichere Sache) und Die Grünen (Alterssicherung ist auch ohne Kapitaldeckung möglich). Die CDU zeigt sich derweil bei dem Thema offen (das soziale Sicherungsnetz hält nur zusammen mit der zweiten und dritten Säule).

Garantien und deren scheinbare Sicherheit

Bei der Suche nach Lösungen für Probleme wie die demografische Entwicklung, Akzeptanz lebenslanger Zusatzversorgung und Volatilitätsrisiken bei der Alterssicherung stehen Berater weitgehend allein auf weiter Flur. Einen mutigen politischen Ansatz für eine umfassende Reform in allen drei Säulen bietet ein CDU-Fachausschuss.

In der laufenden Diskussion zur Riester-Reform zeigt sich: Aufgrund des Niedrigzinsumfelds sowie der bestehenden 100-Prozent-Beitragsgarantie laufen mehrere geförderte Produkte Gefahr, für die Kunden renditeschwach und für die Anbieter unwirtschaftlich zu werden. Es geht nur mit weniger Garantien, aber modernen Sicherheitsmechanismen. Wie das aussehen kann, haben Pensionsaktuare für die bAV schon vorgeschlagen: geringere und flexiblere Garantien und intelligente Kapitalmarktsicherungen.

Aktien können Risiken verringern – wie das?

Wasser auf die Mühlen gießen jetzt Experten des Instituts für Finanz- und Aktuarwissenschaften (IFA) in Ulm. Ihre wissenschaftliche These in Kurzform: Garantien führen nicht zwingend zu Sicherheit. Und: Aktien können das Risiko deutlich mindern. Details nennen Dr. Stefan Graf und Professor Jochen Ruß gegenüber dem Deutschen Institut für Altersvorsorge. Beide beschäftigen sich aktuell mit Fragestellungen zum Einfluss der Inflation auf die Altersvorsorge.

Die Experten sehen einen Zusammenhang zwischen Aktienperformance und Inflation. „Die langfristig kumulierte Aktienrendite korreliert positiv mit der langfristig kumulierten Inflation“, so Graf. Folge: Wenn lange eine hohe Inflation vorherrscht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich in diesem Zeitraum Aktien überdurchschnittlich gut entwickeln und umgekehrt.

Seite 1: Warum Garantien keine Sicherheit mehr bieten
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