Wie Getsafe im Kfz-Geschäft punkten will

Martin Thaler Digital Berater

Pünktlich zur Wechselsaison steigt nun auch Getsafe in den umkämpften Markt mit Kfz-Versicherungen ein. Das Heidelberger Insurtech wirbt unter anderem mit einem Verzicht auf Rückstufungen der Schadensfreiheitsklasse nach Unfällen.

Autoversicherung

Auch das Heidelberger Insurtech Getsafe steigt in den umkämpften Markt für Kfz-Versicherungen ein. Bild: Pixabay/ Schwoaze

„The same procedure as last year? – The same procedure as every year!“ Wie jedes Jahr wiederholt sich auch 2020 der Wettstreit der Kfz-Versicherer um wechselwillige Kunden: Da die meisten Policen bis zum 30. November gekündigt werden können, gehen die Versicherer mit günstigen Tarifen auf Kundenjagd. Offenbar erfolgreich, wenn man Branchenumfragen Glauben schenkt: Das Marktforschungsinstitut Sirius Campus errechnete für das vergangenen Jahr, dass insgesamt jeder Zwanzigste der rund 40 Millionen Kfz-Versicherungsnehmer mindestens eine Versicherung gewechselt hat.  

Mit Getsafe steigt nun ein weiteres Unternehmen in einen bereits stark umkämpften Markt ein. „Die Autoversicherung ist in Deutschland mit knapp 30 Milliarden Euro Prämie eine der größten Versicherungssparten. Für uns aber ein Meilenstein, denn wir haben nun eine der wichtigsten Sachversicherungen im Portfolio“, begründete Getsafe-Gründer Christian Wiens den Markteintritt.  

Die neue Kfz-Versicherung, die in Kooperation mit iptiQ, dem White-Label-Versicherer der Swiss Re (unter anderem auch verantwortlich für die Ikea-Hausratsversicherung), entstanden ist, richtet sich laut Unternehmensangaben an Kunden aus dem eigenen Bestand. „Viele unserer Kundinnen und Kunden haben ein eigenes Auto. Wir fragen unsere Kunden, welche Versicherung sie sich von uns als Nächstes wünschen. Die Autoversicherung war dabei der klare Favorit“, hießt es auf procontra-Nachfrage. Derzeit haben Kunden insgesamt 165.000 Policen bei dem Heidelberger Unternehmen abgeschlossen.  

Unfallfreie Jahre sollen belohnt werden

Die neue Kfz-Versicherung soll mit täglicher Kündbarkeit, einem günstigen Preis sowie einer einfachen Handhabbarkeit via Smartphone punkten. Zudem sollen Kunden auch nach einem Unfall nicht in ihrer Schadensfreiheitsklasse zurückgestuft werden. Diesen Anspruch relativiert das Unternehmen auf seiner Webseite: „Es kann jedoch sein, dass wir bei einer extremen Häufung von Schäden davon abrücken müssen, um weiterhin günstige Preise für unsere Kunden garantieren zu können“, heißt es hier. Unfallfreie Jahre sollen aber belohnt werden.  

Abheben soll sich die Kfz-Versicherung von Getsafe auch durch ihren technologischen Ansatz: So sollen Millionen anonymisierter Smartphone-Daten dabei helfen, Unfälle und gefährliches Fahrverhalten frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. „Unser Vorbild ist hier das US-amerikanische Insurtech Root“, teilt das Unternehmen mit.  

Bislang weder Telematik noch Elektro-Tarif

Einen Telematik-Tarif, wie ihn immer mehr Versicherer anbieten, hat Getsafe nicht im Angebot. „Im ersten Schritt ging es uns darum, eine Autoversicherung für unsere Kunden zu entwickeln“, heißt es auf Nachfrage. Jedoch betont Getsafe, dass Produkt zu einem späteren Zeitpunkt weiterentwickeln zu wollen.  

Auch einen speziellen Tarif für Elektroautos gibt es aus Heidelberg bislang nicht. Hier hatte unlängst das Vergleichsportal die Vollkasko-Versicherungsprämien von sechs „Stromern“ mit denen von vergleichbaren Verbrennern verglichen und deutlich Preisunterschiede zugunsten der E-Auto-Tarife festgestellt. „Wir haben uns vor allem an unseren Bestandskunden orientiert. Das Thema Elektroauto ist dort nur wenig verbreitet“, erklärt Getsafe seine diesbezügliche Zurückhaltung.  

Durch den Start der Kfz-Versicherung ist die Einführung einer digitalen Lebensversicherung, die die Heidelberger bereits mehrfach angekündigt hatten, erneut verschoben worden. Vom Tisch sei das Thema allerdings keinesfalls, betont das Unternehmen. „Getsafe will holistischer Versicherer werden, an diesem Plan hat sich nichts geändert.“ Allerdings sehe man im Bereich der Sachversicherung noch sehr viel Potential. „Allein in Deutschland gibt es über 300 Millionen Policen in der Sach- und Unfallversicherung. Dank unseres stark technologischen Ansatzes können wir auch mit Sachversicherungen Geld verdienen. Andererseits können wir nicht alles gleichzeitig machen, sondern müssen einen Schritt nach dem anderen gehen.“

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