Versicherer sind graue Mäuse im Social Web

Anne Hünninghaus Digital Versicherungen Berater

Eine neue Studie zeigt, welche beiden sozialen Netzwerke für Versicherer und Vermittler besonders vielversprechend sind – und woran es bislang hapert.

Social-Media-Studie; Bild: Adobe Stock/BillionPhotos.com

Leider unscheinbar: Nur 15 Prozent der Social-Media-Nutzern sind Web-Auftritte von Versicherungen und Vermittlern bekannt. Bild: Adobe Stock/BillionPhotos.com

Facebook gibt es seit 2004, der Kurznachrichtendienst Twitter steht Nutzern seit 2006 zur Verfügung – aus dem einstigen Neuland der sozialen Netzwerke ist auch für die meisten Unternehmen hierzulande inzwischen altbekanntes Terrain geworden. Manche hatten hier schnell den Dreh raus und die Follower auf ihrer Seite. Wie „fancy“ das eigene Produkt oder die Dienstleistung ist, spielt bei einer guten Social-Media-Strategie eher eine geringere Rolle. Das beweisen zum Beispiel der Autovermieter Sixt oder die Berliner Verkehrsbetriebe, die immer wieder mit witzigen Sprüchen und auffälligen Kampagnen viral gehen.

Die Versicherungsbranche tut sich derweil schwer. Das zeigt auch eine neue Studie des Forschungs- und Beratungsinstituts Sirius Campus. Beinahe jeder Zweite (45 Prozent) der 2.000 repräsentativ ausgewählten Umfrageteilnehmer ist zwar generell offen dafür, Unternehmensnews via Facebook und Co. zu erhalten – geht es explizit um Versicherer winkt jedoch die Hälfte von ihnen gleich wieder ab.

Das größte Problem der Versicherer liegt derweil nicht in ihren schlechten Auftritten, sondern in ihrer Unscheinbarkeit im Social Web: Nur 15 Prozent der Befragten kennen einen oder mehrere Präsenzen von Versicherungsunternehmern oder Vermittlern in sozialen Netzwerken. Die gute Nachricht: Die Kenner der jeweiligen Auftritte bewerten diese vor allem bei Youtube, Instagram und den Karriere-Plattformen Linkedin und Xing laut der Studie mehrheitlich als positiv.

Twitter und Instagram für Versicherer und Vermittler besonders relevant

Am empfänglichsten für Versicherungs-News sind Nutzer der Kanäle Twitter und Instagram. Hier sind auch die Zustimmungswerte am höchsten, wenn es darum geht, mit einem vertraulichen „Du“ angesprochen zu werden. Vermittler, die hier über starke Auftritte verfügen, sind also tendenziell im Vorteil.

Ebenfalls lohnenswert scheint es zu sein, sich prominente Influencer ins Boot zu holen, um Aufmerksamkeit für Versicherungs- und Finanzprodukte zu schaffen. Gerade in der jüngeren Zielgruppe genießen die Blogger großes Vertrauen. Laut der Studie von Sirius Campus sind Influencer auf Instagramm für den Themenbereich besonders interessant. So gab rund ein Drittel der Kenner der jeweiligen Blogger an, Versicherungstipps von Lifestyle-Instagrammerinnen wie dariadaria, Julia Schröder und Laura Lehmann anzunehmen.

Die Corona-Zeit sensibilisiert für Online-Auftritte

Die Corona-Pandemie zwingt aktuell auch die Mehrheit der Makler dazu, den persönlichen Kundenaustausch ins Netz zu verlagern. Das macht die derzeitige Krise zu einer Gelegenheit, sich mit der eigenen Digitalkompetenz auseinanderzusetzen – und die virtuellen Präsenzen auf den Prüfstand zu stellen. Möchte man eine möglichst breite Zielgruppe erreichen, kann es ratsam sein, mit Präsenzen auf den beliebtesten Kanälen zu starten. Mehr als 30 Millionen Menschen in Deutschland sind auf Facebook vertreten, auf Instagram sind es inzwischen rund 15 Millionen.

Auf eine Massenansprache zu setzen, ist aber nicht immer die beste Strategie, so der Experte MarKo Petersohn: „Als allererstes muss ich mir Gedanken über meine Zielgruppe machen. Wer ist sie? Was zeichnet sie aus? Wo erreiche ich sie? Mit welchen Themen?“.Die Antwort dürfe dabei nicht lauten: jeder, der eine Versicherung braucht. Stattdessen zählt eine inhaltliche Ansprache. Ein Makler, der sich beispielsweise auf die Versicherung von Oldtimern spezialisiert hat, kann in entsprechende Facebookgruppen eintreten und sich auf Instagram mit eigenen Bildern und Hashtags zu diesem Thema positionieren. Wer sich in der eigenen Region vernetzen möchte, kann sich regionalen Facebookgruppen anschließen.

Neben Facebook, Twitter und Co. können auch Karrierenetzwerke für Makler interessant sein. Gerade die internationale Plattform LinkedIn werde immer beliebter, beobachtet der Experte. Sie sei inzwischen eine ernstzunehmende Konkurrenz für Facebook. "Dort kann man beispielsweise junge Menschen erreichen, die gerade ins Berufsleben starten. Denn jeder von ihnen meldet sich bei LinkedIn an." Lesen Sie hier wie der Weg zum passenden Online-Auftritt aussehen kann und welche Fehler es dabei unbedingt zu vermeiden gilt.

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare