Verbraucherzentrale: Anwerbung von Beratern zu Dumping-Preisen?

Detlef Pohl Berater Recht & Haftung

Die Verbraucherzentrale NRW sucht Berater für ihre Geldanlageberatung auf Honorarbasis. Die Honorare sind deutlich niedriger als der Betrag, den Verbraucher dafür an die VZ bezahlen, die Haftung bleibt beim freien Vermittler. Das wirft Fragen auf.

"Bereits seit vielen Jahren beschäftigt die VZ NRW Berater für Geldanlagen; die Voraussetzungen sind entsprechend geprüft worden“, sagt Christian Urban, Gruppenleiter Finanzen und Versicherungen. Bild:

"Bereits seit vielen Jahren beschäftigt die VZ NRW Berater für Geldanlagen; die Voraussetzungen sind entsprechend geprüft worden“, sagt Christian Urban, Gruppenleiter Finanzen und Versicherungen. Das IDD-Umsetzungsgesetz erfordert härtere Kriterien. Bild: VZ NRW

Das IDD-Umsetzungsgesetz garantiert ein Nebeneinander von Provisions- und Honorarberatung und sichert so den Zugang zur Beratung für alle Anleger ebenso wie auch die Wirtschaftlichkeit der Beratungsdienstleistung in der Breite. Das hält Verbraucherschützer nicht davon ab, regelmäßig die Qualität der Aufsicht über Finanzanlagevermittler mit Zulassung nach Paragraf 34f Gewerbeordnung (GewO) in Frage zu stellen. Sie plädieren für einen Wechsel der Aufsicht – hin zu BaFin und kritisieren die Aufsicht durch die IHK und Gewerbeämter.

Da verwundert es, dass die Verbraucherzentrale NRW für mindestens acht Standorte in NRW eben genau aus dem Bereich des gewerberechtlich beaufsichtigten Segments Berater rekrutiert. „So schlecht kann die permanent vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) diskreditierte Aufsicht also offenbar gar nicht sein, wenn die Verbraucherzentrale sich aus diesem Pool bedienen will“, sagt Christian Prüßing, Redaktionsleiter des Branchendienstes „kapital-markt intern“ (k-mi).

Verbraucherschützer holen zugelassene Berater ins Boot

Per „Öffentlicher Ausschreibung" sucht die VZ NRW besagte Berater auf Honorarbasis, die im Auftrag der VZ NRW eigenverantwortlich und selbständig Beratungen im Rahmen der persönlichen Verbraucherberatung übernehmen sollen. Darauf machte k-mi vor kurzem in einem Bericht aufmerksam. In der Leistungsbeschreibung wird als Voraussetzung die „erforderliche Sachkunde gemäß der Finanzanlagenvermittlungsverordnung" (FinVermV) genannt.

Die Sache hat aber einen Haken: „Eine Haftung für die Beratungstätigkeit der angeworbenen Berater will die VZ NRW laut Vergabeunterlagen nicht übernehmen“, kritisiert Prüßing. „Im Falle einer Schlechterfüllung seiner sich aus diesem Vertrag gegenüber den ratsuchenden Verbrauchern ergebenden Pflichten oder einer fehlerhaften Beratung haftet der Honorarberater“, heißt es da. Sollte die VZ NRW dafür in Anspruch genommen werden, so verpflichtet sich der Honorarberater, die VZ von solchen Ansprüchen freizustellen.

Unzureichende Haftungsregeln für Berater

Des Weiteren haftet der Honorarberater auch gegenüber der VZ, in deren Räumlichkeiten übrigens die Beratungen stattfinden. Auf Anforderung sei eine Berufshaftpflichtversicherung vorzulegen. „Wenn am Ende die VZ über ihre VSH doch gegenüber Verbrauchern haften muss, ist der Berater gegenüber der VZ haftbar, doch dessen VSH wird dafür wohl kaum aufkommen, so dass bei ihm das volle persönliche Haftungsrisiko bliebe“, beschreibt Prüßing die Haftungsfalle.

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