Steuererleichterungen: So hoch ist das Sparpotenzial im kommenden Jahr

Anne Hünninghaus Berater Top News

Soli, Einkommensteuer, Kindergeld: Im kommenden Jahr dürfen Steuerzahler mit deutlichen Entlastungen rechnen. Eine aktuelle Hochrechnung der Sparbeträge für Alleinstehende und Familien sollte auch Berater hellhörig werden lassen.

Steuerentlastungen 2021; Bild: Adobe Stock/PhotoSG

Im kommenden Jahr dürfen Steuerzahler mit massiven Entlastungen rechnen. Bild: Adobe Stock/PhotoSG

Ein in vielerlei Hinsicht schwieriges Jahr geht seinem Ende zu, für die Mehrheit der Deutschen bietet das allein schon Grund zu Aufatmen. Auch, was die finanzielle Situation in wirtschaftlich problematischen Zeiten anbelangt. Und es gibt, der anhaltenden Krise zum Trotz, tatsächlich Anlass für einen optimistischen Blick in die Zukunft. Denn Steuerzahler werden 2021 hierzulande entlastet wie seit einigen Jahren nicht. So wird in weiten Teilen der sogenannte Soli abgeschafft, zudem gibt es eine Anpassung der Einkommensteuer. Wie schon in den Vorjahren gleicht die Bundesregierung die kalte Progression aus, diesmal aufgrund der Umstände allerdings besonders effektiv. Hinzu kommt ein erhöhtes Kindergeld und ein erhöhter Kinderfreibetrag.

So viel können Singles und Familien 2021 sparen

Laut einer aktuellen Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW Köln) übersteigt der Gesamtbetrag der erwarteten Ersparnisse die Summe der vergangenen drei Jahre zusammen. Die Hochrechnung sieht wie folgt aus:

  • Alleinstehende müssen im kommenden Jahr bis zu 2.000 Euro weniger Steuern und Abgaben zahlen als noch zu Beginn der aktuellen Legislaturperiode 2017.
  • Für Familien ist das Sparpotential noch deutlich höher: Alleinerziehende mit einem Kind haben je nach Einkommen bis zu 3.000 Euro mehr zum Leben, eine Familie mit zwei Kindern sogar bis zu 4.500 Euro.

Der Rechnung zufolge macht die weitgehende Abschaffung des Soli den größten Teil der Entlastung aus. Doch auch die im Zuge der Coronakrise geringeren Lohnsteigerungen tragen dazu bei, dass Arbeitnehmer höhere Nettobeträge überbehalten. Denn 2021 werden die Löhne voraussichtlich nur um 0,5 Prozent steigen und die Inflation wird niedriger sein als von der Bundesregierung für die Berechnung der kalten Progression angenommen. Somit ist das Ungleichgewicht zwischen tatsächlichem Mehrverdienst und der Verlustentwicklung kleiner als gewöhnlich.

Gute Zeiten für Beratung

Trotz dieser guten Nachrichten übt das IW Kritik an der Bundesregierung, die abermals keine Einkommenssteuerreform durchgebracht hat. So seien niedrige und mittlere Einkommen weiterhin überproportional belastet, was den Anreiz, mehr zu arbeiten, mindere. Das Institut sähe zudem den Spitzensteuersatz lieber auf weniger breiten Schultern verteilt, zu sehr schmälert er in den Augen der Experten auch die Einnahmen von Normalverdienern.

Für Vermittler bietet die Abgabenerleichterung derweil Anlass für Beratungsgespräche. Denn mehr als die Hälfte der Steuerzahler beabsichtigt, die Soli-Ersparnisse auf die hohe Kante zu schaffen, wie eine Umfrage von INSA Consulere im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge jüngst offenbarte. Weitere 24 Prozent beabsichtigen zudem, das zusätzliche Geld zum Anlass zu nehmen, mit dem Sparen anzufangen. Vor allem bei jüngeren Steuerzahlern bis 29 Jahre ist diese Bereitschaft ausgeprägt: 44 Prozent dieser Gruppe gaben an, mit dem Sparen beginnen zu wollen, weitere 36 Prozent wollen die Einzahlungen in einen bereits vorhandenen Vertrag noch einmal erhöhen.

Beim richtigen Sparen brauchen viele allerdings Nachhilfe: Statt auf Zinsen sollten sie derzeit als Äquivalent auf Renditen setzen. Viele Deutsche haben in diesem Jahr zumindest einen Schritt in die richtige Richtung gewagt. Ausgerechnet die Corona-Pandemie hat deutsche Sparer, die sich zuletzt intensiv mit ihren Finanzen auseinandergesetzt haben, an den Kapitalmarkt getrieben. Laut einer Studie nehmen sie vor allem das Angebot, mit kleinen Beträgen regelmäßig in Wertpapiere zu investieren, als sinnvolle Alternative zum Sparstrumpf an. Zudem ist eine verstärkte Hinwendung zu Investments in Edelmetalle zu beobachten. Das gestiegene Interesse zeigt, dass nun ein guter Zeitpunkt sein dürfte, Beratung auch mit dem Blick auf die eigene Altersvorsorge anzubieten.