Skifahrer haften bei Verstoß gegen Verhaltenskodex

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Die Loipe ist kein rechtsfreier Raum, für Skifahrer gelten die sogenannten FIS-Regeln. Dass diese kein unverbindlicher Vorschlag, sondern rechtlich bindend sind, unterstreicht ein aktuelles Urteil.

Skiunfall

Skifahrer müssen sich auf der Piste an die sogenannten FIS-Regeln halten. Bild: Adobe Stock/ Julia

Der Ort Ischgl schaffte es Anfang des Jahres auch außerhalb der Skifahrer-Community zu unrühmlicher Bekanntheit. Als „Superspreader“ für das Corona-Virus bestimmte das österreichische Örtchen die Schlagzeilen, von den Loipen der Alpen verbreitete sich das Virus einmal quer durch Europa.  

Ob die Skigebiete Europas in diesem Winter öffnen dürfen, ist in der Politik derzeit heftig umstritten. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte vergangene Woche im Bundestag, die Skigebiete bis mindestens zum 10. Januar europaweit geschlossen zu halten. Die österreichische Regierung hält energisch dagegen.  

Für den Fall, dass die Pisten allen Ski-Hasen wieder offenstehen, sollten diese auf jeden Fall die sogenannten FIS-Regeln – ein nach dem internationalen Skiverband Fédération Internationale du Ski benannter Verhaltenskodex – einhalten. Wird dagegen verstoßen und es kommt zu einem Unfall, können sonst Schadensersatzforderungen drohen, wie ein Urteil des Landgerichts Frankenthal zeigt (Az: 7 O 141/19).  

Was war passiert?  

Auf einer Ski-Reise nach Kanada war es zwischen zwei Teilnehmern – einem Ski- und einem Snowboardfahrer – zu einer Kollision gekommen. Der Snowboardfahrer verletzte sich hierbei erheblich: Neben einem Kreuzband- und Seitenbandabriss stellten Ärzte auch eine Verletzung des Innen- und Außenmeniskus fest. Der Snowboarder verlangte hierauf Schadensersatz, der Fall landete vor Gericht.  

Das Urteil  

Das Landgericht schloss sich der Auffassung des Klägers an. Da der Skifahrer gegen besagte FIS-Regeln verstoßen hatte, müsse er für alle Folgen des Unfalls haften. Unter Punkt 5 heißt es hier:  

„Jeder Skifahrer, der in eine Abfahrt einfährt, nach einem Halt wieder anfährt oder hangaufwärts schwingen oder fahren will, muss sich nach oben und unten vergewissern, dass er dies ohne Gefahr für sich und andere tun kann.“  

Der Skifahrer hatte nach eigener Schilderung unmittelbar vor dem Unfall zum Linksschwung angesetzt und war dann beim Ausfahren aus der Kurve leicht hangaufwärts gefahren. Hierbei hätte er sich aber nach Ansicht des Gerichts vergewissern müssen, das ohne Gefahr für sich und andere tun zu können. Auch zeigte sich das Gericht überzeugt, dass die schwerwiegende Knieverletzung des Snowboarders aus der Kollision resultierte. Zwar hatte dieser auch an den drauffolgenden vier Tagen weitere Abfahrten gemacht und gar an einem Helikopter-Skiing teilgenommen.  

Ein vom Gericht beauftragter Sachverständiger erklärte aber, dass Snowboard- im Vergleich zum Skifahren knieschonender sei. Zudem sei das verletzte Knie durch die vor Ort vorherrschenden Schneeverhältnisse weniger stark belastet worden.  

Den Skifahrer – bzw. dessen Haftpflichtversicherung – verurteilte das Gericht zur Zahlung des Verdienstausfalles in Höhe von 20.000 Euro sowie weiteren 7.000 Euro Schmerzensgeld. Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Doch bereits in der Vergangenheit hatten andere Gerichte, u. a. das OLG Hamm (I-13 U 81/08) die FIS-Regeln für rechtlich bindend erklärt.

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