Rentenübersicht: „Alles auf einer Plattform darzustellen, wird eine große Herausforderung“

Anne Hünninghaus Berater Versicherungen

Das Thema Alterssicherung soll transparenter und verständlicher werden. Dafür hat die Bundesregierung mit ihren Plänen zur digitalen Rentenübersicht einen Gesetzesentwurf ausgearbeitet und nun Expertenmeinungen dazu eingeholt.

Digitale Rentenübersicht

Für den Gesetzesentwurf zur Digitalen Rentenübersicht gab es bei der Expertenanhörung im Bundestag am Montagvormittag, 16. November, einigen Zuspruch. Bild: Adobe Stock/Viacheslav Iakobchuk

Die Digitale Rentenübersicht kommt: Sie soll allen Bürgern einen Gesamtüberblick über die erreichten sowie erreichbaren Ansprüchen sowohl aus gesetzlicher als auch betrieblicher und privater Vorsorge bieten und damit dazu beitragen, die Altersvorsorge zu erleichtern. „Wir wollen den Kenntnisstand der Bürgerinnen und Bürger über ihre eigene Altersvorsorge verbessern“, erklärte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) im Sommer. „Denn nur wer Bescheid weiß, kann gut vorsorgen“, so Heil. 

Für den im Oktober vorgelegten Gesetzesentwurf gab es bei der Expertenanhörung im Bundestag am Montagvormittag, 16. November, einigen Zuspruch. Das Grundproblem der bislang mangelnden Transparenz ist schließlich allen Experten bewusst: „Der Kenntnisstand der Bürger über ihre Rentenerwartung ist ausbaufähig“, konstatierte Dr. Reinhold Thiede von der Deutschen Rentenversicherung Bund in der Sitzung unter Vorsitz von Dr. Matthias Bartke (SPD). Das Angebot bewerte man daher als sinnvoll. „Die Menschen werden zum einen davon profitieren, dass für die kompakte digitale Übersicht nur einzelne ausgesuchte Werte aus den Standmitteilungen herausgezogen werden. Zum anderen ist das ein positives Angebot, weil die Werte exportierbar sind und dann weiter für Beratung und Auskunft genutzt werden können."

Er sei zudem zuversichtlich, so Thiede, dass sich ein überwiegender Teil der Anbieter schrittweise anbinden würden, die Offenheit des Systems sei immerhin gegeben: „Jeder, der regelmäßig Standmitteilungen verbindet, kann sich auch auf freiwilliger Basis anbinden – die Versicherten werden das früher oder später von ihnen erwarten“, lautete seine Prognose.

Welche Vorsorgeformen können angebunden werden?

Zum Thema konsultiert wurde unter anderem auch Andreas Hackethal, Professor für Finanzen an der Goethe-Universität in Frankfurt. Er berichtete aus einer eigenen Studie, die Mehrheit der Deutschen habe keinerlei Überblick über ihre zu erwartenden Alterseinkünfte. „Es ist wie ein Puzzlespiel, bei dem manche Teile auf dem Tisch und andere darunter verstreut liegen“, so Hackethal. Dass eine zentrale Stelle nun die Teile zusammenfügen soll, sei eine gute Maßnahme – allerdings werde es schwer, allen Menschen und Modellen entgegenzukommen. So seien Immobilien für viele der wichtigste Baustein, der in der digitalen Rentenübersicht allerdings fehlen werde. „Alles auf einer Plattform darzustellen, wird eine große Herausforderung – wir brauchen dafür eine Aufgabenteilung“, so die Einschätzung des Experten.

Der FDP-Abgeordnete Johannes Vogel verwies auf das Beispiel Dänemark, dort seien auch Aktienfonds teil des dargestellten Programms, während in Deutschland nur eine Berücksichtigung von Vorsorgeformen mit Standmitteilung geplant ist. Die technische Möglichkeit, verschiedene Quellen zusammenzuführen sei gegeben, antwortete der danach gefragte Hackethal. Grundsätzlich gelte: „Jede Art der Vorsorge lässt sich aggregieren, solange Zeitpunkte und Risiken beachtet und Annahmen getroffen werden.“

So geht es weiter

Nach Plänen der Bundesregierung soll das Gesetz zum Jahresbeginn 2021 in Kraft treten. In diesem Fall würde die erste Betriebsphase im Herbst 2022 beginnen. Sie wird nach dem Gesetzentwurf ein Jahr lang dauern, im Anschluss soll ein Evaluationsbericht vorgelegt werden. Zur Umsetzung wird bei der Deutschen Rentenversicherung Bund eine „Zentrale Stelle für die Digitale Rentenversicherung“ geschaffen, auf die Informationen sollen die Bundesbürger anschließend mittels ihrer Steuer-Identifikationsnummer zugreifen dürfen.

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