PEPP: Wie erfolgsversprechend ist die Europarente?

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Contra: „Von einer Investition ist abzuraten.”

Martin Schirdewan ist Mitglied des Europäischen Parlaments und Co-Vorsitzender der Konföderalen Fraktion der Vereinten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke.

Im Frühjahr 2018 erhielt ich einen Anruf aus Portugal. Am anderen Ende der Leitung ein Investigativjournalist, spezialisiert auf Finanzmärkte. Er kontaktierte mich, da ich ihm in den Anhörungen zu dem neu geplanten europäischen Rentenprodukt PEPP als der Abgeordnete aufgefallen war, der sich ausgesprochen kritisch äußerte.

Das Ergebnis seiner Recherche: PEPP sei eine Erfindung des Finanzmoguls BlackRock, der 2014 eine Analyse zu den Marktchancen eines solchen Produkts erstellte. Nachdem es etliche dokumentierte Lobbytreffen von BlackRock mit der Kommission gegeben hatte, ging diese das Projekt an. Zwar wurde der Sachverhalt EU-weit von Zeitungen aufgegriffen, aber für Entrüstung sorgte das nicht. In überraschender Schnelligkeit nahm das Vorhaben durch die sonst eher als langsam geltenden europäischen Institutionen alle parlamentarischen Hürden.

Die Europäische Kommission stellte in ihrem ursprünglichen Vorschlag zu PEPP fest, dass 20 Prozent der Bevölkerung in der EU von Altersarmut bedroht sind oder unter ihr leiden, was sie ändern wolle. Auch deshalb wolle sie den Wild-West-Markt der privaten Altersvorsorge regulieren und mit PEPP für ein einheitliches europäisches privates Rentenprodukt sorgen. Zur Bekämpfung der Altersarmut wird PEPP definitiv nicht beitragen, dafür braucht es ein höheres Lohn- und staatliches Rentenniveau. PEPP hingegen soll nur ergänzend zur Altersvorsorge genutzt werden, so der Vorschlag.

Dennoch soll PEPP in der zweiten Jahreshälfte 2021 in der EU an den Markt gehen. Es wird in einer Reihe von Altersvorsorgeprodukten wie der deutschen Kapitallebensversicherung und der Riester-Rente stehen, die für Verbraucherinnen und Verbraucher verheerende Folgen hatten. Deshalb ist insbesondere denjenigen, die auf ihre Rente im Alter wirklich angewiesen sein werden, von einer Investition in die europäische private Altersvorsorge abzuraten.

Das hat vielschichtige Gründe: Zum einen sind nicht einmal beim Basisprodukt – also der risikoärmsten PEPP-Variante – aufgrund der laufenden Gebühren die eingezahlten Beiträge garantiert, weshalb den Kunden von vornherein ein finanzieller Verlust droht. Von der Kommission wurde es als großer Wurf gefeiert, dass der Anbieter in jedem Mitgliedsland Repräsentanzen haben muss. Das ist auf den ersten Blick ein Vorteil für die wenigen, die innerhalb der EU umziehen. Auf der anderen Seite schließt diese Bedingung viele kleinere Versicherungsanbieter aus und sagt nichts darüber aus, ob das Produkt im neuen Wohnsitzland gleich besteuert wird oder nicht, da diese Regelung – selbstredend – national bleibt.

Während bisher nur Versicherungen oder Banken das Recht hatten, private Rentenprodukte aufzulegen, wurde mit PEPP ein Novum im negativen Sinne geschaffen, denn hinter dem Produkt dürfen auch Hedgefonds stehen. Wer für die Kosten aufkommt, wenn diese pleitegehen, bleibt unklar. Die Öffnung des Marktes privater Rentenprodukte für den Schattenbankensektor bedeutet ein größeres Risiko für die Anleger. Unsichere Zeiten für die Rente.

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