PEPP: Wie erfolgsversprechend ist die Europarente?

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Im vergangenen Jahr wurde die Europarente (PEPP) beschlossen, ab dem zweiten Halbjahr 2021 soll sie den EU-Bürgern als standardisiertes Vorsorgeprodukt angeboten werden können. Doch ist sie überhaupt eine attraktive Alternative zu Riester und Co.? Dazu hat procontra von Unternehmer Til Klein und Politiker Martin Schirdewan zwei sehr unterschiedliche Einschätzungen bekommen.

Europarente

Sind unterschiedlicher Auffassung, wie gewinnbringend die Europarente ist: Til Klein und Martin Schirdewan (v. l.) Bilder: Vantik; Die Linke

Vor einem Jahr haben Europaparlament und Rat die Europarente mit dem sperrigen Namen Pan-European Personal Pension Product (PEPP) beschlossen. Die PEPP zielt darauf ab, allen EU-Bürgern als Zusatzoption zu den jeweiligen betrieblichen und staatlichen Renten in ihre Vorsorge zu investieren. Sowohl Angestellte, Arbeitslose und Selbständige als auch Studenten sollen auf das Angebot zurückgreifen können. Geworben wird damit, dass das standardisierte Vorsorgeprodukt besonders leicht verständlich, kostengünstig, digital und transparent sein soll. Angeboten wird die Europarente im Verlauf des kommenden Jahres von Versicherungsgesellschaften, Banken, Vermögensverwaltern, Wertpapierfirmen und betrieblichen Pensionsfonds, auch von Versicherungsvermittlern kann sie vertrieben werden.

Pro: „Eine attraktive Alternative zu Riester und Rürup – über Grenzen hinweg.”

Til Klein ist Gründer und Geschäftsführer des FinTech-Start-ups Vantik, das Altersvorsorge für die Generation Smartphone anbietet. Er ist Mitglied des Expertenrats für die neue Europarente bei der europäischen Versicherungsaufsicht Eiopa.

Angesichts wachsender Altersarmut hat sich die EU der privaten Altersvorsorge angenommen und setzt mit der neuen „Europarente” (kurz PEPP) ein klares Zeichen: Die Verordnung nimmt viele Punkte auf, die schon lange zur Diskussion stehen. Unter anderem mit neuen Maßstäben beim Verbraucherschutz bietet die Europarente auch hierzulande die Chance für eine längst überfällige Reform der privaten Altersvorsorge.

So kommt endlich eine einfache, erschwingliche und sichere Standardoption (Basis-PEPP), die alle Anbieter in ihrem Portfolio haben müssen. Die Kosten dafür sind auf 1 Prozent des angesparten Kapitals begrenzt. Auch wenn das Standardprodukt nicht für alle Verbraucher die beste Lösung sein wird, müssen sich alle Angebote hinsichtlich Preis/Leistung daran als Referenzwert messen lassen. Außerdem ist zu erwarten, dass die Anbieter – allein schon angesichts des Kostendeckels – das Thema digitale Beratung endlich ernsthaft vorantreiben.

Ein wichtiger Schritt ist zudem die Abkehr von der harten Garantie. Diese hat sich in der Niedrigzinsphase als Bumerang für viele Verbraucher erwiesen, die dadurch weniger statt mehr Rente bekommen. Die Europarente sieht auch einen Schutz des eingezahlten Kapitals vor. Dabei sind neben klassischen Garantien auch explizit alternative Ansätze zur Risikoreduktion vorgesehen, die vergleichbare Sicherheit zu deutlich niedrigeren Kosten bieten und sich nicht so negativ auf die Rendite auswirken.

Hinsichtlich Flexibilität und Transparenz setzt die Europarente ebenfalls neue Maßstäbe: So gibt es keinen Verrentungszwang, wodurch die Auszahlung per lebenslanger Rente oder Ein­malzahlung erfolgen kann. Alle fünf Jahre können das Produkt oder der Anbieter kos­ten­los gewechselt werden. Als europäische Lösung kann die Altersvorsorge grenzüberschreitend genutzt und „mitgenommen“ werden. Auch muss offengelegt werden, inwieweit Nachhaltigkeitskriterien bei der Anlage berücksichtigt werden.

Parteiübergreifend herrscht der Konsens, dass die private Altersvorsorge in Deutschland einer grundlegenden Reform bedarf. Mit der Europarente serviert Brüssel Berlin die passende Lösung auf dem Silbertablett: Per Verordnung wird sie Ende 2021 in allen Mitgliedsländern eingeführt. Entscheidend für den Erfolg wird die steuerliche Behandlung sein, die den Mitgliedstaaten überlassen wird. Wenn die Bundesregierung die Europarente steuerlich mit Riester und Rürup gleichstellt, entsteht für Verbraucher eine attraktive Alternative.

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