Neue App zeigt Einbruchswahrscheinlichkeit

Martin Thaler Digital Berater

Unter dem Stichwort „Predictive Policing“ arbeitet die Polizei daran, Vorhersagen zu zukünftigen Einbrüchen zu treffen. Nun sollen auch die Bewohner Nordrhein-Westfalens davon profitieren können.

Einbrecher

Eine neue App soll die Bewohner Nordrhein-Westfalens warnen, wenn das Einbruchsrisiko in ihrer Wohngegend erhöht ist. Bild: Pixabay/ mohamed_hassan

Auch wenn die Einbruchszahlen in Deutschland seit Jahren rückläufig sind und die Versicherer in diesem Jahr ein neues Rekordtief erwarten, registrierten die Versicherer im vergangenen Jahr immer noch 95.000 Einbrüche. Pünktlich zur dunklen Jahreszeit – die gewöhnlich als Hochzeit für Langfinger gilt – startet die Provinzial Versicherung zusammen mit der Polizei und dem Innenministerium in Nordrhein-Westfalen ein neues Präventionsprojekt.  

Nutzer der „Mehr Wetter App“, die ursprünglich Wetterprognosen zur besseren Planung von Freizeitaktivitäten zur Verfügung stellt, bekommen in Zukunft nicht nur Informationen zu bevorstehenden Tiefdruckgebieten, sondern auch Prognosen zu Einbruchswahrscheinlichkeiten in ihrer Nachbarschaft zur Verfügung gestellt. Jeden Montag bekommen Nutzer für die vorher von ihnen festgelegten Orte per Push-Nachricht Warnungen, sofern für ihre Region eine erhöhte Einbruchswahrscheinlichkeit besteht. Die Warnungen haben jeweils eine Gültigkeit von einer Woche.  

Zudem bietet die App eine sogenannte „Heatmap“. Auf einer Karte können die App-Nutzer – zumindest grob – nachverfolgen, wo in der jüngeren Vergangenheit Einbrecher zur Tat schritten. Rückschlüsse auf konkrete Tatorte sollen jedoch nicht möglich sein.  

Entwickelt wurde die Erweiterung der App von der Provinzial zusammen mit dem nordrhein-westfälischen Innenministerium sowie dem Fraunhofer Institut für Offene Kommunikationssysteme Fokus. Verfügbar sind die neuen Funktionen erst einmal nur in den Zuständigkeitsbereichen der 16 Kriminalhauptstellen Nordrhein-Westfalens.  

Einbruchszahlen gehen in NRW zurück

In den ersten zehn Monaten des Jahres hatte die Polizei im bevölkerungsstärksten deutschen Bundesland insgesamt 20.900 Einbrüche registriert – das waren sechs Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahrs gewesen. Unter dem Projektnamen „Skala“ (System zur Kriminalitätsanalyse und Lageantizipation) arbeitet die Polizei in Nordrhein-Westfalen seit 2018 daran, mittels Algorithmen regionale und temporäre Vorhersagen dahingehend zu treffen, wo Einbrecher als nächstes zuschlagen werden. Auch andere Bundesländer hatten – bedingt durch die hohen Einbruchszahlen in der jüngeren Vergangenheit unter dem Stichwort „Predictive Policing“ ähnliche Projekte gestartet.  

Ob die vorausschauende Polizeiarbeit als Erfolg gewertet werden kann, ist – zumindest bislang nicht belegbar. „Es liegen keine belastbaren statistischen Ergebnisse vor, die auf eine Wirkung von SKALA (…) hindeuten“, heißt es in einem ersten Evaluationsbericht der nordrhein-westfälischen Polizei. Allerdings sei der Zeitraum, entsprechende Befunde zu finden, auch zu kurz gewesen, merken die Autoren an.  

Die nun zur Verfügung gestellte App soll darum in erster Linie dazu dienen, die Menschen in Nordrhein-Westfalen stärker für das Thema Einbrüche zu sensibilisieren. Zugleich soll die App Präventionshinweise liefern, wie die Nutzer ihre Wohnungen besser gegen Einbrecher sichern können. Gerade für Bewohner von Mehrparteienhäuser wurde durch das reformierte Wohnungseigentumsgesetz der Einbruchsschutz vereinfacht.