Kfz-Beiträge: Corona fördert ruinöse Abwärtsspirale

Florian Burghardt Versicherungen

Der jährliche Preiskampf in der Kfz-Versicherung ist gerade auf seinem Höhepunkt. Laut Check24 kostet die Haftpflicht ein Fünftel weniger als im Juli. Eine Expertenstudie rechnet für 2021 mit einem Unterbietungswettlauf bis tief in die Verlustzone.

Es geht immer noch billiger. Laut einer Expertenstudie könnten 2 Effekte dazu führen, dass sich die Kfz-Versicherung in 2021 in einem extrem harten Preiskampf noch weiter ruiniert. Bild: Adobe Stock/Coloures-Pic

Es geht immer noch billiger. Laut einer Expertenstudie könnten 2 Effekte dazu führen, dass sich die Kfz-Versicherung in 2021 in einem extrem harten Preiskampf noch weiter ruiniert. Bild: Adobe Stock/Coloures-Pic

Billig, billig, billig! Wer mit dem Gedanken spielt, seine Kfz-Versicherung zu wechseln, wird aktuell an jeder Ecke getriggert. Häufigstes Argument der Kfz-Versicherer im großen Buhlen um Neukunden ist der günstigste Preis. Schließlich spielt der Gedanke, eine Pflichtversicherung günstiger zu bekommen als bisher, bei vielen Menschen die erste Geige.

Corona-bedingt wird das Verringern von nötigen Ausgaben in den nächsten Jahren eine noch größere Rolle spielen. „Viele Versicherte müssen ihre Ausgaben aufgrund von Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit reduzieren. Ohne Preisanpassung dürfte dieser Kostendruck zu einer erhöhten Wechsel- und Vergleichsbereitschaft führen,“ glaubt Frank Gehrig, Partner sowie Insurance, Sales & Pricing Specialist bei Simon-Kucher & Partners. Das Beratungsunternehmen hat aktuell Manager von Kfz-Versicherern zur preislichen Entwicklung in der Sparte befragt. Simon-Kucher zufolge teilen die befragten Manager Gehrigs Einschätzung.

Geht es noch billiger?

Genau genommen sehen sie aktuell eine um ein Drittel erhöhte Wechselbereitschaft. Diese kommt – den unbedingten Fokus auf Neugeschäft vorausgesetzt – den Kfz-Versicherern zugute, die dazu bereit sind, ihre Beiträge nochmals ordentlich zu senken. Denn im Branchenschnitt kommt die Simon-Kucher-Studie zu dem Schluss, dass die Versicherer nur 0,8 Prozent der in diesem Jahr eingesparten Kosten an ihre Kunden weitergeben. Durch das deutlich verringerte Fahrverhalten im ersten Lockdown hatten die Unternehmen nicht unerhebliche Summen durch ausgebliebene Schäden eingespart.

Dabei liegt das Preisniveau schon überaus niedrig. Laut einer Auswertung von Check24, die jährlich über eine Millionen Kfz-Policen umdecken, liegt der durchschnittliche Preis für die Kfz-Haftpflichtversicherung im November (268 Euro) um gut 20 Prozent niedriger als im Juli (337 Euro). Damit ist er so niedrig wie zuletzt 2015.

Nie dagewesener Preiskampf erwartet

In der Folge macht knapp die Hälfte der 50 größten deutschen Kfz-Versicherer seit Jahren Verlust. Doch das Ende dieser ruinösen Entwicklung ist anscheinend noch nicht erreicht. Laut Simon-Kucher werden in diesem Jahr vor allem solche Kfz-Versicherer das Nachsehen haben, die überwiegend auf den Banken- und Exklusivvertrieb setzen. Das Beispiel Allianz Direct gibt seiner These Recht. Nachdem sich die Allianz-Tochter von der Zusammenarbeit mit Vergleichsportalen abgewandt hatte, hatte sie im Geschäftsjahr 2019 fast ein Viertel ihres Bestandes eingebüßt.

Für die Wechselsaison 2021 rechnet Gehrig deshalb mit einer noch stärkeren Abwärtsspirale: „Diese Verschiebung könnte einen ‚Race-to-the-Bottom‘-Effekt auslösen, bei dem Versicherer mit Preissenkungen zum nächsten Wechselgeschäft versuchen werden, verlorene Marktanteile zurückzugewinnen.“ Gepaart mit der ohnehin erhöhten Wechselbereitschaft aufgrund der Coronakrise könnte das zu einem nie dagewesenen Preiskampf in der Kfz-Versicherung führen.

Dagegen spricht, dass sich zunehmend Anbieter aus der Preis-Rallye verabschieden könnten. Etwa weil sie im Nachgang des Unterbietungswettkampfs nicht mehr genug Cross-Seeling-Potenzial sehen, um die roten Zahlen aus der Kfz-Sparte auszugleichen.

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