Keine Angst vorm Grauen Markt: 5 Fakten über Risikoanleger

Anne Hünninghaus Berater Sachwerte Top News

Unternehmensbeteiligungen, Genussrechte, Direktinvestments: Der sogenannte Graumarkt umfasst staatlich unregulierte Anlageprodukte. Aber welche Kundengruppe ist daran interessiert? Ihre Ziele sind teils überraschend – um Zocker handelt es sich dabei kaum, wie eine aktuelle BaFin-Studie verrät.

Graumarkt

Setzen nur Zocker auf Risiko-Investments? Laut einer Bafin-Studie ist das nicht der Fall. Bild: Adobe Stock/yurchello108

„Graumarkt“ – was im ersten Moment nach einer halbseidenen Vorstufe des Schwarzmarkts klingt, ist in Wahrheit ein Sammelbegriff für alle spekulativen Anlageformen, die keiner Regulierung unterworfen sind. Das bedeutet, dass die Anbieter – im Gegensatz zu Banken und Versicherern –  nicht unter staatlicher Aufsicht stehen und nur wenige gesetzliche Vorgaben erfüllen müssen. Am häufigsten verbreitet sind dabei Unternehmensbeteiligungen und Direktinvestments. Genussrechte, Namensschuldverschreibungen, Nachrangdarlehen und partiarische Darlehen interessieren derweil nur einen Bruchteil der Deutschen.

Ein knappes Viertel der deutschlandweit repräsentativ Befragten einer von der BaFin beauftragten Studie ist der Begriff allerdings unbekannt. Wenig überraschend sind die von den Anlegern hierzulande deutlich stärker nachgefragten Produkte Aktien (39 Prozent), Anleihen (14 Prozent), Zertifikate (13 Prozent) sowie Pfandbriefe (11 Prozent). Doch auch in einem wenig risikoaffinen Land wie der Bundesrepublik gibt es sie, die Risikoanleger: Immerhin 4,5 Prozent der zwischen April und Mai 2020 online befragten 4.038 Personen hat schon einmal ein Graumarktprodukt erworben – vornehmlich fiel die Wahl dabei auf Unternehmensbeteiligungen (3,2 Prozent) und Direktinvestments (ein Prozent). 

1. Der typische Graumarktanleger hat ein üppiges Einkommen

Der BaFin-Studie zufolge sind Graumarktprodukte besonders bei Besserverdienern beliebt. Während unter den Befragten mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen bis 2.000 Euro nur rund 2,4 Prozent schon einmal ein Graumarktprodukt erworben hatten, waren es unter allen Umfrageteilnehmern mit mindestens 4.500 Euro monatlichem Haushaltsnettoeinkommen bereits 8,3 Prozent.

2. Verlusterfahrungen schrecken nicht ab

Die unregulierten Anlageformen bergen ein erhöhtes Risiko. Und tatsächlich gibt es zahlreiche gebrannte Kinder unter den Graumarktanlegeren. Mit 22 Prozent der Befragten gab knapp jeder Vierte an, bei einer Investition in Unternehmensbeteiligungen mindestens einmal Geld verloren zu haben. Bei denjenigen, die Erfahrungen mit Direktinvestments gesammelt haben, gab sogar die Häfte an, schon einmal Verluste verzeichnet zu haben. Nach der Rendite des zuletzt erworbenen Graumarktprodukts gefragt, gaben indes 46 Prozent an, diese erfülle die eigenen Erwartungen.

3. Vorsorger statt Zocker: Rendite und Sicherheit sind fast gleichermaßen gefragt

Wer nun glaubt, dass sich nur Zocker auf die Risikoprodukte einlassen, irrt der Studie zufolge. Die Motivation für den letzten Kauf eines solchen Produkts liegt nämlich auch, aber nicht nur in der hohen Renditeerwartung (44 Prozent). 41 Prozent sehen darin nämlich eine sichere Wertanlage, was ihnen besonders wichtig ist. Ein knappes Drittel begründete den Kauf mit dem Ziel, für das eigene Alter vorzusorgen. Geld für Kinder oder Enkel anzulegen, motivierte nach eigener Angabe ein Viertel der Graumarktanleger. Vermögen wiederanzulegen gaben 22 Prozent als Grund für den Vertragsabschluss an. Die reine Spekulation gaben nur 18 Prozent als Anreiz aus.

4. Graumarktanleger sind bereit, sich langfristig zu binden

Wer in Graumarktprodukte investiert, bindet sein Kapital meist längerfristig. Knapp die Hälfte der befragten Kapitalanleger gab an, sich darüber im Klaren zu sein. Danach gefragt, wie hoch der Anteil ihres aktuell investierten Vermögens am Grauen Markt angelegt ist, gab die Hälfte an, nur maximal ein Zehntel in solche Produkte zu stecken und den Rest anderweitig zu streuen. Ausschließlich auf Grau setzen hingegen nur sechs Prozent.

5. Sie setzen hauptsächlich auf den Direktvertrieb

Der bevorzugte Vertriebskanal ist für 40 Prozent der Graumarktkundender Direktvertrieb online beim jeweiligen Anbieter. Banken (32 Prozent) und freie Berater (14 Prozent) spielen eine geringere Rolle. Wichtigste Tippgeber in der Wahl der Produkte kommen bei den meisten der Befragten aus dem eigenen Freundes-, Familien- oder Bekanntenkreis, auch hier müssen sich Banken und Berater unterordnen.

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