Katastrophen-Quartal für die GKV

Anne Hünninghaus Versicherungen

Nach satten Gewinnen im ersten Halbjahr verzeichneten die Krankenkassen im dritten Quartal massive Verluste. Das hat auch – aber nicht nur – mit Corona-Nachholeffekten zu tun.

Krankenkassen-Minus

Im dritten Quartal verzeichneten die Krankenkassen herbe Verluste. Bild: Adobe Stock/Stockfotos-MG

Von einer Finanzierungslücke der gesetzlichen Krankenkassen von rund 16,6 Milliarden Euro für das Jahr 2021 war zuletzt immer wieder die Rede. Das dritte Quartal des Corona-Jahres 2020 verfinstert die Prognose aktuell noch weiter. Konnten die Kassen im ersten Halbjahr mit Gewinnen von 1,3 Milliarden Euro noch aus dem Vollen schöpfen, verzeichnen sie nach Informationen der F.A.Z. im dritten Quartal mehr als 3 Milliarden Euro Defizit. Am heftigsten getroffen sind laut der Zeitung die Allgemeinen Ortskrankenkassen mit einem Minus von 1,4 Milliarden Euro (vorläufige Zahlen), es folgen die Ersatzkassen mit einem Minus von 1,2 Milliarden Euro, die Innungskrankenkassen (mehr als 200 Millionen Euro, die Betriebskrankenkassen (150 Mio.) und die Knappschaft (52 Mio.). Damit betragen die Gesamtverluste in der GKV das beinahe Sechzehnfache des Defizits im Vorjahreszeitraum, damals waren es 193 Millionen Euro.

Der harte Bruch in den Monaten Juli bis September hängt auch damit zusammen, dass im ersten Halbjahr während der Corona-Restriktionen teure Operationen und Behandlungen aufgeschoben worden waren. Laut Martin Litsch, Vorstandsvorsitzender des AOK-Bundesverbands, gehen die massiven Verluste im dritten Quartal neben solchen Nachholeffekten auch auf die – mit dem Versichertenentlastungsgesetz politisch erzwungen – günstigen Zusatzbeiträge zurück. Diese reichen nämlich nicht aus, um die Ausgaben zu decken. Zwar ist deren Erhöhung im kommenden Jahr von 1,1 auf 1,3 Prozent beschlossen. Laut GKV-Spitzenverband wären eigentlich aber 1,4 Prozent notwendig.

Mehrbelastung in der GKV höher als in der PKV

Vor kurzem hatten die rapiden Beitragserhöhungen in der PKV Schlagzeilen gemacht. Das wissenschaftliche Institut der PKV (WIP) hatte daraufhin anhand eines Zehnjahresvergleichs herausgestellt, dass die PKV-Beiträge je Vollversichertem zwischen 2011 und 2021 – also inklusive der neuerlichen Erhöhung – um 33,9 Prozent stiegen, was jährlich 3,0 Prozent entspricht.

Der Beitragssatz inklusive der Zusatzbeiträge in der GKV blieb in dieser Zeit zwar aufgrund der guten Einnahmensituation annähernd stabil. Da sich der konstante Beitragssatz auf ein steigendes beitragspflichtiges Einkommen bezieht und zudem die Beitragsbemessungsgrenze regelmäßig erhöht wurde, ist die reale Belastung allerdings der Aufstellung zufolge im selben Zeitraum um 38,4 Prozent (3,3 Prozent pro Jahr) gestiegen. Das ist der zunehmenden Zahl der Erwerbstätigen und dem im Durchschnitt steigenden Arbeitseinkommen zuzuschreiben

Es bleibt zu erwarten, dass die Beiträge in der gesetzlichen Krankgenversicherung weiter anziehen werden. Das aber voraussichtlich erst mit einer neuen Bundesregierung nach der Wahl im kommenden Jahr.  Denn bis dahin gilt die die politisch gesetzte Sozialgarantie, das 40-Prozent-Ziel über alle Sozialversicherungsbeiträge nicht zu gefährden. Damit das gelingt, ist für das kommende Jahr geplant, den Steuerzuschuss um fünf Milliarden Euro auf dann insgesamt 19,5 Milliarden zu erhöhen.

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