Karambolage-Atlas: 6 Fakten zu Autounfällen

Anne Hünninghaus Versicherungen

Wann und wo besteht auf deutschen Straßen die größte Unfallgefahr? Welche Modelle sind besonders häufig betroffen und welche Schadenarten überwiegen? Darauf gibt die aktuelle Karambolage-Studie der Generali nun Antworten.

Karambolage-Atlas; Bild: Adobe Stock/RRF

Mehr als jeder dritte Schaden ist ein Haftpflicht-Sachschaden. Bild: Adobe Stock/RRF

Eine Finanzspritze von weiteren drei Milliarden Euro steckt die Bundesregierung in die Autobranche, wie auf dem Autogipfel in der vergangenen Woche bekannt wurde. Regierungssprecher Steffen Seibert begründete die neuen Hilfen – insgesamt sind es dann fünf Milliarden – mit einem „langfristigen Strukturwandel“, der „große Herausforderungen“ mit sich bringe.

Die Klimadiskussion, nun noch das Corona-Jahr – zuletzt sah es so aus, als wäre das Auto in Deutschland zunehmend vom Aussterben bedroht. Doch das Kfz ist weiterhin eines der wichtigsten Fortbewegungsmittel hierzulande, wie der so genannte „Karambolage-Atlas 2020“, eine groß angelegte Studie der Generali, aktuell wieder belegt. Zu Beginn dieses Jahres zählte Deutschland 47,7 Millionen zugelassene Personenkraftwagen. Das bedeutet ein Plus von über einer Million Fahrzeuge im Vergleich zum Vorjahr. Durchschnittlich besitzt demnach mehr als jeder zweite Bundesbürger einen Pkw. Für die Studie werten Datenanalytiker alle zwei Jahre die Schadenentwicklung der Kunden aus. In diesem Jahr nahm der Versicherer dafür rund 270.000 Kfz-Schäden unter die Lupe.

1. Schäden werden seltener, aber teurer

Immer mehr Autos sind mit Assistenzsystemen und technischen Hilfsmitteln ausgerüstet. So lassen sich kleinere Unfälle, beispielsweise beim Ein- und Ausparken oft vermeiden. Die Schattenseite: Passiert dann doch ein Unfall, ist die Reparatur der hochtechnisierten Modelle oft sehr viel teurer. 2019 hatte jeder elfte Fahrzeughalter einen Kfz-Schaden, zwei Jahre zuvor war es noch jeder neunte.  Die durchschnittlichen Schadenkosten in Deutschland liegen bei rund 2.350 Euro, das ist ein durchschnittlicher Anstieg um 50 Euro pro Schaden im Vergleich zu 2017.

2. Haftpflichtschäden sind am häufigsten

Mehr als jeder dritte Schaden ist ein Haftpflicht-Sachschaden (35 Prozent). In knapp 29 Prozent der Schäden sind verbautes Glas und Scheinwerfer betroffen. Jeder zehnte Schaden geht auf Wildunfälle zurück.

3. Premium-Modelle sind besonders oft betroffen

Je höherklassiger der Wagen, desto größer ist offenbar auch die Unfallgefahr: Gegenüber dem Durchschnitt von 9,1 Schäden verzeichnen BMW-Fahrer eine Schadenhäufigkeit von stolzen 14,4 Prozent. Nur geringfügig seltener melden mit 14,1 Audi-Besitzer Schäden, es folgen Mercedes-Halter. Betrachtet man jedoch nur die Haftpflicht-Schäden, liegt Mercedes mit 4,5 Prozent weiterhin vor Audi. Derweil sind insbesondere Skoda-Fahrer offenbar vorsichtig unterwegs, von ihnen meldeten 2019 nur vier Prozent Schäden.

4. Hamburg überholt Berlin als Crash-Hauptstadt

Dass in den dichtbesiedelten Stadtstaaten traditionell besonders häufig Unfälle passieren, ist wenig überraschend. Bislang war Berlin die deutsche Crash-Hochburg, doch in den vergangenen beiden Jahren hat Hamburg die Bundeshauptstadt als Spitzenreiter abgelöst: In der Hansestadt lag die Schadenhäufigkeit Anfang dieses Jahres bei 12,0 Prozent, in Berlin bei 11,7 Prozent. Am seltensten verunfallen Autofahrer derweil in Brandenburg (7,6 Prozent). Auch Bayern liegt mit 8,4 Prozent im unterdurchschnittlichen Bereich der Schadenhäufigkeit. Auf Stadt- und Kreisebene liegen das Ruhrgebiet und das Rheinland an der Spitze: Hagen (20,9 Prozent) und Düsseldorf (17,8 Prozent) sind die unfallreichsten Städte bzw. Kreise Deutschlands.

5. Geringer Unterschied zwischen den Geschlechtern

Nach wie vor ein beliebtes Streitthema ist die Frage: Mann oder Frau am Steuer – wer baut weniger Unfälle? Laut der Studie macht das Geschlecht des Fahrers einen kleinen Unterschied. Jeder elfte männliche Fahrzeughalter war 2019 von einem Schaden betroffen (Schadenhäufigkeit: 9 Prozent), bei den Fahrzeughalterinnen war es jede zehnte (10 Prozent).

6. Besondere Vorsicht geboten ist an Montagen im Sommer

Die kalten Wintermonate sind gefährlicher, führen aber wohl auch zu einer vorsichtigeren Fahrweise. Denn entgegen der sich aufdrängenden Vermutung passieren die meisten Unfälle in den Sommermonaten Juni und Juli. Auch durch die Urlaubssaison sind hier mehr Menschen – womöglich gestresst und staugeplagt – auf den Autobahnen des Landes unterwegs. Zumindest galt das in den Jahren vor der Corona-Krise, auf die sich die Auswertung bezieht. Bei den Wochentagen ist das Risiko am ohnehin wenig beliebten Montag am höchsten. Zum Wochenstart passieren mit knapp 18 Prozent überproportional viele Unfälle.

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