IT-Kriminelle nehmen Autos ins Visier

Kfz Digital Berater Top News von Rainer Kreuzer

Die voranschreitende Digitalisierung bietet Cyberkriminellen immer mehr Angriffsmöglichkeiten. Auch Autos können ins Visier versierter Hacker geraten. Die damit verbundenen Risiken bergen neue Herausforderungen für die Sicherheit. Darüber sollten Makler ihre Kunden aufklären.

Auto

Autos werden immer vernetzter und somit für Cyberkriminelle interessanter. Bild: Adobe Stock/adimas

Wenn die Hupe von allein ertönt, sich der Scheibenwischer selbständig macht oder gar das Lenkrad ferngesteuert wird, könnten Hacker aus der Ferne am Werk sein. Horrorszenarien dieser Art gibt es längst nicht mehr nur im Film. Bereits vor fünf Jahren gelang es einem US-amerikanischem Forscherteam, einen Chrysler über die Mobilfunkverbindung und das Infotainmentsystem von außen zu steuern. Daraufhin musste die Wagenreihe mit Hilfe eines Updates nachgebessert werden.

Bislang sind derartige Cyberangriffe in Deutschland noch kein Thema. Doch auch hier schafft die elektronische Aufrüstung der Fahrzeuge immer mehr Einfallstore, die einen Missbrauch begünstigen. Das Auto könnte in naher Zukunft zu einem der Hauptangriffsziele für IT-Kriminelle werden, mahnte jüngst ein deutscher Versicherer – auch weil die Vernetzung im Auto in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen hat. Fuhren im Jahr 2018 erst 37 Millionen vernetzte Autos auf europäischen Straßen, so sollen es bis 2023 schon 110 Millionen sein.

Für viele Käufer ist der Internetzugang im Auto mittlerweile ein wichtiges Kaufkriterium, wie eine Bitkom-Umfrage jüngst darlegte. Über 60 Prozent achten beim Kauf zudem darauf, dass sie ihr Fahrzeug-Cockpit mit dem eigenen Smartphone verbinden können. Dies verspricht ein Plus an Komfort, jedoch auch neue Angriffspunkte für Kriminelle.

„Prinzipiell liegen Schwachstellen in allen elektronischen Bauteilen, die nicht ausreichend geschützt sind. Besonders einladend sind Baugruppen, die über Funkschnittstellen verfügen: Dazu gehören Infotainment - Bluetooth, Mobilfunk - , Schließsysteme, also Funkschlüssel, Keyless- und NFC-Schließsysteme, Reifendruck-Sensoren und andere“, konstatiert ADAC-Sprecher Johannes Boos.

„Die Vernetzung der Systeme“, betont die R+V Versicherung, sei die mögliche Gefahrenquelle. „Wenn sie miteinander oder nach außen kommunizieren sollen, müssen sie entsprechend geöffnet werden.“ Im schlimmsten Fall könnten Hacker auf die Steuerungstechnik des Wagens zugreifen.

Keyless-Komfort lässt sich leicht knacken

Im Alltag der Privatfahrzeuge sieht der ADAC schon heute Probleme, beispielsweise die Manipulierbarkeit von Tachometern und Schließsystemen. Bei Gebrauchtwagen kann mit einem Gerät, das schon für 150 Euro legal erworben werden kann, der Kilometerstand nach unten gestellt werden. Damit steigt der Preis des Wagens und der Käufer hat das Nachsehen.

Eine nach Daten des ADAC weit verbreitete Sicherheitslücke bei den Keyless-Komfort-Schlüsseln erleichtert Autodieben das Handwerk deutlich. Dazu benötigen sie nur zwei Geräte, deren Bauteile für 100 Euro im Handel erhältlich sind und sich von Hobbybastlern mühelos zusammenbauen lassen. Das erste Gerät muss in die Nähe des digitalen Schlüssels platziert werden und das Signal empfangen. Dieses wird dann über eine größere Strecke verlängert bis zum zweiten Gerät in unmittelbarer Nähe zur Autotür. Von dort aus wird diese dann geöffnet. „Mit fast allen Wagen kann weggefahren werden“, betont der ADAC-Sprecher.

„Versicherungen übernehmen die Kosten nach Diebstahl oder Beschädigung von Fahrzeugen, sofern das gemäß Versicherungsbedingungen gedeckt ist“, sagt Boos. Doch wenn keine Einbruchsspuren vorhanden sind oder die Methode der Täter noch nicht bekannt ist, könne es mitunter schwierig werden, wie durch ein aktuelles Urteil des Münchener Amtsgericht untermauert wird. Ein genauer Blick in die Bedingungen scheint erforderlich. Im Gespräch mit den Kunden können Makler die Details im Vertrag genau nach den neuen digitalen Risiken abklopfen, damit es im Schadensfall zu keinem bösen Erwachen kommt.

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