Immobilien verteuern sich in den Speckgürteln schneller als in den Großstädten

Anne Hünninghaus Sachwerte Berater

Der Immobilienmarkt zeigt sich auch während der Krise robust. Und während die Bereitschaft zum Pendeln und der Wunsch nach mehr Wohnfläche bei vielen Deutschen steigt, schnellen auch die Preise in der Peripherie nach oben.

Immobilienpreise

Die Peripherie holt auf: In den Speckgürteln um fünf deutsche Großstädte steigen die Immobilienpreise inzwischen stärker als in den Metropolen selbst. Bild: Adobe Stock/Frank

Teure Peripherie: In Berlin, München, Köln, Hamburg und Stuttgart sind die Preise im Umland zuletzt rasanter gestiegen als in den Metropolen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Wohnen in Deutschland 2020 – Unterschiede zwischen Stadt und Land“, für die das Institut der Deutschen Wirtschaft und die Sparda-Bankengruppe Wanderungsbewegungen und den Immobilienmarkt analysiert haben. Zwar ist Wohnraum in den Speckgürteln um die genannten Städte immer noch um gut die Hälfte (55 Prozent) günstiger als in den Städten selbst – die Preise holen seit drei Jahren aber immer zügiger auf.

Immobilienpreise und die Nachfrage sind ungebrochen hoch – trotz der Corona-Krise. Während andere Anlagemöglichkeiten derzeit immer weiter an Attraktivität einbüßen, machen günstige Finanzierungskonditionen den Immobilienkauf nicht nur mit Blick auf das Eigenheim interessant, sondern auch für Kapitalanleger. Laut einer YouGov-Studie glaubt nicht mal mehr jeder Dritte (29 Prozent) an sinkende Immobilienpreise – im Mai war noch knapp die Hälfte aller Befragten von Preisrückgängen ausgegangen. Stattdessen rechnen 34 Prozent der Befragten mit steigenden Preisen, 27 Prozent gehen derweil davon aus, dass die Preise stabil bleiben. 

Auch die Bundesbank sieht derzeit keine Anzeichen für eine Preiskorrektur nach unten. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheit vielerorts und einer verlangsamten Einkommensentwicklung blieben Wohnimmobilien gerade in Zeiten der Niedrigzinsen eine „attraktive Anlegeralternative“.

Trend: Lieber Pendelei als Abstriche beim Wohnraum

Dass im Speziellen das Umland von Großstädten zunehmend begehrt ist, hat vielfältige Gründe. Zum einen fehlt es in deutschen Großstädten an einem ausreichenden Angebot: Bei der Suche nach einem Einfamilienhaus zum Kauf stehen die Chancen, fündig zu werden, in der Peripherie deutlich besser als in den Ballungsräumen. Auch müssen sich insbesondere Familien nicht auf engstem Raum drängen. Während die mittlere Wohnfläche laut der Studie der Sparda-Banken in den Metropolen bei 86 Quadratmetern liegt, werden in den peripheren ländlichen Räumen im Durchschnitt 120 Quadratmeter angeboten. Um mehr Wohnraum fürs Geld zu bekommen, steigt der Anteil derer, die zum Pendeln bereit sind. Befeuert werden dürfte diese Entwicklung durch den Fortgang der Corona-Krise: Zahlreiche Unternehmen öffnen sich auf längere Sicht der Homeoffice-Kultur. Und wer beispielweise nur noch zweimal in der Woche zur Arbeitsstätte pendeln muss, wird eher bereit sein, in die Vorstadt zu ziehen.

Der Studie zufolge ist seit Beginn der Pandemie insbesondere die Nachfrage zum Kauf von Einfamilienhäusern stark gestiegen. Auch Suchanfragen für Wohnungsmieten liegen über dem Vorkrisenniveau. Die Immobilienpreise werden indes kaum von der Krise beeinflusst. Nach einer kurzen Seitwärtsbewegung sind diese in fast allen Großstädten höher als vorher. Auf die letzten anderthalb Jahre betrachtet: Während die Mieten vergleichsweise moderat um rund vier Prozent gestiegen sind, liegt der Zuwachs bei den Kaufpreisen (Bestand und Neubau zusammen) bei rund 15 Prozent.

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