Generali will mit neuer Gesundheitsapp Kunden binden

Anne Hünninghaus Versicherungen Digital

Zum Monitoring von Vital-Daten – also im Dienste der Gesundheitsvorsorge – setzt der Versicherer auf eine neue App, die Blutsauerstoffsättigung, Atemfrequenz, Herzfrequenz und Herzfrequenzvariabilität überwacht. Dafür reicht laut Anbieter ein täglicher Blick ins eigene Smartphone.

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20 Millionen Deutsche nutzen einer Studie der E-Patient Analytics GmbH zufolge inzwischen digitale Gesundheits-Apps. Bild Adobe Stock/AndSus

Als „Spiegel der Seele“ werden unsere Augen oft bezeichnet. Nicht nur Verliebte wissen: Es gibt kaum etwas Intimeres, als lange Blicke auszutauschen – denn damit können wir wortlos Geschichten erzählen. Das gilt allerdings nicht nur für das Gefühlsleben, auch über unseren Gesundheitszustand vermag das Sinnesorgan viel zu verraten. Das macht sich nun die Generali in einer Kooperation mit dem israelischen Start-up Binah.ai und des Datenanalyse-Beratungsunternehmens SDG Group zunutze.

Zum Monitoring von Vital-Daten – also im Dienste der Gesundheitsvorsorge – setzt der Versicherer auf eine neue App („Generali VitalSigns&Care“), die Blutsauerstoffsättigung, Atemfrequenz, Herzfrequenz und Herzfrequenzvariabilität überwacht. Und das soll ohne Fitnessarmband oder andere Tracker vonstatten gehen, sondern allein mit dem Smartphone funktionieren: Bis zu zwei Minuten lang sollen Versicherte dafür jeden Tag in die Kamera ihres Geräts starren. Dank einer sogenannten Remote-Photoplethysmographie-Technologie nimmt die Linse das reflektierte Licht von den unter der Haut liegenden Blutgefäße auf und wandelt die Aufzeichnungen – mittels einer Kombination aus Lichtsignalverarbeitung und künstlicher Intelligenz – in Vitalparametermessungen um. Mithilfe eines leicht lesbaren Control-Panels sollen die Anwender ihren Zustand einfach selbst überwachen können.

Noch befindet sich die App in der Pilotphase. Genutzt werden soll sie auch, um in öffentlichen und privaten Einrichtungen der Ausbreitung der Corona-Pandemie entgegenwirken zu können. Anschließend will der Versicherer sein Assistance-Angebot in der Gesundheitsvorsorge in Deutschland ausbauen und Leistungen auf individuelle Bedarfe abstimmen. Damit springt der Konzern auf verschiedene – durch die Corona-Pandemie verstärkte – Trends auf: Prävention, Vorhersagbarkeit, Künstliche Intelligenz und das Schaffen eines eigenen Gesundheits-Ökosystems. mit dem die Kunden an den Versicherer gebunden werden sollen.

Akzeptanz für Gesundheits-Apps steigt

20 Millionen Deutsche nutzen einer Studie der E-Patient Analytics GmbH zufolge inzwischen digitale Gesundheits-Apps. Corona hat die Digitalisierung auch in dieser Hinsicht offenbar beschleunigt. Die Akzeptanz von Gesundheits-Apps, trotz aller Datenschutzvorbehalte, ist aber bereits in den vergangenen sechs Jahren erheblich gestiegen, glaubt man der Studie „Ärzte im Zukunftsmarkt Gesundheit“ der Stiftung Gesundheit. Mehr als 70 Prozent der Ärzte hält den zielgerichteten Einsatz solcher Apps für sinnvoll, etwa ein Drittel hat Patienten sogar bereits entsprechende Apps empfohlen. Vor sechs Jahren war das noch eine absolute Minderheit.

Den größten Nutzen sehen Ärzte bei somatischen Anwendungen: Mehr als 80 Prozent können sich zum Beispiel Monitoring-Apps für Allergiker, zur Aufzeichnung von Vitalparametern, zur Ernährungsberatung oder Verhaltenskontrolle vorstellen. Kritisch beurteilen sie dagegen Apps in psychischen Anwendungsgebieten wie Depression oder Sucht.

Neue Apps auf dem Markt

Ein Bedeutungszuwachs lässt sich vor allem im Bereich der Prävention feststellen. Immer mehr Apps sammeln Bewegungs- bzw. Verhaltensdaten und verbinden das mit einem Coaching-Ansatz: Die App gibt also Tipps, wie der User sein Leben gesünder gestalten kann.

Viele Gesundheits-Start-ups sind derweil auf der Suche nach Versicherungen als Kooperationspartern. Mit dem Ziel, „die Epidemie chronischer Krankheiten“ zu beenden, hat das Schweizer Start-up Pathmate beispielsweise einen digitalen Gesundheitscoach entwickelt. Der Chatbot „Manoa“ hilft laut Co-Gründerin Michelle Heppler dabei, den eigenen Gesundheitszustand zu überprüfen und gibt chronisch Erkrankten personalisierte Ratschläge, wie sie ihre Fitness verbessern können. Mit dem Versicherer Sanitas besteht bereits eine Kooperation. Auf der Suche nach kooperationswilligen Versicherern ist auch das Berliner Unternehmen Thryve. Die meisten Menschen wüssten zu wenig über ihren eigenen Gesundheitsstatus, so CEO Friedrich Lämmel. Mithilfe von Apps und so genannten Wearables werden persönliche Gesundheitsdaten gesammelt und unter – laut eigener Ansage - strengen Datenschutzauflagen ausgewertet.

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