Finanztest: Restschuldversicherung löchrig und teuer

Detlef Pohl Berater Top News

Der festgefahrene Streit der GroKo um das LV-Provisionsdeckelgesetz hat auch zu einer Hängepartie bei den umstrittenen Restschuldversicherungen für Verbraucherkredite geführt. Finanztest hat die Angebote analysiert und kommt zu einem aus Verbrauchersicht ernüchternden Ergebnis.

Finanztest: Restschuldversicherung löchrig und teuer

Wenn in Restschuldversicherungen Arbeitsunfähigkeit versichert ist, aber zugleich auf eine andere Tätigkeit verwiesen wird, ist das unangemessen, sagt Finanztest. Bild: Adobe Stock/VadimGuzhva

Die Debatte um einen möglichen Provisionsdeckel in der Lebensversicherung flammt seit 18 Monaten immer mal wieder auf, doch die CDU/CSU-Bundestagsfraktion hat das Vorhaben des Koalitionspartners SPD blockiert. Als Kompromiss hatte die AG Finanzen der Unionsfraktion vor einem Jahr vorgeschlagen, einschneidende Maßnahmen zur Restschuldversicherung umzusetzen, die der Referentenentwurf vorsah.

Die Union wollte sogar einen „Doppeldeckel“: Drei Prozent der Darlehenssumme als Höchstprovision und maximal 50 Prozent Provisionsanteil am Gesamtbeitrag der Police, um eine Aushöhlung der Leistungen bei gleichbleibendem Beitrag zu verhindern. Da die SPD den Kompromiss ablehnte, passierte seither gar nichts – wohl zur Freude der Anbieter von Restschuldpolicen.

Überteuerte Absicherung benachteiligt Kunden

Jeder Fünfte in Deutschland hat einen Ratenkredit aufgenommen. Wenn Bankkunden eine Kreditrate nicht mehr zahlen können, soll die Restschuldversicherung einspringen. Eine neue Untersuchung der Stiftung Warentest zeigt, dass der Schutz in vielen Fällen nicht greift. Mitunter koste die Versicherung fast bis zu einem Viertel der Kreditsumme.

Die Ergebnisse der Untersuchung hat die Stiftung Warentest am Montag auf ihrer ersten digitalen Pressekonferenz vorgestellt; die Untersuchung wird auch in der Dezember-Ausgabe von Finanztest veröffentlicht, die am Mittwoch erscheint. Die Tester haben einen Preisvergleich von den Banken über Kreditangebote von 10.000 Euro mit 60 Monaten Laufzeit eingeholt oder verdeckt erhoben – jeweils mit und ohne Restschuldversicherung.

Hintergrund: Wer ein Bankdarlehen aufnimmt, schließt in 41 Prozent der Fälle laut einer BaFin-Studie auch eine Restschuldversicherung ab, um für den Fall vorzusorgen, dass er die Rate wegen langer Krankheit, Arbeitslosigkeit oder gar Tod nicht mehr zahlen kann. „Doch der Test bei 25 Banken zeigt, dass die Versicherungsbedingungen oft überraschende Einschränkungen enthalten und der Kreditschutz sehr teuer erkauft ist“, sagt Projektleiterin Stephanie Pallasch. Ihr Kurz-Fazit: „Der Schutz ist löchrig und teuer.“

Verweisung bei Arbeitsunfähigkeit unverschämt

Erschreckend schlecht sei der Schutz im Falle von Arbeitsunfähigkeit: 15 von 25 untersuchten Banken schnitten hier mangelhaft ab. Das liegt vor allem an der Definition von Arbeitsunfähigkeit, bei der im Zweifel auf eine andere Tätigkeit verwiesen wird, wie das aus dem Bereich Berufsunfähigkeit bekannt ist.

Eine solche Verweisung hält Finanztest für unangemessen und verweist auf ein entsprechendes Urteil des OLG Hamm aus dem Jahr 2012 (Az.: I-20 W 12/12). Lediglich die zwei Banken schnitten „sehr gut“ ab: Santander Bank (Versicherer: CNP Santander Insurance Europe) und SWK-Bank (Versicherer: Sogecap d’assurance sur la vie et de capitalisation).

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