Ergo stellt hundertprozentige Beitragsgarantie infrage

Martin Thaler Versicherungen

In der Lebensversicherung zeichnet sich eine Zäsur ab: Nach der Allianz zieht mit der Ergo nun das nächste Branchenschwergewicht nach und rüttelt an der Beitragsgarantie in der Lebensversicherung.

Ergo

Auch die Ergo stellt mittlerweile die hundertprozentige Beitragsgarantie infrage. Bild: Ergo

Die 100-Prozent-Garantie gerät immer mehr ins Wanken: Nachdem zuletzt bereits Marktführer Allianz die Abkehr von der vollumfänglichen Beitragsgarantie verkündete, stellt nun mit der Ergo das nächste Branchenschwergewicht die Garantie infrage. „Wir können nicht ausschließen, uns mittelfristig von der kompletten Beitragsgarantie bei den Lebenspolicen sukzessive zu verabschieden“, verkündete Ergo-Vorstandschef Markus Rieß im Interview mit dem Handelsblatt.  

Der Abschied vom klassischen Garantiegeschäft war bei der Ergo bereits seit einigen Jahren vorangetrieben worden. Schon 2015 hatte sich das Düsseldorfer Unternehmen bereits auch dem Lebensversicherungs-Geschäft mit lebenslangen Garantien zurückgezogen und verstärkt auf Fondspolicen und andere kapitalmarktnahe Produkte gesetzt. „Klassische Lebensversicherungen mit Garantieverzinsung werden aus Kunden- und Unternehmenssicht immer unattraktiver“, ließ der damalige Ergo-Chef Clemens Muth bereits damals verlauten.  

"Die klassische Police hat sich überlebt"

Trotzdem verfügten immer noch einige neuere Produkte über eine 100-prozentige Beitragsgarantie. Doch damit könnte es auch bei der Ergo offenbar bald vorbei sein: „Die klassische Police hat sich überlebt“, so Rieß.

Für die Versicherer wird das klassische Garantiegeschäft immer unattraktiver, da sich die einst üppig bemessenen Garantien im derzeitigen Niedrigzinsumfeld kaum noch erwirtschaften lassen. Laut einer Untersuchung des Zweitmarktanbieters Policen Direkt reichten bei 24 der 82 deutschen Lebensversicherer die Ergebnisse aus der Kapitalanlage nicht aus, um ihre Garantieverpflichtungen sowie die zu bildende Zinszusatzreserve zu erfüllen.  

Die Versicherer sind in der Folge gezwungen, ihr „Tafelsilber“ zu verhökern: Hochverzinste Anleihen aus der Vergangenheit werden verkauft, die Erlöse fließen in Zinszusatzreserve und den Aufbau der erforderlichen Stabilitäts-Anforderungen. Im Gegenzug werden neue Anleihen gekauft, mit denen momentan nur sehr geringe Renditen zu erwirtschaften sind.  

Viele Kunden setzen immer noch auf Garantien

Viele Versicherer haben in den vergangenen Jahren sukzessive das klassische Garantiegeschäft zurückgefahren und stattdessen auf Verträge mit modifizierten Garantien gesetzt. Für die Kunden ergibt sich eine höhere Chance auf auskömmliche Renditen, verbunden allerdings mit einem Plus an Risiken. Laut Branchenverband GDV würden diese Produkte seitens der Kunden jedoch immer besser angenommen: So entfielen 2019 bereits 60,3 Prozent des Neugeschäfts auf diese Produkte. Das heißt im Umkehrschluss allerdings auch, dass ein beträchtlicher Teil der Kunden weiterhin die klassische Garantie präferiert. Mit den Ankündigungen von Allianz und Ergo steht hier nun aber eine Zäsur bevor.