DRV: So geht es mit der Grundrente weiter

Detlef Pohl Berater Versicherungen Top News

Nach langem Anlauf und kritischer Finanzierung kommt sie zum 1. Januar nun doch – die umstrittene Grundrente. Die DRV kann die ersten Zahlungen aber erst ab Juli leisten. Wie es hinter den Kulissen weitergeht, wurde auf einer Fachtagung deutlich.

DRV-Direktor Stephan Fasshauer

Die Verwaltungskosten im Jahr der Grundrenteneinführung machen 24 Prozent der Gesamtkosten für den Zuschlag aus, weiß DRV-Direktor Stephan Fasshauer. Bild: DRV-Bund/Nürnberger

Vor einem Jahr hatte die Große Koalition eine Grundrente aus dem Hut gezaubert. Sie wird über den Bundeszuschuss in der allgemeinen Rentenversicherung bezahlt – in Höhe von 1,4 Milliarden Euro jährlich ab 2021. Die Deutsche Rentenversicherung Bund (DRV) hatte früh öffentlich moniert, dass eine Umsetzung bis Anfang 2021 logistisch nicht seriös umzusetzen sei. Grundsätzlich sei aber der Zuschlag für Geringverdiener richtig, die trotz jahrzehntelanger Beitragszahlung nur eine niedrige Rente erreichen.

Die Rentenversicherung ist für Krisenzeiten gut aufgestellt und bleibe im nächsten Jahr trotz Einführung der Grundrente bei einem stabilen Beitragssatz, machte Alexander Gunkel, alternierender Vorsitzender des Bundesvorstandes der DRV-Bund, auf einem virtuellen Fachseminar der DRV deutlich. Die Renten im Westen würden allerdings voraussichtlich nicht erhöht, während sie im Osten um 0,72 Prozent stiegen.

Erhöhter Gesprächsbedarf mit der Politik

„Das Grundrentengesetz hat schon während seiner Entstehung unsererseits für einen erhöhten Gesprächsbedarf gesorgt – sei es zum Kosten-Nutzen-Faktor, zu den Kriterien zur Ermittlung des Zuschlags, zur Ausgestaltung der Einkommensanrechnung oder zur Menge des zusätzlichen Personals, das die DRV zur Umsetzung benötigt“, erinnert Stephan Fasshauer, Direktor der DRV, auf dem Fachseminar, und räumt mit zahlreichen Irrtümern auf: Das Gesetz sehe einen Zuschlag auf die bestehende Rente vor, also keine neue Rentenart. „Es handelt sich um einen Zuschlag an Entgeltpunkten für langjährige Versicherung, der zu allen Renten, also zu Versicherten- ebenso wie zu Hinterbliebenenrenten, gezahlt wird“, stellt Fasshauer klar. Der Grundrentenzuschlag habe auch nichts mit einem bedingungslosen Grundeinkommen im Alter zu tun.

Die meisten werden leer ausgehen

„Der Zuschlag ist an mehrere Bedingungen geknüpft: eine Wartezeit, Orientierung an der individuellen Beitragsleistung (Entgeltpunkte) und Einkommensanrechnung. „Die meisten Rentner werden diesen Zuschlag also nicht erhalten“ relativiert Fasshauer. Die Höhe werde individuell berechnet und daher für jeden Einzelfall unterschiedlich ausfallen. Durchschnittlich dürfte sich der Zuschlag auf rund 75 Euro brutto im Monat belaufen, schätzt die DRV.

Seite 1: Welche Irrtümer die Rentenversicherung aufklärt
Seite 2: Wie die Grundrente die Verwaltungskosten treibt