DRV-Prognosen: Keine Rentenerhöhung im Westen und es droht ein Reformstau

Detlef Pohl Top News Panorama

Mit Vorschlägen der Rentenkommission für einen nachhaltigen Generationenvertrag soll die Alterssicherung demografiefest und nachhaltig finanziert werden. Die DRV gibt sich trotz Pandemie stabil, sieht aber einige Reformen zeitlich in Gefahr.

Nach gegenwärtigem Datenstand ergibt sich 2021 rechnerisch eine negative Rentenanpassung von rund vier Prozent, sagt Alexander Gunkel vom Bundesvorstand der DRV-Bund. Bild: BDA

Die gesetzliche Rentenversicherung in ihrer derzeitigen Ausgestaltung ist nicht in der Lage, allein eine flächendeckend ausreichende Alterssicherung sicherzustellen. Es braucht mutige Lösungen für die künftige Alterssicherung, doch die Vorschläge der Rentenkommission gehen nicht weit genug.

„Rentenreformen sind zuletzt etwas in den Hintergrund gedrängt worden, erst von der Klimafrage, nun durch die Corona-Pandemie“, sagt Ludovic Subran. „Wird aber die Demografie ignoriert, droht eine Rentenkrise“, erklärte der Chefvolkswirt der Allianz angesichts der Vorstellung des ersten „Global Pension Report“ der Allianz-Gruppe. Auch wenn frühere Reformen das System stabiler gemacht hätten, müsse Deutschland angesichts des bevorstehenden demografischen Wandels nachlegen, zumal jüngst neue und teure gesetzliche Rentenleistungen eingeführt wurden. Rentenreformmüdigkeit sei das Letzte, das sich Deutschland leisten kann, so der Report.

DRV fühlt sich in Krise gut aufgestellt

Aktuell steht die Rentenversicherung unter dem Eindruck der Covid-19-Pandemie. „Dennoch ist sie für Krisenzeiten gut aufgestellt“, sagt Alexander Gunkel, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und alternierender Vorsitzender des Bundesvorstandes der Deutschen Rentenversicherung (DRV-Bund). Sie verfüge über etablierte und verlässliche Strukturen im Krisenfall und zudem derzeit auch über eine hohe Nachhaltigkeitsrücklage, sodass der Beitragssatz im nächsten Jahr stabil bleiben könne, prognostizierte er am Mittwoch auf einem Fachseminar der DRV.

Im zweiten Quartal lag das reale Bruttoinlandsprodukt 11,3 Prozent unter dem Wert des Vorjahres. Das war der stärkste Rückgang seit Gründung der Bundesrepublik. Fast ein Fünftel aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten befand sich im April in Kurzarbeit. Diese gehe zwar seit Juni spürbar zurück, wird jedoch weiterhin umfangreich genutzt. Die Situation am Arbeitsmarkt dürfte somit angespannt bleiben, mit spürbaren Auswirkungen auf die Einnahmen der Rentenversicherung, insbesondere auf die Pflichtbeiträge aus Erwerbstätigkeit.

Die Gesamteinnahmen in der Rentenversicherung werden sich voraussichtlich auf rund 328,2 Milliarden Euro belaufen, davon 22,9 Prozent Bundeszuschüsse. Die Rentenausgaben – ohne Beiträge zur Krankenversicherung der Rentner – steigen 2020 im Vergleich zu 2019 geschätzt um 4,4 Prozent. Dabei entfällt der größte Teil der Zunahme, 3,5 Prozentpunkte, auf die Rentenanpassungen zum 1. Juli 2020. Das Rentenniveau vor Steuern beträgt in diesem Jahr 48,2 Prozent. „Die Haltelinie von 48 Prozent beim Rentenniveau wird damit nicht unterschritten“, erklärt Gunkel.

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