Cyberversicherung: Türöffner oder Stolperfalle?

Gewerbe Berater Digital Top News von Sebastian Wilhelm

Sie gilt als die Feuerversicherung des 21. Jahrhunderts: die Cyberpolice. Fast jedes Unternehmen braucht sie, nur wenige haben bereits Schutz. Wie können Makler dieses Wachstumsfeld erschließen, ohne nennenswerte Haftungsrisiken einzugehen?

Türöffner

Lohnt sich für Makler der Einstieg ins komplexe Geschäft mit Cyberversicherungen? Bild: Adobe Stock/olly

Als legendär gelten mittlerweile die Worte Angela Merkels, das Internet sei „für uns alle Neuland“ – gesprochen anno 2013, also fast zwei Jahrzehnte nach Einführung des World Wide Web. Was vor sieben Jahren für reichlich Spott sorgte, scheint bis heute für einen beträchtlichen Teil der deutschen Unternehmerschaft noch immer zuzutreffen. Anders ist die Arg- und Sorglosigkeit der meisten Gewerbetreibenden beim Umgang mit Cyberrisiken kaum zu erklären. Lediglich rund 60.000 Cyberversicherungs-Verträge befanden sich 2019 unterm Strich in den Versichererbeständen. Privatkunden eingeschlossen.

Das Aufwachen aus dem Dornröschenschlaf zieht sich in mittelständischen Unternehmen offensichtlich hin. Doch dreht man diesen Umstand positiv, bleibt noch ein gewaltiges Vertriebspotenzial – der Einstieg für Makler kann sich also mittel- und langfristig richtig auszahlen. Dass ein Umdenken stattfindet, deutet beispielsweise das Allianz Risk Barometer an, das weltweit die wichtigsten Geschäftsrisiken abfragt: Schäden durch Internetkriminalität rangieren in diesem Jahr erstmals auf Rang eins. Von deutschen Unternehmen wird zwar die Betriebsunterbrechung noch häufiger genannt. Doch auch dieses Risiko ist ja heutzutage eng mit Cyberkriminalität verbunden, schließlich können Malware- oder Hackerattacken schnell den Betrieb lahmlegen.

Unabdingbar: IT-Grundwissen – und gute Tools

Sobald das Gefahrenbewusstsein sich in der Unternehmerschaft angemessen verbreitet, wofür die hohe Zahl von Schadensfällen sorgen dürfte, werden Makler mit Cyberexpertise gefragt sein. Diese können davon gleich doppelt profitieren: zum einen durch die Cyberabschlüsse selbst, zum anderen durch Cross-Selling. Denn wer für soliden Cyberschutz sorgt, dem wird auch in anderen Bereichen der gewerblichen Absicherung Kompetenz zugeschrieben. Doch diese muss zunächst einmal im IT-Bereich erworben werden. Ohne Grundwissen über die im Netz lauernden Gefahren, ihre möglichen Folgen und geeignete Gegenmaßnahmen sollte man nicht beim Kunden erscheinen. Die gute Nachricht: Es handelt sich nicht um Raketenwissenschaft, die Einarbeitung in die gängigen IT-Bedrohungen geht relativ schnell vonstatten.

Wichtig ist aber, sich gegen Haftungsrisiken wegen unvollständiger Risikohinweise abzusichern. Schließlich kann es immer sein, dass man eine spezifische offene Flanke eines betrieblichen Systems übersieht. Um dieses Risiko zu minimieren, empfiehlt es sich, auf gute digitale Tools zu setzen – und das wiederum spricht für spezialisierte Gewerbe-Cyberschutz-Anbieter, die das Geschäft nicht nur „nebenbei“ betreiben. Ihre Software-Unterstützung ist in der Regel so ausgereift, dass das Tarifangebot am Ende des Beratungsprozesses auch tatsächlich den Erfordernissen des Kunden entspricht. Wenn dieser auf die Deckung eines bestimmten Risikos verzichtet, wird das dokumentiert. So werden Kundenzufriedenheit und Haftungssicherheit des Maklers zugleich erhöht und das Cybergeschäft nicht zur Stolperfalle.

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