Bronze-Skulptur kippt auf Jungen: Ladenbesitzer muss haften

Anne Hünninghaus Berater Recht & Haftung Panorama

Eine massive Stier-Plastik diente vor einer bayerischen Metzgerei als Dekoration. Als ein Junge damit spielte, kam es zum Unfall. Das OLG München entschied nun in zweiter Instanz, dass der Inhaber des Ladens 10.000 Euro Schmerzensgeld zahlen muss.

Urteil OLG München

Die Begegnung mit einer Bronzeskulptur (Symbolbild) führte vor vier Jahren zu einem schweren Unfall. Bild Adobe Stock/ peterschreiber.media

Nicht nur auf dem Frankfurter Börsenplatz zieht die Bronze-Skulptur eines Bullen Aufmerksamkeit auf sich. Auch vor einer Metzgerei in Krailing bei München zierte einie massive, 200 Kilogramm schwere Rinderplastik den Eingang des Ladengeschäfts. Ein teures Haustier, das den Besitzer nun 10.000 Euro kostete.

Was war geschehen?

Ein sechsjähriger Junge, der mit seiner Großmutter unterwegs war, hatte sich im Mai 2016 dem 80 Zentimeter hohen Stier genähert, um damit zu spielen. Dabei fiel die Skulptur um und quetschte die Hand des Kindes. Ein Teil eines Mittelfingers musste später amputiert werden. Daraufhin klagten der Junge und sein Vater auf Schmerzensgeld in Höhe von knapp 9.000 Euro. Der Vorwurf an den Ladenbesitzer lautete, die Skulptur sei nicht standsicher aufgestellt worden, was zu großem Gefahrpotenzial führte.

In erster Instanz hatte das Landgericht München II Anfang dieses Jahres die Klage jedoch abgewiesen, da das Kind sich nicht nur – wie dargestellt – an den Stier angelehnt habe, sondern sich im Spiel an dessen Hörnern hochgezogen habe, woraufhin die Figur nach vorne kippte.

So entschied das OLG

Das OLG schloss sich der Sichtweise in der Berufungsinstanz nicht an. Ob das Kind auf die Skulptur hinaufgeklettert sei, spielt laut Urteilsbegründung nämlich keine Rolle. Wer im öffentlichen Raum eine solche Figur aufstellt, muss demnach damit rechnen, dass diese Kinder zum Spielen einlädt – und somit auch die Verantwortung für eine angemessene Befestigung tragen. Das Argument des Metzgers und seiner Versicherung, die Großmutter habe ihre Aufsichtsplicht verletzt, ließ der Erste Zivilsenat dabei nicht gelten. Laut OLG hätte sie darauf vertrauen dürfen, dass die Statue standsicher sei.

Der 38-jährige Metzger muss nun 10.000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Die teure Deko vor seinem Laden behält er offenbar dennoch: Laut „Süddeutscher Zeitung“ hatte der Inhaber den Stier wenige Tage nach dem Unfall an die Wandfront festgeschraubt.

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