Ausgerechnet ein Run-off-Anbieter stößt die Ideal vom Überschuss-Thron

Anne Hünninghaus Versicherungen

Die Abwicklungsgesellschaft Athora Leben hat im zweiten Jahr in Folge ihre Überschussbeteiligung hochgeschraubt. Inklusive des Schlussüberschusses liegt die Gesamtverzinsung für 2021 sogar über der des bisherigen Spitzenreiters Ideal.

Wiesbadener Stammsitz. Bild: Athora

Neuer Überschussspitzenreiter für 2021? Die Athora Leben, im Bild der Wiesbadener Stammsitz. Bild: Athora

Das Thema Run-off sorgt regelmäßig für Zündstoff, sowohl bei traditionellen Lebensversicherern als auch beim Verbraucherschutz und in der Politik. Die Rede war gar von einem Vertrauensmissbrauch gegenüber den Versicherten, die ihre Altersvorsorge in die Hände eines Versicherers gegeben haben, der seinen Bestand dann an eine solche Plattform verkauft. Für Besänftigung sollte die aktuelle Meldung der Athora sorgen. Denn die Run-off-Gesellschaft, die in Deutschland den Bestand von Delta Lloyd verwaltet, gab nun bekannt, für 2021 erneut die Überschlussbeteiligung für Leben-Policen zu erhöhen.

Athora Leben hatte bereits für 2020 die Überschussbeteiligung auf 2,75 Prozent gesteigert. Im Jahr 2019 wurde nur der Garantiezins gewährt. Die laufende Verzinsung beträgt künftig 3,0 Prozent, zudem eingeplant ist ein Schlussüberschuss von 1,0 Prozent. Mit der laufenden Verzinsung zieht Athora Leben mit dem bisherigen Überschuss-Spitzenreiter Ideal gleich. Der Berliner Lebensversicherer hatte vor wenigen Tagen bekanntgegeben, den Zinssatz von 3,3 Prozent in diesem Jahr auf 3,0 im kommenden zu senken. Der Schlussüberschuss der Ideal liegt bei 0,7 Prozent. Beide Unternehmen liegen deutlich über dem diesjährigen durchschnittlichen Zinssatz von 2,29 Prozent für klassische Lebensversicherungsverträge. Mit dem Gesamtzinssatz (laufend plus Schluss) von 4,0 Prozent rückt Athora nun also auf Rang eins.

„Wir haben relativ positive Ergebnisse in der Kapitalanlage erzielt. Daher wollten wir, dass auch die Kunden davon profitieren. Mein Eindruck ist: In Versicherungsunternehmen mit offenen Beständen kommt es oft zu einer Vermischung der Erträge über Altgeschäft und Neugeschäft. Bei uns ist aber völlig klar, dass alle Überschüsse an die bestehenden Kunden ausgeschüttet werden“, sagte Athora-Chef Dr. Christian Thimann im Frühjahr im Gespräch mit procontra.

Robuste Ergebnisse dank breit gestreuter Anlage

Auch jetzt spricht die Gesellschaft von „robusten Ergebnissen“, die mit der Anlagestrategie erzielt werden konnten. Dies sei auch der Immunisierung der Bilanz gegen Zinsrisiken und steigenden Vermögenswerten im Laufe des Jahres zuzuschreiben: „Wir erwarten, dass sich dieser Trend auch im nächsten Jahr fortsetzt.“

Zur Anlagestrategie in Niedrigzinszeiten sagte Thimann: „Im Vergleich zu den traditionellen Lebensversicherern sind unsere Ergebnisse minimal besser, etwa um einen halben Prozentpunkt. Unsere Investments sind international und sehr breit gestreut. Außerdem investieren wir nicht in Aktien von börsennotierten Unternehmen, sondern überwiegend in Unternehmensanleihen, auch viel über Direktplatzierungen..“

Die Niedrigzinspolitik der vergangenen Jahre hat in Deutschland bislang sieben Versicherer zum externen Run-Off bewogen. Laut Bundesregierung verwalten die Abwickler bereits Bestände mit einer Versicherungssumme von etwa 263 Milliarden Euro. Dass die aktuelle Krise und die ohnehin langanhaltende Niedrigzinsphase absehbar mehr Lebensversicherer in die Bedrängnis bringen wird, Altbestände an Abwicklungsplattformen zu verkaufen, ist tatsächlich ein realistisches Szenario.

Die Überschussbeteiligungen der Lebensversicherer 2021

Lebensversicherer20212020201920182017
Athora3,00%2,75%---
Axa und DBV2,60%2,90%2,90%2,90%2,90%
Die Bayerische2,50%2,50%2,75%2,75%3,05%
Ideal3,00%3,30%3,30%3,00%3,00%
LV 18712,40%2,40%2,40%2,40%2,55%

Quelle: procontra LV-Check, Unternehmensangaben

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