Altersvorsorge: Wie kann sie neu ausgerichtet werden?

Detlef Pohl Berater Top News

GDV: Kostenvergleich mit schwedischem Staatsfonds hinkt

Die Kosten-Kritik der Verbraucherschützer kontert Schwark. Die Verwaltungskosten seien seit 1990 mehr als gedrittelt worden. Sie betrügen aktuell noch 0,2 Prozent der Kapitalanlagen. Insgesamt würden für die Kosten handfeste Dienste geboten: Risikoausgleich, Garantien, Auszahlungsoptionen und Beratungs-Expertise. „Im Vergleich zu Retailprodukten in anderen Ländern ist das überaus günstig“, so Schwark wörtlich. Den Vergleich zum verpflichtenden schwedischen Staatsfonds-Modell hält er für falsch: „Private Altersvorsorge zum Nulltarif ist eine Illusion“.

Die Verwaltungskosten seien zwar geringfügig gesenkt , doch kaum an die Kunden weitergegeben worden, hält Kleinlein entgegen. Die Abschlusskosten seien in dieser Zeit aber auf das Dreifache gestiegen, behauptet der BdV-Chef. Zudem seien die Biometriekosten durch die überzogene Langlebigkeits-Kalkulation der Versicherer auch im Rentenbezug unnötig teuer. Schwark hält diese Berechnungen für „Taschenspielertricks“.

vzbV: Mehr Risiko oder besser nur auf GRV setzen

Andere Lösungen hält Kleinlein für kostengünstiger. Namentlich nannte er nur die Extrarente – ohne Kostenaussagen. Mit einer Lebensversicherung sei zudem nur noch bedingt die nötige Rendite erzielbar, hakte Mohn ein. „Wer nicht auf Garantien verzichten will, sollte als Politiker dann die private Altersvorsorge ignorieren und besser auf die gesetzliche Rente setzen“, so Mohn weiter.

Garantien müssten zurückgefahren werden, bestätigt Thurnes aus Sicht der bAV. Das täten die Versicherer doch längst mit Fondslösungen. „Das Volatilitätsrisiko ist mit kollektiven Modellen aber besser beherrschbar als mit individuellen“, erinnert Thurnes. Zudem müsse die Altersvorsorge lebenslang reichen. Insofern sei bAV auch besser als die Idee der Extrarente. Die Lebensversicherung sei die einzige Anlageklasse, die beständig positive Renditen gebracht hat, ergänzt Schwark mit Bezug auf eine nicht näher genannte Bundesbank-Studie. Die individuelle Risikoneigung des Kunden werde gerade von der Extrarente nicht abgebildet.

BdV: Individuelle Wahl wichtiger als lebenslange Leistung

Unterm Strich sprechen sich alle Diskutanten für flexible Lösungen aus. Im Detail streitet man über ein Opt-out, was die Vertriebskosten verringern würde, aber weniger freie Wahlmöglichkeiten für den einzelnen ließe. In der bAV sei dieser „sanfte Druck für die eigene Vorsorge des Arbeitnehmers“ schon lange Praxis, betont Thurnes.

Der Aktuar hält insgesamt für jeden ein lebenslanges Alterseinkommen für unverzichtbar. Kleinlein dagegen stellt die individuelle Wahl für den einzelnen über eine lebenslange Leistung. Er muss für diese Aussage allerdings auch nicht konkret haften, Berater dagegen schon.

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