Altersvorsorge: Wie kann sie neu ausgerichtet werden?

Detlef Pohl Berater Top News

An Ideen für die Reform der Altersvorsorge in Deutschland mangelt es nicht, allein es hapert an der Umsetzung. Neue Vorschläge unterschiedlicher Akteure wurden auf der virtuellen bAV-Handelsblatt-Tagung diskutiert.

Peter Schwark

Im Vergleich zu Retailprodukten in anderen Ländern sind die Kosten von Lebensversicherungen überaus günstig“, sagt GDV-Geschäftsführer Peter Schwark. Bild: GDV

Es ist Zeit für eine Neuausrichtung des deutschen Altersvorsorgesystems. Darüber waren sich die Teilnehmer eines Live-Diskussion auf der virtuellen bAV-Handelsblatt-Tagung heute einig. Nur über den Weg dorthin gehen die Meinungen weit auseinander. „Es muss rentierlicher werden, aber das geht nur mit Verzicht auf Garantien und Ansparen mit deutlich weniger Kosten als bei Versicherern“, sagt Dorothea Mohn, Teamleiterin Finanzmarkt beim Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Sie schlägt dazu die vom Verband initiierte „Extrarente“ vor. Die hat jedoch Haken und Ösen.

Die Extrarente könne eine Lösung sein, pflichtet Axel Kleinlein, Vorstand des Bundes der Versicherten (BdV), bei. Es sei an der Zeit, nicht mehr die Lebensversicherung als Synonym für die private Altersvorsorge zu sehen, sondern individuelle Lösungen mit viel mehr Wahlmöglichkeiten und besserer Rendite für Verbraucher zu finden.

Den Ansatz findet Peter Schwark, Mitglied der GDV-Geschäftsführung, falsch. Es sei in den vergangenen Jahren sehr viel im Bereich der GRV und zum Teil in der bAV passiert, jedoch hätten sich die Rahmenbedingungen in der dritten Vorsorgeschicht seit 2002 nicht geändert. Die Förderung – auch zu Riester in der zweiten Schicht – sei zu komplex und vielfach zu niedrig. Man habe für Verbesserungen schon vor einem Jahr einen 5-Punkte-Plan vorgelegt. Es geht um einfache, kostengünstige Standardprodukte.

aba: Keine neuen Modelle nötig

Es sei schon wegen der Demografie mehr Kapitaldeckung in der Altersvorsorge nötig, bekräftigt Georg Thurnes, Aktuar und zugleich Vorstandsvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft betriebliche Altersversorgung (aba). Er hegt Zweifel an mancher Maßnahme in der gesetzlichen Rentenversicherung und hält auch keine neuen Modelle für die zusätzliche Altersvorsorge für nötig. „Das Instrumentarium der bAV biete alles, bis hin zur reinen Beitragszusage“, so Thurnes. Es müsse von Tarifpartnern nur endlich umgesetzt werden.

Mohn widersprach zum Teil: Eine arbeitgeberfinanzierte Entgeltumwandlung sei nicht die immer passende Lösung, zumal die geringe Sozialabgaben-Ersparnis noch zu Lasten der GRV geht. Mit der Extrarente könnte das Gute aus der bAV auf die private AV übertragen werden – über ein Opt-out unter Einbeziehung des Arbeitgebers, was Vertriebskosten aussparen würde. „Auch Beitragsinkasso und Rücksprache-Management des Arbeitgebers mit den Arbeitnehmern kostet Geld“, widerspricht Thurnes. Er plädiert für stärkere Förderung, damit sich tatsächlich jeder AV-Sparen wieder leisten könne.

Seite 1: Lebensversicherung versus Extrarente
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