Allianz-Analyse: So viel kosten Cyberangriffe Versicherungen

Anne Hünninghaus Berater Versicherungen

Nur langsam verbreitet sich die Cyberversicherung, vor allem im Mittelstand besteht Nachholbedarf. Wo die größten Gefahren lauern und wie hoch die Schäden ausfallen, stellt die Allianz-Tochter AGCS nun in einer Analyse von Cyber-Versicherungsfällen heraus.

Cyber-Schadenfälle

Gab es im Jahr 2016 nur 77 Cyber-Versicherungsfälle, waren es allein in diesem Jahr schon 770. Bild: Adobe Stock/pinkeyes

Die Cyberversicherung sei die Feuerversicherung des 21. Jahrhunderts, werden Experten nicht müde zu betonen. Allein für Deutschland wurde das Prämienvolumen auf 15 bis 26 Milliarden Euro bis 2036 geschätzt. Laut GDV betrug der Gesamtbestand 2019 insgesamt allerdings nur 60.000 Policen – nur 10.000 mehr als im Vorjahr. Angesichts von 3,5 Millionen Betrieben in Deutschland fällt diese Entwicklung bislang enttäuschend aus.

Virtuelle Meetings, Homeoffice-Kultur, aber auch die kommende elektronischen Patientenakte zeigen, dass die Digitaldynamik inzwischen weite Teile des Lebens erfasst hat. Damit wächst auch die Zahl der Cyber-Kriminellen, die sich Lücken im System zunutze machen. Laut Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik ist sie inzwischen die weltweit umsatzstärkste Kriminalitätssparte. Die Bedrohung ist da – und kann Unternehmen wie Privatleute in tiefe Krisen stürzen. Laut „Allianz Risk Barometer 2020“, für das mehr als 2.700 Risikoexperten befragt wurden, nehmen Hackerangriffe, Schadsoftware & Co. den zweiten Platz hinter Betriebsunterbrechungen ein. Dafür wäre in Form der Cyberversicherung eigentlich ein Impfstoff gefunden – nur wird er bislang wenig genutzt.

Versicherungsschäden der vergangenen fünf Jahre belaufen sich auf 660 Millionen Euro

Die Allianz-Industrieversicherungstochter AGCS hat nun insgesamt 1.736 Cyberschadenmeldungen bei mehreren Versicherern aus den Jahren 2015 bis 2020 analysiert. Die Gesamtschäden lagen bei 660 Millionen Euro. Im Vergleich zu den allein für Deutschland geschätzten jährlichen Schäden von mehr als 50 Milliarden Euro ist dieser versicherte Anteil eine eher geringe Summe. Die Tendenz steigt allerdings - auch weil die Policen sich mehr und mehr verbreiten. Gab es im Jahr 2016 nur 77 Versicherungsfälle, waren es allein in diesem Jahr schon 770.

Das sind der Analyse zufolge die wichtigsten Entwicklungen:

  • Die Angriffe krimineller Hacker, auf die der Studie zufolge 85 Prozent der Schäden in der Cyberversicherung zurückgehen, lassen sich in zwei maßgebliche Arten unterscheiden: 1. Online-Erpressung mittels bösartiger Verschlüsselungs-Software („Ransomware“) und 2. Denial of Service-Attacken („DDoS“). Dabei werden Netzwerke mit Anfragen geflutet und damit lahmgelegt. Dadurch verursacht wird ein hoher Anteil an der Gesamtschadensumme von rund 60 Prozent. Eine bedenkliche Entwicklung ist der Studie zufolge, dass Poduzenten ihre Schadsoftware inzwischen immer häufiger vertreiben und somit für andere Kriminelle nutzbar machen.
  • Laut AGCS-Fachleute hat es 2019 weltweit 500.000 Fälle von Cyber-Erpressung gegeben. Diese schlugen bei Unternehmen und Organisationen mit sechs Milliarden Dollar zu Buche.
  • Betriebsunterbrechung ist der Hauptkostentreiber von Cyber-Schadenfällen. Stehen Daten oder Dienste nicht bereit, kann sich das angesichts der wachsenden Abhängigkeit von Online-Verkäufen erheblich auf Umsätze auswirken.
  • Das Gros der von den Versicherern verzeichneten Cyberschäden ist jedoch gar nicht auf kriminelle Attacken zurückzufüren. Mehr als die Hälfte geht auf Anwendungsfehler von Mitarbeitern, Systemausfälle und Datenverluste zurück
  • Die Corona-Krise facht das Thema zusätzlich an. Gerade Mitarbeiter, die im Homeoffice teils auf privaten Rechnern arbeiten, brauchen dringende Unterweisung in Sachen Syberschutz. Sorgfalt im Umgang mit E-Mail-Anhängen usw. ist ebenso unverzichtbar wie regelmäßige Datensicherungen auf externen Speichermedien.

Makler: Beratung und Expertise sind gefragt

„Unlängst berichtete ein Hochschuldozent davon, dass 95 Prozent seiner Informatikstudenten den Begriff Cyberversicherung noch nicht einmal kannten, geschweige denn sich ein Bild über mögliche Leistungen machen konnten. Die Vermittler berichten von einem völlig fehlenden Verständnis über die Gefahren und damit verbundenen Risiken der Digitalisierung in Unternehmen und bei Privatpersonen“, sagt der auf das Thema spezialisierte Makler Mike Amelang. Hier wäre Unterstützung also dringend geboten.

Viele Makler trauen sich an die Sparte nicht heran, auch weil es ihnen an Expertise mangelt. Und die ist notwendig, um in der Produktauswahl gute Beratung leisten zu können. Die sich am Markt für Cyberversicherungen entwickelnden Lösungen scheinen auf den ersten Blick zwar ähnlich. Trotzdem wird die Versicherung individuell abgestimmt und hier kommt es auf Nuancen an, um einen bedarfsgerechten Schutz zu gewährleisten. Tipps dafür finden Sie hier.

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