Warum im BU-Geschäft viele weiter außen vor bleiben

Martin Thaler Berater Versicherungen Top News

Lediglich in jedem vierten Haushalt gibt es eine BU-Versicherung, große Teile der Bevölkerung haben nur geringe Chancen, eine solche zu vertretbaren Preisen abzuschließen. Über mögliche Reformen und die Probleme bei deren Umsetzung sprach Bayerische-Chef Herbert Schneidemann auf einer Online-Konferenz.

Herbert Schneidemann

Sieht im Geschäft mit BU-Policen ein "Rattenrennen": Bayerische-Chef Herbert Schneidemann.

Die gute Nachricht zuerst: In manchen Berufsgruppen, vor allem bei Akademikern, liegt die Durchdringungsquote von Berufsunfähigkeitsversicherungen bei 70, teils sogar 80 Prozent. Bei Haushalten, in denen Paare mit Kind bzw. Kindern wohnen, verfügt mehr als jeder zweite (54,1 Prozent) über eine entsprechende Versicherung, deren essentielle Bedeutung nicht nur seitens der Versicherer, sondern auch von Verbraucherschützern und Medien beständig unterstrichen wird.  

Die Kehrseite der Medaille: In anderen Segmenten hat nur ein kleiner Bruchteil der Menschen ihre Arbeitskraft abgesichert. Bei Alleinerziehenden liegt die Durchdringungsquote gerade einmal bei 21,6 Prozent, bei Alleinlebenden nur bei 14,9 Prozent.

Insgesamt ist gerade einmal jeder vierte Haushalt mit einer BU-Versicherung ausgestattet. Insbesondere als schwierig geltende Berufsgruppen, wie Dachdecker oder Fliesenleger, verfügen selten über eine entsprechende Absicherung, da diese – sofern überhaupt für sie abschließbar – in der Regel zu teuer ist. „Wer eine BU-Versicherung wirklich benötigt, bekommt sie nicht“, lautet der aufgrund der immer feingliedrigeren Berufsgruppendifferenzierung geäußerte Vorwurf gegenüber den Versicherern.  

"Ein ständiges Optimieren ist nötig"

Welche Möglichkeiten haben die Versicherer, diesem Missstand abzuhelfen? Dieser Frage stellte sich am Mittwoch Bayerische-Chef Herbert Schneidemann auf einer Fachkonferenz des Instituts für Versicherungswissenschaften an der Universität Leipzig. Schneidemann betonte zum einen die hohe Produktqualität im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherungen. Allein die Bayerische habe in den vergangenen drei Monaten acht Anpassungen an ihren BU-Produkten vorgenommen. Eine Tarifgeneration unverändert mehrere Jahre einfach laufen zu lassen, funktioniere nicht mehr.  

„Ein ständiges Optimieren ist nötig“, betonte Schneidemann angesichts eines hart umkämpften Marktes, den der Bayerische-Chef als „Rattenrennen“ umschrieb: Sobald ein Anbieter Leistungsumfang und Vertragskonditionen anpasst, ziehen die anderen nach und legen in puncto Qualität noch eine kleine Schippe drauf. „Man merkt als Anbieter sofort, wenn der Markt sich verändert“, kommentierte Schneidemann das qualitative Wettrüsten.  

Von diesem profitieren allerdings nur die „guten“ Berufsgruppen, große Kundengruppen scheinen indes ausgeschlossen. „Wir als Branche müssen uns kritisch fragen, wie wir die Versicherbarkeit erweitern können“, so Schneidemann. Konkrete Lösungen hatte zwar auch der Bayerische-Chef nicht griffbereit, machte allerdings einen Vorschlag: So wäre aus seiner Sicht bereits viel gewonnen, wenn nicht Berufsgruppen in die Kalkulation einfließen würden, sondern die konkreten Tätigkeiten. Ein Schreinermeister, der hauptsächlich administrative Tätigkeiten ausübe, hätte dann eher die Chance, bezahlbaren BU-Schutz zu erhalten. Für die Versicherer würde diese Umstellung viel Potential im Hinblick auf die Erschließung neuer Zielgruppen freischalten.  

Das Problem, das sich aus Sicht von Schneidemann hier allerdings offenbare, liege bei den „Vergleichern“, sprich Vergleichs- und Maklerverwaltungsprogrammen, die von Maklern allein aus Haftungsgründen stark nachgefragt würden. Verzichteten die Versicherer auf die gängigen Eingruppierungen und führten stattdessen neue ein, würden sie von den "Vergleichern" nicht mehr berücksichtigt werden. „Hier bräuchte es schon eine große Marktmacht, um hieran etwas zu ändern“, erklärte Schneidemann. Als mittelständischer Maklerversicherer sei die Bayerische hierzu allerdings nicht in der Lage.   

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