Urteil: Wer die Schrauben nicht nachzieht, haftet mit

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Nach einem Reifenwechsel gibt es von Werkstätten den Hinweis, die Radmuttern nach einer Strecke von 50 Kilometern noch einmal nachzuziehen, frei Haus. Wer diesen ignoriert, könnte im Schadensfall böse überrascht werden, wie nun ein Urteil aus München zeigt.

Reifen

Wer die Radmuttern nach einem Reifenwechsel nicht nachzieht, haftet im Schadensfall mit, entschied nun das Landgericht München II. Bild: Pixabay/HutchRock

Nach einem Reifenwechsel in der Werkstatt erfolgt für den Kfz-Besitzer meist der Hinweis, dass er nach 50 gefahrenen Kilometern die Radmuttern nachziehen sollte. Doch was passiert, wenn sich der Kunde nicht an diesen Hinweis hält? Mit dieser Frage hatte sich jüngst das Landgericht München II auseinanderzusetzen (Az: 10 O 3894/17).  

Was war passiert  

Der Besitzer eines hochpreisigen und getunten Mercedes C-Klasse C 63 AMG hatte sein Fahrzeug in die Werkstatt gebracht, damit ihm vor Ort Sommerreifen montiert werden. Kurz nach dem Reifenwechsel (100 Kilometer war er nach eigener Angabe gefahren) löste sich das linke Hinterrad auf der Autobahn, wodurch es zu einem Unfall kam.  

Obwohl seine Vollkaskoversicherung für den Schaden in Höhe von 13.000 Euro aufkam, forderte der Mann Schadenersatz von der Werkstatt, da diese den Reifen nicht ordnungsgemäß montiert hatte. Dabei verlangte er von der Werkstatt die in seiner Vollkaskoversicherung enthaltene Selbstbeteiligung in Höhe von 4.715 Euro, Transportkosten in eine Spezialwerkstatt in Höhe von gut 1.200 Euro, eine Wertminderung des Fahrzeugs in Höhe von 4.500 Euro sowie einen Nutzungsausfall für 76 Tage in Höhe von 9.044 Euro.  

Die Entscheidung  

Das Gericht erkannt dem Fahrzeugbesitzer zwar Schadensersatz zu, allerdings nur in Höhe von gut 5.900 Euro. Zwar kam auch das Gericht zu dem Schluss, dass in der Werkstatt die Radmuttern, zumindest die am linken Hinterrad, nicht ausreichend festgezogen bzw. deren Sitz nicht ausreichend überprüft worden war.   Allerdings muss sich der Kläger aus Sicht des Landgerichts ein Mitverschulden in Höhe von 30 Prozent anrechnen lassen. Der Mann hatte – sowohl auf seinem Aushang in der Werkstatt als auch mündlich – den Hinweis erhalten, die Radmuttern nach 50 Kilometern nachzuziehen. Diesem war er aber nicht gefolgt.  

Das Argument eines Sachverständigen, dass aus technischer Sicht ein Nachziehen der Schrauben bei einer ordnungsgemäßen Montage nicht erforderlich sei, ließ das Gericht nicht gelten. „Wie der streitgegenständliche Unfall zeigt, ist es durchaus möglich, dass eben gerade keine ordnungsgemäße Montage erfolgt, was natürlicherweise in der Sphäre der jeweiligen Werkstatt liegt. Bei einem Nachziehen der Schrauben nach ca. 50 km wäre der streitgegenständliche Unfall jedoch vermieden worden“, heißt es im Urteil.  

Eine Wertminderung am Fahrzeug erkannt das Gericht nicht an, auch einen Nutzungsausfall verneinten die Richter, da dem Mann ein Firmenfahrzeug zur Verfügung stand. Letztlich kam das Gericht auf eine Entschädigungssumme in Höhe von 5.900 Euro.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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