Unwetter sorgen für Schäden in Milliardenhöhe

Martin Thaler Versicherungen

Das Jahr 2019 verlief für die Versicherer im Hinblick auf Unwetterschäden vergleichsweise milde. Das dürfte sich in den kommenden Jahren aber ändern, Unwetterextreme werden schätzungsweise zunehmen. Bei vielen Hausbesitzern fehlt es jedoch am notwendigen Versicherungsschutz.

Unwetter

Unwetter verursachten 2019 einen versicherten Schaden in Höhe von drei Milliarden Euro. Bild: Pixabay/ pixel2013

Im März vergangenen Jahres waren die Straßen des Eifel-Dorfes Roetgen übersät von Trümmern: Dachziegel, Dachlatten, Dämmwollreste und Regenrinnen lagen verstreut umher, nachdem ein Tornado mit bis zu 253 Stundenkilometern am Nachmittag durch die Gemeinde am Rande Belgiens gezogen war. Die Bilanz: 5 Menschen wurden verletzt, 40 Häuser beschädigt.  

Am Pfingstmontag zerschlugen dann insbesondere im Raum München Hagelkörner mit einer Größe von bis zu acht Zentimetern Fenster und Dachziegel und zerstörten zahlreiche Autos. Sturm und Starkregen sorgten zusätzlich für weitgehende Zerstörung.  

Trotz Schadensereignisse wie dieser haben Unwetter im Jahr 2019 vergleichsweise wenig Schäden angerichtet – dies zeigt der heute veröffentlichte aktuelle Naturgefahrenreport des Gesamtverbands der Deutschen Versicherer. Mit versicherten Schäden in Höhe von drei Milliarden Euro lagen die versicherten Schäden fast 20 Prozent unter dem langjährigen Mittelwert (3,7 Milliarden Euro).  

Insgesamt verzeichneten die Versicherer 1,136 Millionen Sturm- und Hagelschäden in der Wohgebäude- und Hausratversicherung, bei Industrie, Gewerbe und in der Landwirtschaft. Hierbei entstand ein versicherter Schaden in Höhe von 1,8 Milliarden Euro. Hinzu kommen 74.000 weitere Elementarschäden mit einem Schadenvolumen von 300 Millionen Euro, verursacht beispielsweise durch Hochwasser und Starkregen.  

In der Kfz-Versicherung registrierten die Versicherer insgesamt 330.000 Sturm- und Hagelschäden mit einem Schadenvolumen von 900 Millionen Euro, hinzu kommen 2.100 Überschwemmungsschäden.  

März-Sturmtiefs sorgen für Viertel des Gesamtschadens

Auch wenn das Schadensvolumen vergleichsweise gering ausfiel, verursachten einzelne Ereignisse enorme Schäden. „2019 hat erneut gezeigt, zu welchen Extremen das Wetter neigt“, sagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Allein die Sturmtiefs Dragi und Eberhard im März sorgten mit Schäden in Höhe von rund 500 Millionen Euro für beinahe ein Viertel des Gesamtschadens, sofern man die Kfz-Schäden nicht berücksichtigt.   Heftige Hagelschauer sorgten im Juni zudem für Schäden in Höhe von 400 Millionen Euro an Fahrzeugen – für die Kfz-Versicherer waren die Hageltage im Juni die neuntschwersten Unwetter seit 1984.  

Die meisten Schadensereignisse verzeichneten die Versicherer mit insgesamt 327.000 gemeldeten Fällen in Nordrhein-Westfalen, gefolgt von Bayern (175.000) und Niedersachsen (119.000).  

 

BundeslandAnzahl SchädenSchadenaufwand in Mil. EuroSchadendurchschnitt in Euro
Schleswig-Holstein34.000391.200
Hamburg12.000211.900
Niedersachsen119.001531.300
Bremen5.00071.400
Nordrhein-Westfalen327.0003481.100
Hessen100.0002082.100
Rheinland-Pfalz85.000971.200
Baden-Württemberg86.0001772.100
Bayern175.0006753.900
Saarland35.000471.400
Berlin12.000292.500
Brandenburg27.000411.500
Mecklenburg-Vorpommern19.000301.600
Sachsen91.0001191.300
Sachsen-Anhalt36.000481.300
Thüringen38.000471.300

Trotz des schadensarmen Jahres 2019 gehen nicht nur die Versicherer von einer Zunahme extremer Wetterereignisse aus. „Angesichts der zu erwartenden Zunahme extremer Wetterereignisse sind die Menschen gut beraten, ihr Hab und Gut umfassend abzusichern“, betont Asmussen. Hier gebe es seitens vieler Hausbesitzer immer noch großen Nachholungsbedarf. So haben bislang nur 45 Prozent der Hausbesitzer eine Elementarversicherung, mit der sie sich gegen Starkregen, Erdrutsche und Hochwasser absichern. Das sind zwar zwei Prozentpunkte mehr als noch im Vorjahr, doch noch immer verfügen über 10 Millionen Immobilienbesitzer nicht über den erforderlichen Schutz.

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