Trump vs. Biden: So bereiten sich Investoren auf den US-Wahlausgang vor

Investmentfonds Top News von von Martin Lechtape

Manche Banken gehen sogar noch weiter und preisen eigens für die Wahl entwickelte Biden- oder Trump-Portfolios an. Der Schweizer Vermögensverwalter Julius Bär nahm zum Beispiel im Januar strukturierte Schuldverschreibungen im Wert von bis zu 40 Millionen US-Dollar in sein Produktangebot auf. Anleger können in demokratische oder republikanische Wertpapierkörbe investieren, die jeweils mit Anleihen verschiedener US-Unternehmen gefüllt sind, abhängig davon, welche Partei im nächsten Jahr im Weißen Haus regieren wird. Die Schuldverschreibungen haben eine Laufzeit von einem Jahr, danach zahlt der Vermögensverwalter die Wertentwicklung des Korbes aus.

Mit dem Demokraten-Papier setzen Käufer zum Beispiel auf Automobilhersteller wie Ford Motor Company oder auf Konsumgiganten wie Walmart. Das erscheint zunächst sinnvoll, denn Biden will den Mindestlohn anheben, sollte er Präsident werden. Steigende Löhne wiederum könnten die Konsumausgaben der Haushalte antreiben. Das Trump-Portfolio von Julius Bär setzt auf Technologie- und Finanzunternehmen wie Alphabet oder Amazon. Diese Unternehmen dürften bei einer Wiederwahl Trumps besonders von einer Fortsetzung seiner Deregulierungspolitik profitieren. Anleger können mit solchen Finanzprodukten kurzfristig von einem Wahlsieg der Kandidaten profitieren.

Wahlwetten haben aber auch ihre Tücken. „Man sollte sich fragen, was passiert, wenn man nicht richtigliegt“, hebt Stephan von der Deutschen Bank hervor. Reine „US-Wahlausgang-Portfolios“ seien im Vergleich zu einem breit gestreuten Wertpapierdepot vor allem eines: Spekulation.

Die jüngere Vergangenheit hat gezeigt, dass selbst die besten Prognosen das Ergebnis einer Wahl niemals sicher vorhersagen: Vor vier Jahren etwa boten die Finanzunternehmen Vontobel Holding und Leonteq Produkte an, mit denen ihre Kunden auf Hillary Clinton oder Trump wetten konnten. Vor der Wahl lag Clinton in den Prognosen weit vor dem schillernden Außenseiter. Die Leonteq-Kunden setzten mehr als 80 Prozent ihres Geldes auf die Demokratin. Das Ergebnis ist bekannt. „Zu einer langfristig ausgerichteten Anlagestrategie gehört es auch, sein Portfolio nicht ausschließlich auf Basis eines Events wie etwa der US-Wahl auszurichten. Das wäre etwas kurz gesprungen“, betont der Deutsche-Bank-Anlagestratege Stephan. Vielmehr gelte es, langfristige Trends zu erkennen und neben mehreren Regionen auch auf verschiedene Anlageklassen zu setzen.

Portfolio für beide Szenarien offenhalten

Gleichzeitig sollten Anleger den Effekt der US-Wahlen nicht überschätzen, findet Thomas Pentsy, Markt- und Produktanalyst der Schweizer Migros Bank. „In Anbetracht der Corona-Krise sind solche Trump- oder Biden-Aktienportfolios mit Vorsicht zu betrachten.“ Es bestehe die Gefahr, dass das langfristige volkswirtschaftliche Szenario vernachlässigt werde. „Auf lange Sicht hat die US-Konjunktur einen größeren Einfluss auf die Marktentwicklung als die Präsidentschaftswahlen“, erklärt Pentsy. Auch die Analysten der UBS warnen davor, die US-Wahlen jetzt zum auschlaggebenden Faktor einer Investitionsentscheidung zu machen. Dafür sei noch zu wenig darüber bekannt, wie die konkrete Politik eines Donald Trump oder eines Joe Biden tatsächlich aussehen würde.

Wer der Versuchung kurzfristiger Renditen trotzdem nicht widerstehen kann, sollte sein Portfolio für beide Wahlszenarien offenhalten. Investoren, die auf Trump setzen, sollten gleichzeitig Biden-Vermögenswerte besitzen, um ihr Portfolio zu diversifizieren, schreiben die UBS-Experten in ihrem Bericht. „Auf diese Weise bietet eines der Geschäfte eine Absicherung gegen das andere, wobei die Gewinne immer noch größer sind als die Verluste.“ Auch Pentsy von Migros rät zur Gelassenheit. „Es besteht kein Grund zur Panik wegen der Marktvolatilität oder des Wahlausgangs.“ Es sei klug, die Sektoren im Auge zu behalten, die am ehesten von den Präsidentschaftswahlen betroffen sein werden, wie derzeit etwa das Gesundheitswesen oder die IT-Branche, so Pentsy. „Aber letztlich muss man beobachten, wie sich die Politik künftig auf die Binnen- und Weltwirtschaft auswirken wird.“

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