Trump vs. Biden: So bereiten sich Investoren auf den US-Wahlausgang vor

Investmentfonds Top News von von Martin Lechtape

Donald Trump oder Joe Biden? Wähler stehen bei den US-Präsidentschaftswahlen vor einer wichtigen Entscheidung. Investoren versuchen sich rechtzeitig auf den Gewinner auszurichten – Broker und Banken bewerben bereits ihre Biden- oder Trump-Portfolios.

US-Wahl 2020

Wer macht das Rennen – und welche Auswirkungen hat das auf den Kapitalmarkt? Bild: Adobe Stock/chrisdorney

Am Dienstag, den 3. November entscheiden die Wähler in den USA über die politische Zukunft ihres Landes – und über die wirtschaftliche. Denn die Konjunkturprogramme der beiden Kandidaten könnten unterschiedlicher kaum sein. Während der amtierende Präsident Donald Trump weiter auf „America First“ in der Handelspolitik und auf Steuersenkungen in der Fiskalpolitik setzt, will Herausforderer Joe Biden die Steuern für Unternehmen und Besserverdienende erhöhen und den Zugang zu staatlich finanzierter Gesundheitsversorgung verbessern.

Das Ergebnis der anstehenden Wahl könnte auch auf den Aktienmärkten für reichlich Aufregung sorgen, sind sich viele Experten einig. „Sollten sich Bidens Chancen auf das Präsidentenamt weiter verfestigen, könnten seine Pläne für eine höhere Unternehmensbesteuerung die Aktienkurse in den USA kurzfristig belasten“, sagt etwa Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank. Anleger mit Interesse an US-Aktien sollten deshalb neben der weiteren Entwicklung der US-Konjunktur und dem Verlauf der Coronavirus-Pandemie in den kommenden Monaten natürlich auch die US-Wahl im Auge behalten, betont Stephan.

Das gilt auch für Finanzberater und ihre Kunden in Deutschland. Denn US-amerikanische Unternehmen haben einen großen Einfluss auf die globalen Märkte: Im Weltaktienindex MSCI All Country World etwa sind die USA mit 54 Prozent gewichtet, Deutschland nur mit 2,6 Prozent. Und die Vergangenheit zeigt, dass US-Wahlen auch am deutschen Leitindex DAX nicht spurlos vorbeigehen. Als Trump seine Wahl vor vier Jahren gewann, stieg der US-Index Dow Jones in der Wahlwoche auf ein Allzeithoch und zog auch den DAX mit nach oben. Wahlsiege der Demokraten im November wiederum könnten die Aktienkurse in den USA belasten. Denn besonders die großen US-Unternehmen würden darunter leiden. 

Manche Anleger und Vermögensverwalter versuchen deshalb ihr Portfolio schon jetzt so auszurichten, dass es nach der Wahl auf der Gewinnerseite steht. Der Schweizer Vermögensverwalter UBS befragte im Juli weltweit knapp 2.900 wohlhabende Anleger und mehr als 1.100 Firmeninhaber, ob sie sich vorstellen könnten, ihr Portfolio abhängig vom Wahlausgang in den USA anzupassen. 61 Prozent der Umfrageteilnehmer beantworteten diese Frage mit Ja.

„Wenn die Demokraten den Senat, das Repräsentantenhaus und die Präsidentschaft gewinnen, könnte dies für entsprechend risikobereite Anleger einen interessanten Einstiegspunkt darstellen“, meint Stephan von der Deutschen Bank. „Schließlich könnten sich eine gemäßigtere Innen- und Außenpolitik sowie Investitionen in Umweltschutz und Infrastruktur mittelfristig positiv auf die Kursentwicklung auswirken.“

Kurzfristige Profite

Die UBS-Analysten haben für jedes Wahl-Szenario eine passende Anlagestrategie entwickelt: Bei einem Wahlsieg Bidens und einer demokratischen Mehrheit im Kongress empfiehlt der Vermögensverwalter beispielsweise Unternehmensbeteiligungen, die von Bidens Investitionen in den Klimaschutz profitieren würden, wie zum Beispiel Unternehmen in den Bereichen erneuerbare Energien, Smart Mobility und Energieeffizienz.

Bei Trumps Wiederwahl und einer republikanischen Mehrheit im Kongress sollten Investoren den UBS-Analysten zufolge hingegen auf den Transport- und 5G-Sektor setzen sowie auf Energie- und Finanzunternehmen, die von Trumps Deregulierung profitieren. Klassische Energiewerte wie etwa Ölunternehmen wären möglicherweise ebenfalls im Vorteil. Auch die Rüstungsbranche könnte von Trump mehr Unterstützung erfahren als von einem demokratischen Präsidenten, glaubt die UBS.

Seite 1: Welche Unternehmen bei einem Wahlsieg von Trump profitieren könnten
Seite 2: Portfolio für beide Szenarien offenhalten

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