Straßenverkehr: Drei Viertel der Deutschen wünschen sich Null-Promille-Grenze

Anne Hünninghaus Versicherungen

In Corona-Zeiten hat sich die Lage auf den Straßen entspannt – mit dem Effekt, dass sich Verkehrsteilnehmer sicherer fühlen als noch im vergangenen Jahr. Und auch tatsächlich sind die Unfallszahlen rückläufig. Dennoch befürworten viele Menschen laut einer aktuellen Studie strengere Regeln.

Das Sicherheitsempfinden der Deutschen im Straßenverkehr hat sich verbessert

Das Sicherheitsempfinden der Deutschen im Straßenverkehr hat sich verbessert, viele wünschen sich allerdings strengere Maßnahmen. Bild: Adobe Stock/Barselona Dreams

2020 ist ein Ausnahmejahr – auch was den Straßenverkehr betrifft. Die Pandemie führte vor allem in den Monaten des Lockdowns dazu, dass die Deutschen ihre Autos häufiger in der Garage ließen. Dass deshalb die Unfallszahlen zurückgingen, ist kaum verwunderlich. Von Januar bis Juli erfasste die Polizei insgesamt 1,3 Millionen Straßenverkehrsunfälle, 17,6 Prozent weniger als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Unfalltoten ging um ein Zehntel zurück und liegt für die ersten sieben Monate bei 1.561 Menschen.

Auch wenn die konkreten Zahlen nicht jedem präsent sind: Das subjektive Sicherheitsempfinden der Deutschen im Straßenverkehr hat sich ebenfalls verbessert, wie die aktuelle Studie „Verkehrsklima 2020“ der Unfallforschung der Versicherer (UDV) zeigt. Dafür wurden Ende 2019 rund 2.000 Personen und Mitte 2020 von diesen noch einmal 1.300 Personen befragt. Mit 58 Prozent deutlich mehr als die Hälfte gab 2020 an, sich auf deutschen Straßen sicher oder sehr sicher zu fühlen. Das war eine Steigerung um vier Prozentpunkte zu den Werten im vergangenen Jahr. Tendenziell fühlen sich Ältere dabei sicherer als Jüngere und Männer sicherer als Frauen.

Diese Maßnahmen befürworten Verkehrsteilnehmer

Welche Maßnahmen halten die Deutschen für sinnvoll, um die Verkehrssicherheit weiter zu verbessern? Auch das wollte die UDV wissen. Drei Viertel aller Befragten sprachen sich aufgrund der als sehr hoch empfundenen Gefahr von Alkohol am Steuer für eine Null-Promille-Regelung aus. Mehr als zwei Drittel der Deutschen wünscht sich einen verpflichtenden Sehtest alle 15 Jahre. Gut die Hälfte der Befragten hält ein Tempolimit von 130 km/h auf Autobahnen für richtig (53 Prozent), knapp die Hälfte auch ein Tempolimit von 80 km/h auf Landstraßen (47 Prozent). Tempo 30 in Städten würde dagegen nur ein gutes Drittel (39 Prozent) unterstützen.

Ein weiterhin großes Problem ist der Umgang mit Aggressionen am Steuer. Solch Verhalten wird laut Studie wesentlich häufiger bei anderen beobachtet als selbst gebeichtet. Allerdings gab beinahe die Hälfte der Autofahrer an, sich sofort abreagieren zu müssen, wenn sie sich ärgern. Und das äußert sich in der Regel in überhöhter Geschwindigkeit. Das Eingestehen von Geschwindigkeitsverstößen und der unerlaubten Nutzung des Smartphones am Steuer bleibt im Vergleich zu den Vorjahren auf gleichbleibendem Niveau.

Generell sind die Deutschen meist in der Selbsteinschätzung großzügig, wenn es um ihr Fahrtalent geht. 72,8 Prozent der Männer halten sich selbst für besonders fähig am Steuer, die Frauen sind bundesweit mit 70,4 Prozent geringfügig weniger von der eigenen Fahrweise überzeugt. Das hatte zuletzt eine Civey-Studie im Auftrag der DEVK ergeben. Dass gute Autofahrer weniger für ihre Kfz-Versicherung bezahlen sollten als schlechte findet mehr als die Hälfte der Befragten. Aber was zeichnet einen guten Autofahrer aus? 90 Prozent der Befragten erwarten – wenig überraschend – vor allem eine rücksichtsvolle und vorausschauende Fahrweise. Kein anderes Kriterium bekommt übereinstimmend so viel Zuspruch. Für rund die Hälfte der Befragten ist zudem gutes Reaktionsvermögen wichtig.

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