Säulenübergreifende Renteninformation: Arbeitgeber fürchten Aufwand und Kosten

Florian Burghardt Versicherungen

Der Zeitplan für ein Rentenportal mit allen Daten aus gesetzlicher, betrieblicher und privater Altersvorsorge steht. Doch bei der Ausgestaltung ist vieles noch unklar. In einer Web-Diskussion äußerten unter anderem Vertreter von BMW und Siemens ihre Bedenken.

In einer Online-Diskussion zur geplanten säulenübergreifenden Renteninformation zeigten sich unter anderem Vertreterinnen von BMW und Siemens mit Blick auf Kosten und Aufwand für Arbeitgeber besorgt.

In einer Online-Diskussion zur geplanten säulenübergreifenden Renteninformation zeigten sich unter anderem Vertreterinnen von BMW und Siemens mit Blick auf Kosten und Aufwand für Arbeitgeber besorgt. Bild: Pixabay

Eine Renteninformation, die Ansprüche aus allen drei Säulen der Altersversorgung gut verständlich für alle Bürgerinnen und Bürger bündelt, wäre eine sinnvolle Sache. Schließlich könnten die Menschen dann frühzeitig eventuelle Versorgungslücken im Alter erkennen und rechtzeitig gegensteuern. Darüber herrscht schon seit Jahren Einigkeit.

Vor Kurzem ist auch die Umsetzung dieses Projekts einen großen Schritt weitergekommen. Eine Pilotphase soll 2022 starten. Ab 2023 soll die Informationsbereitstellung durch die Versorgungsträger dann verpflichtend sein. 

Doch wie das Rentenportal genau aussehen soll, ist noch unklar. Welche Altersvorsorgeprodukte sollen enthalten sein, welche Daten müssen Finanzdienstleister und Arbeitgeber (Stichwort bAV) dafür liefern und welche Tools und Dienste soll das Portal enthalten? Darüber wird trotz des bereits gesteckten Zeitplans noch viel diskutiert.

BMW und Siemens äußern Bedenken

Eine breit aufgestellte Expertenrunde zu diesem Thema hatte gestern das Beratungsunternehmen Aon organisiert. Zuvor hatte es in einer gemeinsamen Studie mit der Universität Ulm die Grundlagen für eine säulenübergreifende Renteninformation für die zuständigen Bundesministerien skizziert.

In der online-gestreamten Veranstaltung kamen auch Vertreter einiger großer Arbeitgeber zu Wort. Monika Hennersberger von BMW erzählte von einem hauseigenen bAV-Portal, das der Autobauer bereits seit 2009 betreibe. Dieses liefere Einblick in Betriebsrentendaten, auch für bereits ausgeschiedene Mitarbeiter. Hennersberger sieht vor allem die Vergleichbarkeit der Darstellungen vom Rentenportal des Bundes mit den hauseigenen Seiten der Firmen als Herausforderung.

Ähnlich verhält es sich bei Siemens. Dessen Vertreterin in der Web-Runde, Petra Credé, sagte, dass Siemens mehrere zehntausend bAV-Anwärter habe, die nicht mehr für den Konzern tätig sind. Von diesen Personen müssten voraussichtlich Daten, die für die Renteninformation benötigt werden, erst noch besorgt werden. Das würde viel Aufwand und damit Kosten für Siemens bedeuten. Sollten Informationen im Portal des Bundes dann nicht mit denen aus dem hauseigenen Portal übereinstimmen, rechnet Credé zudem mit zahlreichen Rückfragen, deren Beantwortung wiederum Zusatzaufwand bedeuten würde.

Aus der Expertenrunde hieß es dazu, dass man noch genau klären müsse, welcher Aufwand letztendlich auf die Arbeitgeber zukommen wird.

Sind Immobilien keine Altersvorsorge?

Pascal Kober, Mitglied der FDP-Bundestagsfraktion, wies zudem darauf hin, dass noch immer nicht exakt geklärt sei, welche Möglichkeiten der Altersvorsorge in dem Bundesportal angezeigt werden sollen. Nach bisherigem Stand sollen Immobilien dort nicht mit eingerechnet werden. Diese würden aber vor allem von Solo-Selbstständigen und Freiberuflern relativ häufig als priorisierte Form der Altersvorsorge genutzt.

Darauf entgegnete Dr. Rolf Schmachtenberg, Staatssekretär im Bundesministerium für Arbeit und Soziales, dass man das Portal nun erst einmal grundsätzlich auf die Füße stellen müsse. Weitere Features könnten dann nach und nach etabliert werden. Eine größere Hürde sieht Schmachtenberg im individuellen Zugang über die Steuer-ID. Schließlich müssten die Bürger diese freiwillig dort eingeben.

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