Risikolebensversicherungen: „Die Preisunterschiede sind gewaltig!“

Hinterbliebenenabsicherung Berater Top News von Rainer Kreuzer

Risikolebensversicherungen bieten viele Optionen. Doch die müssen unbedingt am Anfang gesichert werden.

Holger Schnittker

Versicherungsmakler Holger Schnittker sieht große preisliche Unterschiede zwischen den einzelnen Anbietern. Bild: Holger Schnittker

procontra sprach mit dem Versicherungsmakler Holger Schnittker in Steinfeld bei Osnabrück über Kosten, Änderungsmöglichkeiten und Fallstricke, auf die Makler ihre Kunden hinweisen sollten.

procontra: Können Sie uns erläutern, wo die Fallstricke für den Kunden lauern? Und worauf der Makler seine Kunden hinweisen sollte?

Holger Schnittker: Wie bei allen Versicherungen ist es wichtig, die Antragsfragen korrekt auszufüllen. Das sollte man dem Kunden eindringlich klar machen. Er sollte sich die entsprechende Zeit dafür nehmen und Rücksprache bei seinen Ärzten halten, sich gegebenenfalls Kopien der Patientenakten geben lassen. In Hinblick auf die Versicherungsdauer sollte man darauf hinweisen, dass sich Lebenssituationen ändern können und dann eine Verlängerung oder Neuabschluss einer Risikolebensversicherung aufgrund verändertem Gesundheitsstatus schwierig oder unmöglich werden kann.

procontra: Gibt es Möglichkeiten zur vorzeitigen Kündigung und Rückzahlung?

Schnittker: Es besteht gemäß 168 der Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) eine Kündigungsmöglichkeit: Sind laufende Prämien zu zahlen, kann der Versicherungsnehmer das Versicherungsverhältnis jederzeit für den Schluss der laufenden Versicherungsperiode kündigen. So gesehen, jährlich. Versicherer bieten oft abweichend bei monatlicher Zahlungsweise auch die monatliche Kündigung an. Aber ob es zu einer Rückzahlung kommt, ist nicht gewiss. Das hängt vom jeweiligen Vertrag ab.

procontra: Wie bestimmt man die richtige Höhe der Versicherungssumme? Gibt es eine Formel oder feste Eckpunkte?

Schnittker: Wie lange sind welche monatlichen Zahlungen zu leisten? Die Summe der Zahlungen wäre dann der gegebenenfalls aktuelle Absicherungsbedarf, möglichen Finanzierungen mal außen vorgelassen. Man sollte sich überlegen, wie lange will ich wen absichern? Wie lange braucht der oder die wie viel Geld? Wie schätzt man die künftige Inflation ein? Das alles lässt sich in einer allgemeinen Formel nicht zusammenfassen.

procontra: Was gilt bei möglichen nachträglichen Risikoerhöhungen wie Rauchen anfangen?

Schnittker: Rauchen ist in der Regel nachzumelden, andere Risikoerhöhungen nicht.

procontra: Für wen ist eine Risikolebensversicherung geeignet, für wen nicht?

Schnittker: Sie dient der finanziellen Absicherung Hinterbliebener bei Tod der versicherten Person. Ist so etwas notwendig, ist eine Risikolebensversicherung eine geeignete Form. Typische Zielgruppen sind Familien und Partnerschaften, die in einem gemeinsamen finanziellen Boot  sitzen. Ich kenne auch Geschwister, die sich wechselseitig abgesichert haben, weil sie eine gemeinsame Immobilie besitzen.

procontra: Können Paare auch eine gemeinsame Risikolebensversicherung abschließen und worauf ist dabei zu achten?

Schnittker: Es ist möglich eine verbundene Risikolebensversicherung abzuschließen. Wichtig, bei Tod der ersten versicherten Person wird die Summe gezahlt, der Vertrag ist beendet. Der Tod des überlebenden Partners ist nicht mehr versichert, aber eventuell besteht dafür trotzdem noch Bedarf. Wenn dann der Gesundheitszustand des überlebenden Partners nicht mehr für einen Abschluss ausreicht, gibt es ein Problem. Ebenso macht eine verbundene Risikolebensversicherung in der Regel nur Sinn für Partner. Was ist aber, wenn die Partner sich trennen und neue Partner haben werden?

procontra: Wie groß sind die Kostenunterschiede bei den Angeboten?

Schnittker: Gewaltig: 100 und mehr Prozent sind keine Seltenheit Ein Beispiel: Eine 30-jährige Person zahlt für eine Versicherungssumme von 300.000 Euro und einer Laufzeit von 25 Jahren bei günstigsten Angebot 14 Euro pro Monat. Andere Anbieter verlangen auch locker mal das Doppelte.

procontra: Was sind die wichtigsten Vertragsklauseln?

Schnittker: Viele Versicherer bieten Mehrleistungen neben der reinen Leistung bei Tod an. Vorzeitige Auszahlung bei Krankheit, die in den nächsten zwölf Monaten zum Tode führt. Eine schwere Krankheiten Komponente, eine Pflegeabsicherung. Das sind Mehrleistungen, die man gegebenenfalls besser in separaten Verträgen absichern kann, die eine vollwertige Lösung bieten, also eine richtige Schwere-Krankheiten-Police oder eine Pflegeversicherung. Bestandteile die auch wichtig sein können, sind Nachversicherungsgarantien. Die Möglichkeit, die Versicherungssumme bei bestimmten Ereignissen ohne Gesundheitsprüfung zu erhöhen. Ebenso gibt es Optionen, die Vertragslaufzeit gegebenenfalls ohne Gesundheitsprüfung zu verlängern. Das sind sehr wichtige Optionen, die auch nur zu Beginn im Versicherungsvertrag berücksichtigt werden können. Später geht dann nichts mehr. Die Erfahrung zeigt, dass keiner die Zukunft über die nächsten 20 bis 25 Jahre – so lang werden meist die Vertragsdauern gewählt – vorhersehen kann.
Da sind Änderungsmöglichkeiten ohne Gesundheitsprüfung gegebenenfalls mal sehr wichtig. In der Regel bieten die Versicherer fixe Lösungen, sprich man kann sich nicht die Optionen individuell zusammenstellen.

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