Raub oder Diebstahl: Wann die Hausratversicherung für eine gestohlene Halskette zahlen muss

Martin Thaler Berater Recht & Haftung

Damit die Hausratversicherung von einem Raub ausgeht, war laut Versicherungsbedingungen das Überwinden eines bewussten Widerstands Voraussetzung. Doch wann liegt ein solcher vor? Eine Frage für das OLG Hamm.

Halskette

Reicht als Widerstand das Verschließen einer Halskette? Mit dieser Frage beschäftigte sich das OLG Hamm. Bild: Adobe Stock/Andrey Burmakin

Wenn einem eine Kette vom Hals gerissen wird, ist dies nicht zwingend ein Fall für die Hausratversicherung – zumindest, wenn diese in ihren Allgemeinen Vertragsbedingungen festhält, dass ein Raub außerhalb des Versicherungsorts nicht versichert ist, wenn Sachen „ohne Überwindung eines bewussten Widerstandes entwendet werden“. Dies geht aus einem aktuellen Urteil des OLG Hamm (Az: 20 U 4/20) hervor.  

Vor Gericht ging es um die Definition des Begriffs „Widerstand“. Der Kläger, dem die Halskette auf offener Straße entwendet worden war, argumentierte, dass durch das Anlegen sowie Verschließen der Halskette ein „gewisser vorbeugender“ Widerstand geleistet worden sei. Gegen das Herunterreißen seiner Kette hatte sich der Kläger nicht gewehrt, da er von der Tat zu überrascht gewesen sei.  

Das sah das OLG Hamm, wie bereits als Vorinstanz das Landgericht Bochum, jedoch anders. Wenn Gewalt ausschließlich dazu eingesetzt wird, um die Sache unter Ausnutzung des Überraschungsmoments vom Körper zu reißen, liege kein versicherter Raub vor. Hierbei sei es irrelevant, um was es sich bei dem geraubten Gegenstand handele – ob Uhr, Halskette oder ein anderer am Körper getragener Gegenstand.  

Unerheblich sei hier auch die Frage, ob der Kläger gesundheitlich überhaupt in der Lage gewesen sei, einen körperlichen Angriff abzuwehren. Bewusster Widerstand setze nicht die „Abwehr“ eines körperlichen Angriffs voraus, so das Gericht. So hätte es im vorliegenden Fall schon gereicht, wenn das Opfer einen Schritt zurückgewichen wäre. Da er dies im vorliegenden Fall nicht tat, sondern vor Gericht angegeben hatte, im ersten Moment gar nicht bemerkt zu haben, dass seine Kette fehle, konnte das Gericht keinen Widerstand erkennen. Es wies die Klage des Mannes zurück, die Hausratversicherung ist folglich nicht zur Leistung verpflichtet.

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