Psychische Probleme: Corona trifft bestimmte Gruppen besonders stark

Martin Thaler Berater Versicherungen Corona

Auch wenn sich auf Leistungsseite bei vielen Versicherern noch keine Auswirkungen zeigen, beeinflusst die Corona-Pandemie die Psyche vieler Menschen. Wer besonders unter der Veränderungen des Alltags zu leiden hat, zeigt eine neue Studie.

Depression

Die Corona-Krise wirkt sich psychisch bei unterschiedlichen Gruppen besonders deutlich aus, bei anderen wiederum kaum. Bild: Pixabay/ HolgersFotografie

Der wochenlange Lockdown, die soziale Isolation von Freunden und Familie und finanzielle Sorgen: Die Corona-Krise hinterlässt nicht nur körperlich ihre Spuren, sondern auch in der Psyche der Menschen. In einer Erhebung kam die Krankenkasse KKH zu dem Ergebnis, dass unter ihren 1,7 Millionen Versicherten im ersten Halbjahr 26.700 Krankmeldungen aus psychischen Leiden resultierten – gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das ein Anstieg um 80 Prozent.  

Doch bei welchen Menschen macht sich die Corona-Krise besonders bei der psychischen Stabilität bemerkbar? Dieser Frage ging nun die Axa in einer europaweiten Studie nach und machte innerhalb der Gesellschaft deutliche Unterschiede fest.  

„Die Auswirkungen der Krise treffen die Menschen in Deutschland unterschiedlich stark. Corona wirkt wie ein Katalysator für Unterschiede in der Gesellschaft“, verdeutlichte Alexander Vollert, CEO der Axa Deutschland, die Unterschiede.  

Frauen stärker betroffen

Wenig überraschend ist sicherlich die Tatsache, dass Menschen mit psychischen Leiden deutlich stärker an der Corona-Krise zu leiden haben als Menschen ohne psychische Vorerkrankungen. Ernsthaft psychisch Erkrankte hatten laut Studie drei Mal häufiger (45 Prozent) das Gefühl, in der Corona-Krise das Gefühl, die Kontrolle über das eigene Leben verloren zu haben. Bei den Menschen ohne Vorerkrankungen bestätigten dies nur 15 Prozent.  

Auch dass Frauen durch die Corona-Krise deutlich stärker psychisch betroffen sind als Männer, ist nicht sonderlich verwunderlich. Bereits vor der Krise hatten 46 Prozent der befragten Frauen erklärt, schon einmal psychisch erkrankt gewesen zu sein – bei den Männern gaben das nur 33 Prozent an. Die Pandemie und die damit verbundenen Folgen hat dieses Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern eher noch verschärft: Während knapp drei Viertel der Männer (74 Prozent) angaben, während der Corona-Krise keine psychischen Probleme gehabt zu haben, erklärten dies nur 56 Prozent der Frauen. Vor allem sie litten in den vergangenen Monaten unter der Mehrfachbelastung aus Beruf, Haushaltsführung und Kinderbetreuung.  

Vor allem bei jungen Erwachsenen scheint sich die Krise auch in der Psyche zu materialisieren: Knapp die Hälfte (45 Prozent) der 18- bis 24-Jährigen beschäftigt sich mehr bzw. deutlich mehr mit der eigenen Psyche. Bei den 25- bis 34-Jährigen waren es noch 40 Prozent, bei den über 55-Jährigen „nur“ noch 22 Prozent. Dies scheint sich letztlich auch im Sicherheitsbedürfnis der Jüngeren niederzuschlagen. So hatte eine YouGov-Studie im Auftrag der Nürnberger ermittelt, dass insbesondere in der jüngeren Zielgruppe zuletzt die Bedeutung der eigenen Altersvorsorge, Gesundheit aber auch Arbeitskraftabsicherung stärker gewichte als noch vor der Corona-Krise. Ein Erklärungsansatz hierfür könnte sein, dass insbesondere junge Menschen durch die sozialen Einschränkungen wesentlich in ihrer Freizeitgestaltung eingeschränkt wurden.  

Digitale Hilfsangebote noch weitgehend unbekannt

Damit sich psychische Leiden nicht chronifizieren und zu einem stetigen Begleiter werden, empfiehlt sich eine zeitnahe Inanspruchnahme von Hilfe. „Eine zeitnahe Behandlung von psychischen Belastungen erhöht den Therapieerfolg signifikant“, erklärte Farina Schurzfeld, Gründerin des Berliner Digital-Anbieters SelfApy im Gespräch mit procontra. Auch aus Sicht der Axa sind digitale Hilfsangebote eine interessante Möglichkeit, betroffenen Menschen zeitnah zu helfen.  

„Wir sollten die aktuelle Krise als Chance für einen offeneren Umgang mit psychischen Problemen verstehen. Die Bereitschaft zur Nutzung digitaler Lösungen ist vorhanden. Digitale Angebote sind zwingender Teil einer modernen Gesundheitsversorgung“, betonte Thilo Schumacher, Vorstand Personenversicherung der Axa Deutschland.  

Digitale Hilfsangebote seien aber noch bei großen Teilen der Bevölkerung unbekannt: 47 Prozent der Befragten gaben an, noch nie von den Möglichkeiten einer professionellen Online-Hilfe gehört zu haben. Fast genauso viele (46 Prozent) hatten zwar bereits davon gehört, ein solches Angebot jedoch noch nicht wahrgenommen. Vor allem ältere Menschen haben keine Kenntnisse über entsprechende Angebote. Mehrere Versicherer, von der Gothaer über die LV 1871 bis zur Axa, hatten zuletzt entsprechende Präventionsangebote gestartet, mit denen zukünftigen Fällen der Berufsunfähigkeit vorgebeugt werden soll.

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