Politik zeigt sich distanziert gegenüber Vermittlern

Martin Thaler Berater Top News

Der BVK will Branchenthemen gegenüber der Politik in Zukunft aktiv ansprechen und nicht mehr reagieren. Gerade bei jüngeren Abgeordneten sei aber vielfach Distanz gegenüber dem Vermittlerberuf feststellbar, berichtete BVK-Chef Michael Heinz auf einer Pressekonferenz.

Michael Heinz

BVK-Präsident Michael Heinz sieht der dunklen Jahreszeit mit Besorgnis entgegen. Bild: BVK

„Winter is coming“ – nicht nur im drachenbevölkerten Westeros blickt man dem Einbrechen der dunklen und kalten Jahreszeit mit entsprechender Vorsicht entgegen, auch beim Vermittlerverband BVK reagiert man besorgt auf Herbst und Winter. Denn seit einigen Wochen steigen europaweit – Deutschland eingeschlossen – die Corona-Zahlen, so dass auch hierzulande wieder die Rede von einem Lockdown ist.  

Insbesondere für Vermittler dürften die kommenden Monate damit wieder zu einer Belastungsprobe werden. Denn laut Zahlen, die BVK-Chef Michael Heinz im Rahmen einer Pressekonferenz auf der DKM den zugeschalteten Journalisten mitteilte, hätten für Vermittler zuletzt persönliche Gespräche um 82 Prozent abgenommen.  

Kein Vermittlersterben in Sicht

Zwar habe sich die Lage im Sommer ein wenig entspannt, berichtete Heinz, auch weil viele Menschen in diesem Sommer auf einen Urlaub verzichtet hätten. Die kommenden Monate bereiteten ihm aber Sorge, da viele Kunden „derzeit nicht möchten, dass wir sie besuchen“. Dies sei insbesondere für kleinere Vermittlerbetriebe ein Problem, die vom monatlichen Erfolg lebten.  

Trotz etwaiger Sorgenfalten sieht Heinz derzeit keine Gefahr, dass durch die Corona-Pandemie ein Vermittlersterben ausgelöst werde. Nach Umfragen, die der BVK in diesem Jahr durchgeführt hatte, hatten lediglich 2,5 Prozent der befragten Vermittler angegeben, sich aus dem Geschäftsbetrieb zurückziehen zu wollen.  

Damit die Belastungen für die Vermittlerschaft überschaubar blieben, bekräftigte Heinz seine Forderung nach einem Belastungsmoratorium in Richtung Berlin. Konkret heißt das: Die Politik solle auf regulatorische Projekte verzichten, die für die Vermittler den regulatorischen Aufwand spürbar erhöhten. Gemeint sind hiermit unter anderem der Provisionsdeckel in der Lebensversicherung oder der Aufsichtswechsel für 34f-Vermittler hin zur BaFin.  

Im Gespräch mit der Politik will der BVK in Zukunft einen aktiveren Ansatz wählen. Statt nur auf Themen wie die Zukunft von Riester-Rente oder betrieblicher Altersversorgung zu reagieren, wolle man aktiv das Gespräch mit der Politik suchen – vor allem mit jüngeren Abgeordneten aus den Sozialausschüssen habe man hierzu in den vergangenen Monaten verstärkt Gespräche geführt.  

Politiker distanziert

Die Eindrücke, die Heinz dabei erlangt hat, klingen jedoch alarmierend. Denn vielfach habe er eine Distanz der jungen Abgeordneten in Bezug auf den Vermittlerstand wahrgenommen. Dass diese die Bedeutung des traditionellen Vermittlerberufs richtig einzuschätzen wissen, sei nicht immer erkennbar gewesen – stattdessen spielten im Bewusstsein der Abgeordneten technische Lösungen eine größere Rolle.  

Für die Vermittlerschaft ist es folglich ratsam, ihre Bedeutung möglichst stark und mit einer Stimme darstellen zu können – angesichts einer Vielzahl von Vermittlerverbänden kann jedoch von einer einheitlichen Stimme keine Rede sein. Hier sieht der BVK jedoch keine Schuld bei sich, schließlich sei man zuerst „da gewesen“. „Die Profilierungssicht und Eigeninteressen anderer Menschen bedauern wir, haben sie aber nicht zu verantworten“, so Heinz.  

Dennoch stehe man mit vielen Verbänden im Gespräch und arbeite auch themenbezogen zusammen. Mit einigen Verbänden falle allerdings eine Verständigung schwer, so Heinz, ohne hierbei Namen zu nennen. Ein Umstand, der laut Heinz für den Vermittler nicht von Vorteil ist. „Die Politik goutiert das nicht.“

  • Facebook Kommentare
  • Disqus Kommentare