Pflegetagegeldversicherung: Abschlüssen stehen immer mehr Kündigungen entgegen

Martin Thaler Versicherungen Top News

Die Eigenanteile in der Pflege steigen immer weiter und doch hat sich nur ein Bruchteil der Deutschen privat gegen dieses Risiko abgesichert. Zudem stehen der Zahl der neu abgeschlossenen Verträge immer mehr Kündigungen gegenüber. Die Linke plädiert angesichts dieser Zahlen für eine Pflegevollversicherung.

Pflege

Bei der Pflegetagegeldversicherung stehen Neuzugängen immer mehr Kündigungen gegenüber, wie Zahlen der Bundesregierung zeigen. Bild: Pixabay/ sabinevanerp

Obwohl die Eigenanteile immer weiter steigen, bleibt die Zahl der Menschen, die sich gegen die steigenden Pflegekosten privat abgesichert haben, gering. Laut aktuellen Zahlen des Verbands der Privaten Krankenversicherung verfügen lediglich 4,6 Prozent der insgesamt 82 Millionen Pflegepflichtversicherten über eine private Pflegezusatzversicherung – in absoluten Zahlen sind das 3,77 Millionen Menschen.  

Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der abgeschlossenen Versicherungen geringfügig um 110.000 Verträge. 917.500 Verträge entfielen dabei auf die staatlich geförderte Pflegezusatzversicherung, den sogenannten Pflege-Bahr. Das entspricht einem Plus von 4,5 Prozent, bei den ungeförderten Verträgen wuchs der Bestand um 2,5 Prozent auf 2,85 Millionen.  

Insbesondere beim Pflege-Bahr bleiben die Abschlüsse weit hinter den Erwartungen der Versicherer zurück: Bereits 2014 sollte nach deren Vorstellungen die Schwelle von einer Million Verträgen überwunden werden – ein Ziel, das selbst fünf Jahre später noch nicht erreicht wurde.  

Wenig ermutigend ist auch die Tatsache, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der gekündigten Pflegetagegeldpolicen im Verhältnis zur Zahl der neu abgeschlossen Policen zugenommen hat. Dies ergibt sich aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Abgeordneten Pia Zimmermann.

Zahl der Neuabschlüsse rückläufig

So standen im vergangenen Jahr 170.000 neu abgeschlossenen Pflegetagegeldversicherungen insgesamt 66.000 Kündigungen gegenüber – dies entspricht einer Quote von 38,82 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 betrug die Quote nur 9,89 Prozent – 475.000 neu abgeschlossenen Verträgen standen 47.000 Kündigungen gegenüber. Seitdem hat sich die Zahl der Neuabschlüsse rückläufig entwickelt, während sich die Zahl der Kündigungen erhöhte.  

 

JahrZugang KündigungenAnteil der Kündigungen an den Zugängen
2012171.00036.00021,05%
2013279.00044.00015,77%
2014475.00047.0009,89%
2015309.00056.00018,12%
2016261.00058.00022,22%
2017229.00079.00034,50%
2018191.00068.00035,60%
2019170.00066.00038,82%
Gesamt2.085.000454.000

Laut Constantin Papaspyratos, Chefökonom beim Bund der Versicherten, ist ein Bündel von Ursachen für die geringe Verbreitung verantwortlich. Das Problem liege neben der Beratungsintensität und -komplexität auch in mangelnder vorausschauender Planung des Verbrauchers. „Zahnzusatzversicherungen werden beispielsweise deshalb so gut verkauft, weil hier die Aussicht darauf besteht, mittelfristig eine Leistung zu bekommen, welche die Lebensqualität merklich verbessert. Bei der Pflegelücke betrachten vor allem die Jüngeren aber nur den Ist-Zustand, wie es in 30 Jahren aussieht, weiß niemand“, sagte Papaspyratos bei einem vom PKV-Verband in der vergangenen Woche organisierten Expertengespräch.  

Für die Linken-Abgeordnete Zimmermann sind diese Zahlen auch Anlass dafür, die Forderung ihrer Partei nach einer Pflegevollversicherung zu betonen: „Die Sachlage ist eindeutig: Die Lücken der Sozialen Pflegeversicherung sind durch private Vorsorge nur für Wohlhabende mit sicheren Einkommen zu schließen. Das muss die Bundesregierung sogar für den mit Millionen geförderten Pflege-Bahr einräumen. Deshalb brauchen wir endlich die Pflegevollversicherung.“ In einem Gastbeitrag für procontra hatte sich Zimmermann für eine Verschmelzung von privater mit gesetzlicher Pflegeversicherung zu einer „Solidarischen Pflegeversicherung“ ausgesprochen.  

Für einen anderen Vorschlag machte sich zuletzt die Mittelstands- und Wirtschaftsunion, der Wirtschaftsflügel von CDU/CSU, stark. Unter dem Titel „soziale marktwirtschaftliche Pflegeversicherung“ machen sich die Unions-Politiker für die Einführung einer betrieblichen, staatlich geförderten Pflegezusatzversicherung stark. Als Vorbild soll hierbei die Chemiebranche dienen. Hier haben die R+V, die Deutsche Familienversicherung und die Barmenia Krankenversicherung eine Branchenlösung namens „CareFlex Chemie“ geschaffen, die den rund 580.000 Beschäftigten der Chemie- und Pharmaindustrie von ihren Arbeitgebern finanziert wird.  

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