Pflege-Serie (V): Private Pflegekosten-Police als Lückenfüller

Detlef Pohl Berater Zielgruppenansprache Top News von Detlef Pohl

Die brennendsten Fragen zur Pflege-Zusatzvorsorge beleuchtet in einer Serie der Pflege-Sachverständige Bert Heidekamp. Heute: Wie sich die Lücken der gesetzlichen Pflegeversicherung mit einer Pflegekostenversicherung schließen lassen.

Bert Heidekamp

„Bis jetzt hatte ich keinen einzigen Kunden, der eine Pflegekostenversicherung besitzt oder Beratungsbedarf angemeldet hat“, sagt Analyst Bert Heidekamp. Bild: Pohl

Nachdem in der Serie schon das Pflegetagegeld der Krankenversicherer, die Pflegerente der Lebensversicherer und die Unfall-Pflegerente der Unfallversicherer behandelt wurden, geht es heute um die Pflegekostenversicherung. „Der Krankenversicherer übernimmt dabei eine prozentuale Aufstockung der gesetzlichen Leistungen in Höhe der Restkosten“, erklärt Bert Heidekamp, Analyst sowie vom Bundesverband Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter (BDSF) geprüfter und zertifizierter Sachverständiger für Berufsunfähigkeits-, Unfall- und Pflegeversicherungen.

Sehr bekannt war dafür die Mannheimer Krankenversicherung (Tarif Humanis), die 80 Prozent der tatsächlich anfallenden Pflege-Restkosten nach Vorleistung der gesetzlichen Pflegeversicherung übernahm. Dieser Tarif wird heute jedoch nicht mehr im Neugeschäft angeboten. Der Krankenversicherer wurde inzwischen von der Continentale übernommen, die die Bestandsverträge weiterführt und eine eigene Pflegekostenversicherung offeriert.

Aufstockung wächst analog zur gesetzlichen Leistung

„Der Vorteil einer Pflegekostenversicherung ist in der Regel der günstige Beitrag und eine Leistung, die analog mit den gesetzlichen Leistungen mitwächst“, so Makler Heidekamp. Dadurch habe man eine gewisse Sicherheit, dass steigenden Pflegekosten automatisch mitversichert sind. Würden jedoch gesetzliche Leistungen reduziert, stiegen die Kosten und die Finanzierungslücke. „Um dem entgegenzuwirken, lässt sich eine erhöhte Leistung vereinbaren, je nach Anbieter zwischen 10 und 200 Prozent der gesetzlichen Pflegeleistungen“, hat Heidekamp beobachtet.

Diese „Restkostenabdeckung“ ist meist auch in der Höhe begrenzt. „Nicht selten übersteigen bei stationärer Pflege und hohem Pflegegrad die tatsächlichen Pflegekosten die vertraglich vereinbarten Höchstgrenzen“, warnt Heidekamp. Bei den Angeboten werde nicht selten von einer Verdoppelung oder Verdreifachung der gesetzlichen Leistungen gesprochen. Das suggeriert, dass sich die gesetzlichen Leistungen um ein Vielfaches erhöhen. „Dem ist in der Regel aber nicht so“, schränkt der Analyst ein.

Beispielrechnung offenbart Lücken und Risiken

Er rechnet es an einem Beispiel vor: Die stationären Kosten betragen 4.800 Euro und die gesetzliche Versicherung bei Pflegegrad 3 maximal 1.262 Euro. Hat der Versicherte eine 100-Prozent-Aufstockung gewählt, so werden zusätzlich 1.262 Euro vom Pflegekostenversicherer bezahlt, insgesamt also 2.524 Euro. Der Versicherte bleibt auf 2.276 Euro Eigenanteil sitzen.

Lägen die Gesamtkosten bei nur 2.000 Euro, erhielte der Kunde zusätzlich nicht die versicherten 100 Prozent, sondern nur die Restkosten in Höhe von 738 Euro erstattet, da die gesetzliche Leistung ja bei 1.262 Euro endet. „Je nach Anbieter werden eventuell nicht die Gesamtkosten anerkannt, insbesondere nicht die Wohnkosten im Heim“, warnt Heidekamp.

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Warum die Absicherung erst ab Pflegegrad 2 lohnt

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