Pflege-Serie (IV): Private Unfall-Pflegerente als Lückenfüller

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Die brennendsten Fragen zur Pflege-Zusatzvorsorge beleuchtet in einer Serie der Pflege-Sachverständige Bert Heidekamp. Heute: Wie sich die Lücken der gesetzlichen Pflegeversicherung mit einer Pflegerente der Unfallversicherung schließen lassen.

Die Tarife der Unfall-Pflegerente weisen in den Bedingungen massive Unterschiede auf“, weiß Analyst Bert Heidekamp. Bild: Pohl

Die Pflegepflichtversicherung finanziert die Versorgung von Pflegefällen als als eine Art Teilkasko-Absicherung (procontra berichtete). „Daher ist private Pflegevorsorge sehr wichtig, um den Sozialfall zu vermeiden“, sagt Versicherungsmakler Bert Heidekamp, zugleich Analyst sowie vom Bundesverband Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter (BDSF) geprüfter und zertifizierter Sachverständiger für Berufsunfähigkeits-, Unfall- und Pflegeversicherungen.

Nachdem in der Serie schon das Pflegetagegeld nach Art der Krankenversicherung (procontra berichtete) und die Pflegerente nach Art der Lebensversicherung (procontra berichtete) behandelt wurden, geht es heute um eine Ausschnittdeckung der Unfallversicherung: die Unfall-Pflegerente. Wie der Name schon sagt, leistet sie im Prinzip nur, wenn der Pflegefall durch einen Unfall hervorgerufen wird. Im Detail zahlen einige Anbieter aber bereits, wenn der Pflegefall zumindest teilweise krankheitsbedingt ist. „Die Feinheiten werden in den Bedingungen definiert: Da steht dann, dass der Unfall mitursächlich, überwiegende Ursache oder ursächlich sein muss“, weiß Heidekamp. Spätestens an dieser Stelle steige der Laie aus.

Für wen die Ausschnittdeckung passen könnte

Eine vollwertige Pflegevorsorge sei grundsätzlich besser, betont Heidekamp. Doch was passiert, wenn der potenzielle Kunde schon älter ist und der Monatsbeitrag dadurch so hoch ist, dass eine zu niedrige Pflegevorsorge herauskäme? Oder wenn der Vertrag aufgrund von Vorerkrankungen gar nicht zustande kommt? „Dann könnte eine Unfall-Pflegerente eine kleine, aber dennoch wertvolle Teilvorsorge ermöglichen“, so der Sachverständige.

Mit zunehmendem Alter steigt bekanntlich auch die Unfallgefahr. Aus diesem Grund werden die meisten Unfall-Policen ab einem bestimmten Alter nicht nur teurer, sondern schränken zudem schleichend den Versicherungsschutz ein. Heidekamp nennt Beispiele: Versicherungssummen werden reduziert, bestimmte Leistungsinhalte werden gestrichen oder der gesamte Schutz geht trotz Beitragszahlung vor einem Unfallereignis verloren, wenn bereits ein Pflegegrad vorliegt.

Wer eine Unfallversicherung vermittelt, sollte Kunden auch darüber beraten, ob eine Unfallrente eingeschlossen, einzeln abgeschlossen oder generell ausgeschlossen werden soll. „Verzichtet der Kunde auf eine Mitversicherung, sollte dies dokumentiert werden“, rät Heidekamp. Spreche der Berater die Mitversicherungsmöglichkeit jedoch nicht an, könnte laut Sachwalter-Urteil des Bundesgerichtshofes ein Beratungsversäumnis vorliegen.

Ein Praxisfall zeigt das Problem

Ein Mandant von Makler Heidekamp hatte einen Auffahrunfall. Der Kfz-Haftpflichtversicherer des Verursachers regulierte den Schaden am Auto, hat jedoch bis heute nicht den Personenschaden und die damit verbundenen finanziellen Folgen anerkannt. Das Unfallopfer trug keine Verletzungen an Gliedmaßen oder Organen davon, büßte jedoch seine geistige Leistungsfähigkeit nahezu vollständig ein. Der MDK erkannte den Pflegegrad 2 an. Hätte der Kunde eine Unfall-Rente, die ab Pflegegrad 2 zahlt, wäre er seine finanziellen Sorgen los.

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Große Qualitätsunterschiede bei Unfall-Pflegerenten

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