Pflege-Serie (III): Private Pflegerente als Lückenfüller

Berater Zielgruppenansprache Top News Detlef Pohl von Detlef Pohl

Bei der Ideal-Versicherung besteht zudem die Möglichkeit, bei Verträgen gegen laufenden Beitrag die monatlichen Beitragszahlungen durch andere Ein- oder Zuzahlungen zu reduzieren, sogar bis auf null, etwa mit der Auszahlungssumme seiner Lebensversicherung. Wer dieses Jahr einen Pflegerentenvertrag vereinbart und später Zuzahlungen leistet, um die Prämie zu senken, erhält den ursprünglich vereinbarten Zins bis zum Vertragsschluss.

Bei der Pflegerente wird nicht zwischen ambulanten und stationären Leistungen unterschieden – sie ist gleich hoch. „Das kann ein Vorteil sein, aber auch ein Nachteil – je nachdem, welche Pflegesituation stärker berücksichtigt werden soll“, sagt der Experte.

Wo Licht ist, gibt es auch Schatten

Bei Pflegerenten gibt es erhebliche Unterschiede bei Definitionen und Klauseln sowie im Vertrauen auf Zuverlässigkeit. So enttäuschen Heidekamp insbesondere Dialog und auch Volkswohl Bund, die „bis heute keine Umstellungsangebote von Pflegestufen auf Pflegegrade ermöglicht haben, obwohl das Pflegestärkungsgesetz II bereits Anfang 2017 in Kraft ist“. Hier könne es im Pflegefall zu besonderen Risiken kommen. „Vermittler müssen unbedingt auf entsprechende Deckungslücken hinweisen, sofern sie solche Alt-Verträge betreuen“, rät der Analyst. Die Versicherer dürfen sich nicht wundern, wenn Vermittler sie deswegen fortan meiden.

Heidekamp empfiehlt, die Wünsche des Versicherten genau zu analysieren und zu dokumentieren. Neben einigen nachteiligen Klauseln werde bei Pflegerenten nicht selten der regionale Geltungsbereich eingeschränkt. Auch bei Verwendung von Starter-Tarifen ist auf mögliche Risiken hinzuweisen, etwa Eintritt des Pflegefalls vor Umstellung oder der zu erwartende Prämiensprung zum Umstellungszeitpunkt.

Noch einen Kritikpunkt hebt der Sachverständige hervor: Anbieter, die eine Leistung nur bei Erreichung einer bestimmten Anzahl von ADL-Punkten (steht für Tätigkeiten des täglichen Lebens) anerkennen, sollten gemieden werden. „Es wird schwer, dem Kunden zu erklären, wenn er Leistungen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung erhält, aber nicht aus seiner privaten Pflegerentenversicherung“, so Heidekamp, der auch Inhaber der Online-Plattform fairtest.de ist, die Versicherungsbedingungen von Pflege-Zusatzpolicen analysiert und bewertet.

Die besten Angebote

Fairtest hat kürzlich Pflegerentenpolicen nach 83 Schwerpunktfragen mit mehr als 900 Qualitätsmerkmalen überprüft. Ergebnis: Die Ideal-Versicherung ist sowohl bei Policen gegen Einmalbeitrag (Tarif „PflegeRente Exklusiv“, Stand 10/2017), gegen laufenden Beitrag („PflegeRente Exklusiv“, Stand 10/2017) und bei Starter-Policen („PflegeStarter Exklusiv“) mit je 63 Prozent Erfüllungsgrad bei den Schwerpunktfragen Testsieger. „Die weiteren Anbieter eines überschaubaren Marktes sind weit abgeschlagen“, so Analyst Heidekamp, der die Ergebnisse im Internet regelmäßig publiziert.

Die besten Tarife werden mit einem „Qualitäts-Award“ ausgezeichnet und veröffentlicht (procontra berichtete). „Damit erhalten Vermittler und Endkunden eine zuverlässige Orientierung“, weiß Heidekamp. Er kennt kein anderes Rating oder Testberichte, die ausreichende Bedingungsmerkmale qualitativ bewerten.

Generell ist der Markt für Pflegerenten allerdings geschrumpft und inzwischen sehr überschaubar. So hat das Institut für Finanzmarkt-Analyse kürzlich nur noch neun Gesellschaften mit 39 Tarifen ermittelt, wobei zwei Lebensversicherer zugleich auch Produktgeber für vier weitere Pflegerenten sind (procontra berichtete). Vor fünf Jahren waren es noch 20 Gesellschaften mit 61 Tarifen.

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Vor- und Nachteile sowie die besten Anbieter