Pflege-Serie (III): Private Pflegerente als Lückenfüller

Berater Zielgruppenansprache Top News Detlef Pohl von Detlef Pohl

Die brennendsten Fragen zur Pflege-Zusatzversicherung beleuchtet der Pflege-Sachverständige Bert Heidekamp in einer sechsteiligen Serie. Heute: Wie sich die Lücken der gesetzlichen Pflegeversicherung mit einer privaten Pflegerente schließen lassen.

Bert Heidekamp

Die Zahldauer einer Pflegerentenversicherung lässt sich begrenzen, ohne anschließend den Leistungsanspruch zu beeinträchtigen, weiß Analyst Bert Heidekamp. Bild: Pohl

Die Pflegepflichtversicherung finanziert die Versorgung von Pflegefällen als eine Art Teilkasko-Absicherung (procontra berichtete). Pflegebedürftige müssen im Schnitt 2.015 Euro pro Eigenanteil im Pflegeheim bezahlen, Tendenz weiter steigend (procontra berichtete). Kürzlich brachte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn eine Deckelung des Eigenkapitals auf maximal 700 Euro monatlich und für höchstens 36 Monate ins Gespräch (procontra berichtete).

Der Vorschlag bezieht sich aber nur auf den einrichtungseinheitlichen Eigenteil für die Pflege (derzeit im Schnitt 786 Euro), also nicht auf die Gesamtkosten im Heim, deren größere Posten Unterkunft, Verpflegung sowie Investitionskosten der Einrichtung ausmachen. „Es bliebe also bei einer Teilkaskoversicherung und private Pflegevorsorge ist somit weiter sehr wichtig, um den Sozialfall zu vermeiden“, sagt Versicherungsmakler Bert Heidekamp, zugleich Analyst sowie vom Bundesverband Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter (BDSF) geprüfter und zertifizierter Sachverständiger für Berufsunfähigkeits-, Unfall- und Pflegeversicherungen.

Unterschiede zu und Gemeinsamkeiten mit dem Pflegegeld

Während das Pflegetagegeld nach Art der Krankenversicherung kalkuliert ist (procontra berichtete), ist die Pflegerente nach Art der Lebensversicherung gestrickt. „Beide haben den Vorteil, dass sie zur freien Verfügung des Versicherten stehen und außer für Pflegekosten auch für ‚Hotelkosten‘ im Pflegeheim und für Verpflegung verwendet werden können“, weiß Heidekamp.

Pflegerenten sind kurzfristig zwar teurer als Pflegetagegeld-Policen, dafür aber weitgehend resistent gegen Beitragserhöhungen und damit langfristig womöglich günstiger. „Bis auf die vereinbarten Dynamikerhöhungen hat sich bei meiner persönlichen Pflegerente bislang keine Prämienerhöhung oder Kürzung der Überschüsse ergeben, was man von der Pflegetagegeld-Versicherung nicht sagen kann“, urteilt Heidekamp aus eigener Erfahrung. Grundsätzlich bestehe jedoch das Risiko, dass Überschüsse bei Pflegerenten reduziert werden. Nur in sehr besonderen Fällen könnten die Beiträge angehoben werden.

Für wen die Pflegerente sinnvoll ist

Die Police ist gegen Einmalbeitrag oder gegen monatliche Beiträge erhältlich. Besonders junge Leute können sich günstig und hoch versichern, etwa über einen Starter-Tarif der Ideal-Versicherung. Eine Überlegung ist sie auch für Kunden, die zusätzlich zur Absicherung etwas Kapital ansparen oder die Beitragszahlungsdauer abkürzen wollen. „Die Zahldauer lässt sich begrenzen, ohne anschließend den Leistungsanspruch zu beeinträchtigen“, erklärt der Sachverständige.

Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass der Kunde den Vertrag kündigen kann, solange noch kein Pflegefall vorliegt. „Der Rückkaufswert kann je nach Beitragszahlungsdauer, meist nach zehn bis 15 Jahren, höher sein als die eingezahlten Beiträge“, hat Heidekamp beobachtet. Das sei auch der häufigste Grund für die Wahl eine Pflegerente – zu wissen, dass man in bestimmten Fällen nicht „umsonst“ gezahlt hat.

Teilauszahlungen bei schwerer Erkrankung

Hat der Versicherte eine so schwere Erkrankung, dass seine Lebenserwartung nur noch sehr gering ist, hilft ihm seine reguläre monatliche Pflegerente nicht unbedingt. „Er kann sich dann den Rückkaufswert auszahlen lassen und so noch eine schöne Zeit finanzieren“, argumentiert der Makler. Zudem können je nach Tarif auch Teilbeiträge entnommen werden und damit private Finanzierungslücken überbrückt werden. Der Versicherte hat also eine gewisse Geldreserve. Bei der Ideal-Versicherung können bis zu 75 Prozent eines Einmalbeitrages entnommen werden, hebt Heidekamp hervor. Um die ursprünglich versicherte Leistung zu bewahren, kann das Konto durch laufende Beitragszahlungen wieder aufgefüllt werden.

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