Pflege-Serie (II): Privates Pflegetagegeld als Lückenfüller

Pflegegeld Berater Zielgruppenansprache Top News von Detlef Pohl

Generell von Vorteil beim Pflegetagegeld ist, dass man Kinder im Pflegefall der Eltern finanziell entlasten kann. So ist auch eine Nachversicherung ohne Gesundheitsfragen nur beim Pflegetagegeld möglich. Das ist zum Beispiel dann sinnvoll, wenn ein Elternteil bereits eine Pflegezusatzversicherung hat. Zudem besteht je nach Tarif eine hohe Flexibilität, so dass für jeden Finanzbedarf die passende Absicherung möglich ist. „Besonders im Pflegegrad 2 und 3 gibt es viele Fälle, also muss das Pflegegeld für die ambulante Pflege entsprechend hoch versichert sein“, so Heidekamp. Hintergrund: Die meisten Kunden wollen stationäre Pflege um jeden Preis verhindern, insbesondere Wohneigentümer.

Bedingungsunterschiede, Ratings und Orientierung

Die Bedingungen von Pflegetagegeldversicherungen unterscheiden sich erheblich. „Ich stelle Qualitätsunterschiede zwischen 25 und 40 Prozent fest“, sagt Heidekamp, der auch Inhaber der Online-Plattform fairtest.de ist, die Versicherungsbedingungen von Pflege-Zusatzpolicen analysiert und bewertet. Dabei werden über 200 Schwerpunktfragen mit über 1.200 Qualitätsmerkmalen bewertet. Erstmalig 2018 wurden diese Merkmale Zielgruppen zugeordnet. Die besten Tarife wurden mit einem „Qualitäts-Award“ ausgezeichnet und veröffentlicht (procontra berichtete).

Heidekamp kennt kein anderes Rating oder Testberichte, die ausreichende Bedingungsmerkmale qualitativ bewerten. „Bedingungsunterschiede beim Pflegegeld gibt es insbesondere bei der Anerkennung des Pflegefalls, der Definition, den Ausschlüssen, bei den Obliegenheiten und Mitwirkungspflichten, im Geltungsbereich, den Nachversicherungsoptionen, bei Dynamik und Beitragsregelungen“, erklärt der Analyst. Aber auch bei Antrags- und Risikofragen sowie Annahmerichtlinien unterschieden sich die Tarife erheblich. So gibt es Versicherer, die keine Gesundheitsfragen zu psychologischen/psychische Behandlungen oder Erkrankungen stellen. Der regionale Geltungsbereich könne auch wichtig sein, insbesondere für Personen, die in Grenznähe wohnen.

Zielgruppen-Konzepte wichtig

Welche Ziel- und Wertungsgruppen könnten bei der Wahl eines Tarifes eine Rolle spielen? „Dies könnten Kindertarife sein oder Tarife für junge Familien, die einen Kinderwunsch haben und ohne Gesundheitsfragen eine Nachversicherung wünschen“, sagt Heidekamp. Wer noch nicht so viel finanzielle Mittel frei hat, für den könnte ein Options- oder Startertarif eine Lösung sein. Bei Senioren seien die Anforderungen sehr unterschiedlich, je nachdem, ob Angehörige oder ein Partner die Pflege mit übernehmen kann. Auch Beamte benötigen eine entsprechende Pflegevorsorge.

„Es gibt also viele Lösungsansätze“, so das Fazit des Sachverständigen. Speziell für die Zielgruppe „ohne spezielle Vorgaben“ hat fairtest.de diese drei Tarife als beste eingestuft:

  • Inter: QualiCare QC 1 und 2 sowie QU-E (Stand 10.2017), Beitragsbefreiung ab Pflegegrad 5
  • Münchener Verein: Deutsche Privat-Pflege-Premium inklusive B, NVO und EZ (Stand 9.2017), Beitragsbefreiung ab Pflegegrad 2
  • R+V: PM/PM1M Premium inklusive PE (Stand 7.2019), Beitragsbefreiung ab Pflegegrad 4 .

Wichtig ist, dass im Pflegefall ein Betrag von insgesamt ungefähr 3.000 Euro monatlich zur Verfügung steht. „Je eher die Zusatzabsicherung erfolgt, desto preiswerter der Schutz“, rät Heidekamp. In den nächsten Artikeln werden weitere private Lückenfüller für die Pflege untersucht.

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Warum nicht jeder Tarif für verschiedene Zielgruppen passt