Pflege-Serie (II): Privates Pflegetagegeld als Lückenfüller

Pflegegeld Berater Zielgruppenansprache Top News von Detlef Pohl

Die brennendsten Fragen zur Pflege-Zusatzversicherung beleuchtet in einer sechsteiligen Serie der Pflege-Sachverständige Bert Heidekamp. Heute: Wie sich die Lücken bei der gesetzlichen Pflegeversicherung mit privatem Pflegegeld schließen lassen.

Versicherer sollten eine optionale Möglichkeit bieten, dass der Kunde wählen kann, ab welchem Pflegegrad die Beitragsbefreiung erfolgen soll, fordert Analyst Bert Heidekamp. Bild: Pohl

Die Pflegepflichtversicherung organisiert seit 1995 die Versorgung von Pflegefällen, allerdings quasi nur als eine Art Teilkasko-Absicherung, die gravierende finanzielle Lücken lässt (procontra berichtete). Derzeit müssen Pflegebedürftige im Schnitt monatlich 2.015 Euro Eigenanteil im Pflegeheim bezahlen, Tendenz weiter steigend (procontra berichtete). Im schlechtesten Fall bekommt man keinen Pflegeplatz oder ambulanten Pflegedienst.

Mit einer privaten Pflegezusatzversicherung lässt sich der finanzielle Ruin und Sozialfall vermeiden. „Das Pflegetagegeld ist eine Lösung, in manchen Situationen sogar die einzige“, sagt Versicherungsmakler Bert Heidekamp, zugleich Analyst sowie erster vom Bundesverband Deutscher Sachverständiger und Fachgutachter (BDSF) geprüfter und zertifizierter Sachverständiger für Berufsunfähigkeits-, Unfall- und Pflegeversicherungen.

Das Pflegetagegeld und die Risiken

Das Pflegetagegeld zählt zur Sparte der Krankenversicherung. Somit sind die Rechnungsgrundlagen anders als bei der Lebensversicherung. Das bekommen derzeit einige Versicherte mit Beitragsanpassungen zwischen 60 und 100 Prozent hart zu spüren. Krankenversicherer können die Beiträge erhöhen, etwa dann, wenn die niedrigen Zinsen die Kalkulationsgrundlage geändert haben oder überproportional viele Pflegefälle auftreten. Versicherte können laut Paragraf 204 VVG in einen anderen Tarif wechseln, „soweit es einen gibt, denn darauf wird man wohl noch ein wenig warten müssen“, relativiert der Analyst.

Neben den Beitragserhöhungen sehen Pflegegeldtarife meist auch eine Dynamik vor. Je nachdem, welchen Tarif man gewählt hat, könnten Widersprüche des Kunden zu den Dynamikerhöhungen beim Beitrag auch zum Verlust der garantierten Leistungsdynamik führen. „Hier sollte der Vermittler genau in das Bedingungswerk schauen und dem Kunden die möglichen Folgen erklären, denn nur wenige Tarife bieten eine unbegrenzte Möglichkeit, Dynamikerhöhungen zu widersprechen“, weiß der Sachverständige.

Beitragsbefreiung als zweischneidiges Schwert

Ein Reizthema ist die Beitragsbefreiung. Steigen die Beiträge, könnte die Versicherung im Rentenalter und Pflegefall eventuell unbezahlbar werden. Besteht eine Beitragsbefreiung ab Pflegegrad 2, können dem Versicherer erhebliche Beitragseinnahmen fehlen, was wiederum den Trend zur Beitragssteigerung verstärken kann. Aus diesem Grund wird oft die Erhöhung des Tagegeldes empfohlen, hat Heidekamp beobachtet.

„Doch das ist keine gute Lösung“, urteilt der Analyst. Versicherer sollten eine optionale Möglichkeit bieten, dass der Kunde wählen kann, ab welchem Pflegegrad die Beitragsbefreiung erfolgen soll. Beim Münchener Verein etwa kann man wählen, ob man eine Beitragsbefreiung will; die Wahl besteht ab Pflegegrad 2 oder 4.

Pro und contra bei Pflege-Bahr-Tarifen

Bei den staatlich geförderten Pflege-Bahr-Tarifen (procontra berichtete) besteht laut Heidekamp ein erheblich höheres Risiko, dass die Beiträge steigen. Es gebe aber auch Vorteile, etwa der Kontrahierungszwang. Ist aufgrund des Gesundheitszustandes kein Abschluss einer Pflegegeldversicherung möglich, kann der Pflege-Bahr eine Alternative sein. Bei der Auswahl der Tarife seien zu beachten: Wartezeit, Dynamikregelungen und die Höhe der Leistungen je Pflegegrad.

Zwar wird der Tarif mit 5,00 Euro pro Monat staatlich gefördert, was aber nicht den Blick auf die Bedingungsqualität ersetzen kann. Sogenannte Kombi-Tarife von Pflege-Bahr und „vollwertiger“ Pflegegeldversicherung wie bei der Debeka hält Heidekamp für nicht empfehlenswert, weil dort die normale Pflegezusatzversicherung immer nur mit dem Pflege-Bahr-Tarif zusammen abgeschlossen werden kann.

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Warum nicht jeder Tarif für verschiedene Zielgruppen passt

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