„Mir fehlt ein Appell der Politik, sich endlich um private Pflegevorsorge zu kümmern“

Florian Burghardt Berater Versicherungen Top News von Dr. Stefan M. Knoll

Ich halte private Pflegevorsorge für unabdingbar.  Und für die Pflegebedürftigen, die sich die Vorsorge nicht haben leisten können oder die erhöhten Kosten der stationären Pflege nicht finanzieren können, hält der Sozial- und Wohlfahrtsstaat mit der Sozialhilfe ein wirksames Instrument bereit, das leistungsabhängig wirkt, während die Forderung von Herrn Spahn eine solche mit der Gießkanne ist.

Völlig offen ist dann noch, wie die Einkommenserhöhung der Pflegekräfte organisiert werden soll. Auch hier muss in die Entscheidungsfreiheit eingegriffen werden, nun eben in die der Arbeitgeber. Das ist eigentlich nicht vorgesehen, sieht man einmal vom Instrument des Mindestlohnes ab. Ob es aber perspektivisch richtig ist, den Mindestlohn bei Pflegekräften zu erhöhen, um dort mehr Attraktivität zu erreichen, wage ich zu bezweifeln. Warum eigentlich nur dort und nicht bei allen Mangelberufen. Und durchaus kritisch möchte ich fragen, wieso in einem Mangelberuf die Löhne nicht steigen. Das widerspricht jeder volkswirtschaftlichen Lehre und ist für die Pflege wohl einmalig.

Aufruf zur Eigenvorsorge wäre besser

Grundsätzlich gilt, dass der Vertrieb in keiner leichten Situation ist, wenn es um den Verkauf von Pflegezusatzversicherungen geht. Ein Staat, der auch bei diesem Thema den Bürgern permanent suggeriert, er würde die Probleme lösen, obwohl er unvertretbar verschuldet ist, steht jeder zielgerichteten Beratung grundsätzlich im Weg. Hinzu kommt, dass der Gedanke, eine Pflegezusatzversicherung abzuschließen, regelmäßig erst dann aufkommt, wenn die ersten Pflegefälle im persönlichen Umfeld auftreten, etwa bei Großeltern und Eltern.

In einer ohnehin schwierigen Situation verschlechtert die Forderung von Herrn Spahn die vertrieblichen Möglichkeiten also zusätzlich. Deshalb wäre es besser, wenn der Gesundheitsminister bei jeder sich bietenden Gelegenheit zur Eigenvorsorge aufrufen würde.

Ich wiederhole daher meine Forderung: Die Politik muss endlich damit anfangen, die Bevölkerung über die unabdingbare Notwendigkeit von privater Pflegevorsorge aufzuklären. Eigenvorsorge spart staatliche Ausgaben und nichts ist zuverlässiger als der Markt, weil dieser als Regulativ staatlichem Handeln regelmäßig überlegen ist.

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