Lebensversicherung: Das Ende der 100-Prozent-Garantie und die Folgen

Detlef Pohl LV-Check Berater Zielgruppenansprache

Viele Anbieter bleiben derzeit noch flexibler

Die beiden Veränderungen in der zweiten und dritten Vorsorgeschicht haben auch für das Vermittlungs-Neugeschäft Konsequenzen. So wird es die klassische private Rentenversicherung (3. Schicht) mit 100 Prozent Beitragsgarantie bei der Allianz im neuen Jahr nicht mehr geben. Und ein Jahr später auch keine neuen klassischen Pensionskassen-Rentenversicherungen (2. Schicht) mehr.

Vermittler und Kunden können im Neugeschäft auf Produkte mit voller Beitragsgarantie bei Wettbewerbern ausweichen sowie auf Vorsorgekonzepte in der zweiten Schicht, die ein Garantieniveau von 100 Prozent gesetzlich noch überall vorschreiben. Dazu zählen derzeit noch Riester-Verträge oder bAV-Verträge, die über eine Beitragszusage mit Mindestleistung (BZML) verfügen. Letztere ist für viele Fondspolicen in der bAV typisch.

In beiden Produktgattungen laufen hinter den Kulissen jedoch auch Reformbestrebungen, die unter anderem eine Aufweichung der Garantien zum Inhalt haben. Bei der Riester-Rente ist eine 80-Prozent-Garantie im Gespräch, bei der Betriebsrente für die BZML eine Garantie oberhalb von 50 Prozent.

Folgen der Allianz-Offensive für den Markt

Die Pläne anderer LV-Anbieter gehen in dieselbe Richtung. Einer procontra-Umfrage zufolge wollen viele „Makler-Versicherer“ dem folgen. Die Allianz öffne den Weg, das Thema Lebensversicherungen in Deutschland langfristig wieder als zukunftsorientierte Anlageform zu verankern, heißt es etwa bei der LV 1871, die jedoch weiterhin die 100-Prozent-Garantie anbieten will. Entscheiden müsse im Einzelfall stets der unabhängige Berater. Bei der Nürnberger habe die 100-Prozent-Garantie schon länger keine Rolle mehr im Neugeschäft gespielt, Alte Leipziger, Stuttgarter und Basler setzen auf flexible Garantiemodelle.

Es dürfte angesichts anhaltend niedriger Zinsen nur eine Frage der Zeit sein, bis die klassischen Policen mit voller Garantie im Neugeschäft praktisch keine Rolle mehr spielen. Die Stiftung Warentest rät von Neuabschlüssen ab, ohne jedoch brauchbare Alternativen zu nennen. Begründung: Man erfahre nicht, wie viel vom Beitrag wirklich gespart wird. Außerdem sei die bei Vertragsschluss garantierte Leistung zu niedrig.

Das liegt aber nicht an den Versicherern, sondern an der EZB-Zinspolitik. Wie unter diesen finanzpolitischen Vorzeichen mit sicheren Kapitalanlagen überhaupt noch eine hohe garantierte Leistung möglich sein soll, beantwortet Finanztest nicht.

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