Lebensversicherung: Das Ende der 100-Prozent-Garantie und die Folgen

Detlef Pohl LV-Check Berater Zielgruppenansprache

Marktführer Allianz bietet ab Januar keine Rentenversicherungen mit vollständigem Beitragserhalt mehr an. Was stattdessen geplant ist, welche Folgen das für die ganze Branche hat und wohin Kunden vorübergehend noch ausweichen können.

Gibt Marktführer Allianz den neuen Garantietakt vor?

Gibt Marktführer Allianz den neuen Garantietakt vor? Bild: Adobe Stock/Negro Elkha

Die Allianz hat angekündigt, ab 2021 bei Neuverträgen weniger Kapital an die Erfüllung der Garantien zu binden. Stattdessen soll mehr Geld für kapitalmarktnahe Anlagen genutzt werden, die mehr Rendite erbringen. Statt 100 Prozent Beitragserhalt zu jeder Zeit der Vertragslaufzeit sollen es je nach Kundenwunsch nur noch 90, 80, oder 60 Prozent Garantie sein, und auch diese gibt es erst „am Ende der Ansparzeit“. Wer vorher aussteigt, muss gegebenenfalls mit weniger Ertrag zufrieden sein.

Den Unterschied rechnet die Allianz für ihr Vorsorgekonzept „Komfort Dynamik“ vor. Dort führt eine 80-Prozent-Beitragsgarantie nach eigenem Bekunden dazu, dass etwa zwei Drittel der eingezahlten Beiträge in chancenorientierte Anlagen fließen können, die einen hohen Anteil von Aktien und Investments in Infrastruktur und erneuerbare Energien enthalten. Gegenüber sicheren Anlagen gibt es dabei Schwankungs- und Verlustrisiken, die letztlich vom Kunden zu tragen sind. Die Allianz verspricht, dies über „die stabilisierende Wirkung ihres starken Sicherungsvermögens“ abzufangen und verweist auf ihre Kompetenz in der Kapitalanlage.

Keine volle Garantie und keine Pensionskasse im Neugeschäft

Zugleich schickt die Allianz ihre Pensionskasse mit etwas Zeitverzug ab 2022 in den internen Run-off. Neugeschäft wird es dann nicht mehr geben. Bereits zum 1. Oktober 2020 hatte der Marktführer das Neugeschäft seiner Presse-Pensionskasse eingestellt. Über das Presseversorgungswerk bietet die Allianz ihr bAV-Neugeschäft nun ausschließlich als Direktversicherung und als Pensionszusage an, mit denen sich wegen der älteren Bestände an Kapitalanlagen und der wesentlich höheren Marktdurchdringung deutlich höhere Renditen erzielen ließen.

Die Allianz-Pensionskasse ist laut BaFin-Statistik von 2018 mit einer Bilanzsumme von 12,79 Milliarden Euro die zweitgrößte Pensionskasse am Markt. Größte Pensionskasse ist der BVV Versicherungsverein des Bankgewerbes mit 29,84 Milliarden Euro Bilanzsumme. Die Allianz-Kasse hatte Ende 2018 rund 838.000 aktive Beitragszahler (Anwärter), während etwa 27.500 Ruheständler bereits Betriebsrente über die Kasse bezogen. Beim BVV waren es mit über 352.000 deutlich mehr Anwärter und auch mehr Rentner (fast 118.000). Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor.

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