Ist die Zinszusatzreserve ein „Fass ohne Boden“?

Martin Thaler Versicherungen

Panikmache oder berechtigte Kritik? Die Zinszusatzreserve muss für immer weitere Tarifgenerationen angelegt werden, für die Versicherer wird es entsprechend teurer. Der BdV nutzt die neue Zahlen für Kritik und muss auf eine Replik hierauf nicht lange warten.

#14 LV1871 (10,1 %)
Mit 64 Mio. € wurde die ZZR der LV1871 in 2019 verstärkt. Die rund 512 Mio. € stehen damit für 10,1 Prozent der Deckungsrückstellungen. Der Bestand und auch die Struktur des Neuzugangs nach lfd. Beitrag fokussieren vor allem die Sparten Renten (55% Bestand, 59% Neu) und Fondsgeschäft (30,8% Bestand, 22,3 % Neu).
 

Seit 2011 sind die Versicherer dazu verpflichtet, mittels Zinszusatzreserve zusätzliches Kapital aufzubauen. Mittlerweile müssen die Unternehmen auch für die bis 2015 vertriebenen Tarife mit einem kalkulierten Rechnungszins von 1,75 Prozent Rücklagen bilden. Das resultiert aus einer Senkung des Referenzzinses von zuletzt 1,92 auf nun 1,73 Prozent, wie die Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin gegenüber dem Bund der Versicherten kommunizierte.  

Für dessen Vorstandssprecher Axel Kleinlein sind diese Zahlen Anlass, der Lebensversicherung ihre Tauglichkeit für die Altersvorsorge abzusprechen. Denn die Rechnungszinssenkung führt laut Kleinlein im kommenden Jahr zu einer deutlichen Erhöhung der Zinszusatzreserve. „Wir erwarten branchenweit eine Erhöhung der ZZR von etwa 80 auf knapp 100 Milliarden Euro“, erklärte Kleinlein. Viele Versicherer würden die ZZR bereits heute kaum noch schultern können. „Wenn überhaupt, werden einige Versicherer die zusätzliche Belastung nur durch das Verscherbeln des Tafelsilbers stemmen können“, so der BdV-Vorstandssprecher. „Ohnehin angezählten Versicherern kann die unerwartet hohe zusätzliche Belastung die Solvenz kosten.“

GDV wehrt sich gegen Kritik

Im Jahr 2018 hatte die Politik mit der „Dritten Verordnung zur Änderung von Verordnungen nach dem Versicherungsaufsichtsgesetz“ eine neue Berechnungssystematik zur ZZR erlassen. Mittels der sogenannten Korridormethode sollten die Versicherer mehr Zeit bekommen, ihre Rückstellungen für die ZZR zu bilden.  

Kleinlein bewertete in seiner Pressemitteilung die neue Berechnungsmethodik als „politische Schützenhilfe“, die zudem ihr Ziel verfehlt habe. „Wir reden bei der ZZR mittlerweile von einem Reservierungsbedarf von heute knapp 100 Milliarden, der bis 2025 auf etwa 150 Milliarden steigt. Das ist ein Fass ohne Boden.“ Dennoch gehe er davon aus, dass die Lebensversicherer im Wahljahr 2021 weiter durch Steuergelder gestützt würden.  

Auf die entsprechende Reaktion seitens der Versicherungswirtschaft mussten die Verbraucherschützer nicht lange warten. Der GDV in Person seines Hauptgeschäftsführers Jörg Asmussen wies via Twitter-Tweet die Kritik Kleinleins zurück. „Die Zinszusatzreserve ist kein Fass ohne Boden, im Gegenteil: Richtig gerechnet steigt sie in diesem Jahr um rund 11 Milliarden auf 87 Milliarden Euro. Ab 2021 zahlen die Lebensversicherer voraussichtlich Jahr für Jahr weniger in die Reserve ein.“ Für Panikmache bestehe demzufolge kein Anlass.

Ranking: Bei diesen Anbietern beträgt die Zinszusatzreserve mehr als zehn Prozent der Deckungsrückstellungen

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